RWE: RS Kommentar über Essens Amigo-Affäre und Fachs "Nasen-Tanz"

og
26. September 2003, 11:37 Uhr

Aus Nike (RWE) wurde Jever (Mönchengladbach)! Holger Fach wechselte die "Pins" der Sponsoren am Revers rasend. Das genannte Bier schmeckt bitter, genau so das Schmierentheater, dessen Regisseur offenbar in Mönchengladbach auf dem Stuhl des Sportdirektors sitzt: Christian Hochstätter. Auf einen Fach jetzt mit dem Finger zu zeigen, hat einen leicht heuchlerischen Ansatz. - von Oliver Gerulat

Aus Nike (RWE) wurde Jever (Mönchengladbach)! Holger Fach wechselte die "Pins" der Sponsoren am Revers rasend. Das genannte Bier schmeckt bitter, genau so das Schmierentheater, dessen Regisseur offenbar in Mönchengladbach auf dem Stuhl des Sportdirektors sitzt: Christian Hochstätter. Auf einen Fach jetzt mit dem Finger zu zeigen, hat einen leicht heuchlerischen Ansatz.
Letztendlich weiß der 41-Jährige, wie das System funktioniert, hat seine Gesprächs- und Vertragspartner ziemlich alt aussehen lassen und nebenbei genau den Ruf bestätigt, den er hat: Egozentrik pur. Eine Klausel hat sich der Fußball-Lehrer in seinen Vertrag einbauen lassen, bei einem Profi-Angebot von Borussia Mönchengladbach (und nur bei diesem) sofort wechseln zu können, die Anregung dafür kam von Hochstätter.
Die Begründung: Fach wollte eigentlich einen Zweijahresvertrag, genau wie bei den Gladbacher Amateuren, den Essen jedoch verweigerte, die Verantwortlichen offerierten zwölf Monate plus Option. Der Ex-Profi sah das Risiko bei sich, wollte durch die Klausel auch ein wenig "Licht" sehen. Später wollten beide beteiligten "Papier-Partner" - RWE und Fach - von der Entwicklung unglaublich überrascht worden sein. Da stellt sich die Frage: Wenn alles so unvorhersehbar war, wo sah Fach vorab das "Licht" durch die Klausel?
Klar ist doch, nur RWE war wirklich überrascht - und Ewald Lienen vielleicht, der letztendlich offenbar schon vor knapp drei Wochen entlassen war. Klar ist weiter, Fach und Hochstätter sind Kumpels, richtig gute. Aus diesem Duo wurde jetzt auch flugs ein Trio. Stefan Mücke, ein sehr guter Freund von Fach, ist neuer Co-Trainer. Vorgänger Michael Frontzek ist freigestellt. Mücke hatte kürzlich noch einen Auftritt bei RWE, führte den Laktatwerttest durch.
Als nächstes stellt sich die Frage nach der Rolle der RWE-Verantwortlichen bei diesem Stück. Heldenhaft war der Part bestimmt nicht, eher dürftig. Fakt: Da kommt ein Amateurtrainer, der vorher unglaubliche Erfahrungen auch in der Landesliga gesammelt hat und diktiert den Bossen an der Hafenstraße Klauseln in die Verträge. Man hätte ihn sonst nicht bekommen, wird erklärt. Echt? Man hat ihn auch jetzt nicht - oder? Normalerweise sollte man mit einer dürftigen Coach-Vita bei einer angebotenen Chance wie RWE auf den Knien in Richtung Bergeborbeck kriechen. Es sei denn, man hat einen "Amigo" - wie Fach. Ergo: Warum war RWE überrascht? Die gesamte Konstellation muss doch einfach von Beginn an zum Himmel gestunken haben, keiner der Verantwortlichen bekam jedoch spitze Ohren, keiner wurde nervös-hellhörig, als es um eine Klausel ging, die doch einen so unwahrscheinlichen Sachverhalt abdeckte, dass sie doch eigentlich vollkommen überflüssig war. Es sei denn, man hat Hintergedanken. Aber wie gesagt, in Essen braucht keiner zu jammern, ein Vertrag besteht aus - wie der Jurist formuliert - mindestens zwei übereinstimmenden Willenserklärungen.
Drei Fakten zum Schluss: Die Entscheidung der Verantwortlichen, Fach diesen Passus im Vertrag zu gewähren, basierte nicht auf einem Gesamt-Konsens, in den Gremien kam es zu Protesten - ignoriert. Sollte es am Ende der Saison wieder nicht reichen, jeder kann sich ausmalen - und zwar in den buntesten Farben - was dann los ist. Allerdings, und das ist die vorletzte Tatsache: Rein sportlich hat Fach dem Club unter Umständen sogar noch einen riesigen Dienst erwiesen. Die Motivation im Kader ist jetzt unglaublich. Wenn man neben den vom Club gelieferten "weichgespülten" Statements aus dem Spielerkreis einmal intensiver nachhorcht, fallen Kraftausdrücke wie reife Früchte. Ungefährer Tenor: Jetzt kann man auch "Dick und Doof" auf die Bank setzen, das Team marschiert auch so. Der finale Fakt: Der neuverpflichtete Jürgen Gelsdorf ist nicht die eine Komikerfigur, ein "Co" wie Michael Lusch nicht die andere und vor allen Dingen ist Fach nicht der Trainer-Papst, den man in Essen verpflichtet haben wollte, dazu reichen drei Siege einfach nicht aus - auch wenn die RWE-"Macher" wie Rolf Hempelmann und der Sportliche Leiter Frank Kontny nicht müde werden, das Fach-Tänzchen auf ihren Nasen zu rechtfertigen.

Autor: og

Kommentieren