Kübelweise wird derzeit der Kritik-Eimer über den Köpfen der Wattenscheider Verantwortlichen ausgekippt. Das 1:6 gegen die Amateure des SV Werder Bremen setzte eine Protest-Lawine aus dem gefrusteten Fan-Lager in Gang, via E-Mails und mittels Leserbriefen beschweren sich die Anhänger, fordern diverse Änderungen.

SG WATTENSCHEID: "Zornesröte ins Gesicht"

tt
31. Oktober 2003, 11:10 Uhr

Kübelweise wird derzeit der Kritik-Eimer über den Köpfen der Wattenscheider Verantwortlichen ausgekippt. Das 1:6 gegen die Amateure des SV Werder Bremen setzte eine Protest-Lawine aus dem gefrusteten Fan-Lager in Gang, via E-Mails und mittels Leserbriefen beschweren sich die Anhänger, fordern diverse Änderungen.

Kübelweise wird derzeit der Kritik-Eimer über den Köpfen der Wattenscheider Verantwortlichen ausgekippt. Das 1:6 gegen die Amateure des SV Werder Bremen setzte eine Protest-Lawine aus dem gefrusteten Fan-Lager in Gang, via E-Mails und mittels Leserbriefen beschweren sich die Anhänger, fordern diverse Änderungen.
Ein Fan-Club, der sich nach einem Killerwal benennt, fordert das Groß-Reinemachen: "Neuer Trainer, neuer Aufsichtsrat, neuer Präsident und keine Firma Steilmann mehr." Coach Hannes Bongartz: "Wenn die Leute meinen, man braucht einen Herrn Steilmann hier nicht mehr, dann treibt mir das die Zornesröte ins Gesicht. Für diesen Mann würde ich sogar umsonst arbeiten."
Auch Club-Chef Rüdiger Knaup kann angesichts der an Unsachlichkeit kaum noch zu überbietenden Argumentation nur den Kopf schütteln. "Ich lese mir die Reaktionen der Leute jeden Tag durch. Ein Vorwurf lautet, wir würden jeden Spieler zum schnellstmöglichen Zeitpunkt verkaufen. Wann soll ich denn einen Transfer durchführen, wenn nicht ein Jahr vor Vertragsende, wie im Fall der Altintop-Zwillinge?" Die erzielte Ablösesumme für das Duo (insgesamt über zwei Millionen Euro) war die Lebenserhaltungs-Spritze für den Verein.
Mittlerweile fließt sogar weiteres Geld Richtung Lohrheide. Da Hamit Altintop für Schalke zehn Pflichtspiele in der Anfangsformation absolvierte, darf sich Wattenscheid über den Zuschlag von 150.000 Euro freuen. Ähnliches Bild bei Halil Altintop: Sein zehnter Einsatz für den 1. FCK (1:4 gegen Bayern München) bereichert das SG-Konto um 100.000 Euro.
Auch den "Filz-Vorwurf" kann Dr. Rüdiger Knaup nicht ohne weiteres stehen lassen. "Als wir im Frühjahr auf Platz eins standen, war der gleiche Trainer im Amt, der Präsident war ebenfalls der selbe, auch der Aufsichtsrat gestaltete sich in gleicher Zusammensetzung. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber kein Vorwurf der Vetternwirtschaft in Wattenscheid geäußert. 35 Jahre lang hat es offenbar auch niemanden gestört, dass ein Klaus Steilmann den Verein mit seiner Unterstützung nach oben gebracht hat."
Dass die SG 09 zum 30. Juni 2003 einen Transferüberschuss in mittlerer sechsstelliger Höhe vorweisen konnte und damit das Privileg genießt, zu den ganz, ganz wenigen unverschuldeten Drittligisten zu zählen, sei nur am Rande erwähnt. "Wir haben unseren Etat innerhalb der letzten Jahre um 50 Prozent reduziert, vom Zeugwart über die Spieler bis hin zum Trainerstab haben alle verzichtet. Von unserer Seite wurde alles getan, um den Verein am Leben zu erhalten", fasst Hannes Bongartz das rapide Sparprogramm zusammen.
Dass solche Aktionen zwangsläufig zu Lasten der Qualität und der Alternativen gehen, versteht sich nahezu von selbst. Der Kurs wurde nach den vollmundig verkündeten Aufstiegs-Zielen korrigiert, personelle Fehler wurden eingeräumt. Trotzdem lässt sich der Trainer nicht alles kaputt reden.
"Wenn man den Verein einfach so laufen lässt und die Besserwisser das Ruder übernehmen, dann findet sich der Club irgendwann in der Landesliga wieder. Bei uns darf jetzt keiner gegensteuern, alle müssen an einem Strang ziehen", setzt Bongartz auf dringend erforderlichen Zusammenhalt.
Der frühere Mittelfeld-Zauberer weiß, dass mit Kabinettstückchen derzeit kein Punkt zu machen ist. "Wie wir zuletzt gespielt haben, das ist nicht der Fußball, den ich mir vorstelle. Wir sind in den vergangenen Spielzeiten stets attraktiv aufgetreten. Ab sofort kehren wir zur alten Viererkette mit Teichmann, Stuckmann, Grauer und Katriniok zurück, Einer muss im Team für den Anderen da sein. Nur durch Erfolg können wir die hier herrschende Unruhe bekämpfen."
Und in Neumünster beim Tabellenletzten sind drei Punkte eminent wichtig, um einen Konkurrenten auf Distanz zu halten. "Neumünster spielt Manndeckung über den ganzen Platz, aber wir werden unser Spiel machen. Auswärts gab es zuletzt zwei Siege in Folge, daran müssen wir anknüpfen", fordert der Trainer. Einen Punkte-Plan hat die SG-Chefetage für die kommenden Partien nicht aufgestellt. Dr. Knaup: "So vorzugehen, wie bei Hertha BSC Berlin, halte ich für vollkommen pervers."

Autor: tt

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