Reggina und Sampdoria eröffnen die "Serie Chaos"

db
30. August 2003, 10:39 Uhr

In der italienischen Serie A rollt ab heute wieder der Ball. Doch das erste Saisonspiel zwischen Reggina Calcio und Sampdoria Genua gerät angesichts der großen Krise um Finanzen und Skandale fast schon zur Nebensache.

Im italienischen Fußball scheint schon lange nicht mehr die Sonne, stattdessen herrscht das Chaos auf fast allen Ebenen. Doch trotz zahlreicher Widrigkeiten startet die Serie A am Wochenende wie geplant in die neue Saison. Allerdings hat die einst beste und teuerste Liga der Welt längst ihren Glanz verloren und durch das Theater der letzten Tage und Wochen einen erheblichen Imageschaden erlitten.

Zumal die Krise noch längst nicht beendet ist: Die Zweitligisten wollen ihren zweimonatigen Boykott wegen der Aufstockung von 20 auf 24 Mannschaften fortsetzen, weshalb der Saisonauftakt der Serie B entfällt. Am Freitag findet in Rom erneut eine Krisensitzung statt, bei der die Klubs sogar den Rücktritt von Verbandschef Franco Carraro beantragen werden.

Reggina gegen Genua zum Auftakt

Dass am Samstag die Serie A mit dem Spiel Reggina Calcio gegen Sampdoria Genua eröffnet wird, ist im "Calcio Chaos" derzeit nur Nebensache. "Die Situation ist ungewiss wie noch nie. Die Liga ist stark beschädigt", schrieb die Gazzetta dello Sport am Donnerstag. "Drei Tage vor dem Saisonstart müsste man eigentlich über Taktik und die Spieler sprechen, doch seit Monaten stehen bei uns Skandale im Vordergrund", kritisierte Candido Cannavo, ehemaliger Gazzetta-Chef und einer der wichtigsten Fußball-Experten in Italien, die momentane Situation.

In der Tat steckt der italienische Fußball in der wohl größten Krise seiner Geschichte. Monatelang wurde vor Gerichten gestritten, das System gilt als korrupt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klubs und den Verband, die Kassen sind leer. Entsprechend steuern die Vereine einen rigiden Sparkurs. Dank massiver Gehaltskürzungen wollen die 18 Erstligisten bis zum Saisonende 100 Millionen Euro einsparen. Weshalb die Serie A, die jahrelang das Maß aller Dinge war, längst ihren Reiz verloren hat. Die Topstars wechseln inzwischen nach Spanien oder England.

Italiens Klubs verzichten auf große Transfers

Italien muss sich trotz Fernseheinnahmen von 334,9 Millionen Euro pro Saison mit der Zweiten Wahl begnügen. So leistete sich der hochverschuldete AS Rom mit Christian Chivu von Ajax Amsterdam, der 18 Millionen Euro Ablöse kostete, den teuersten Transfer der Liga. Mehr Beachtung fand da schon der AC Perugia mit der Verpflichtung von Al-Saadi Gaddafi. Die großen Titelaspiranten Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand hielten sich dagegen merklich zurück und setzten erstmals auf Kontinuität.

Die Verantwortlichen bei Inter mussten sich von ihrem Torjäger Christian Vieri, einst mit einer Ablöse von 90 Millionen Mark teuerster Spieler der Welt, sogar vorwerfen lassen, durch den Verkauf von Hernan Crespo zu Chelsea London die Mannschaft entscheidend geschwächt zu haben. "Anstatt uns zu verstärken, bauen wir den Kader noch ab", schimpfte Vieri. Dennoch will Inter nach 14 Jahren erstmals wieder die Meisterschaft gewinnen.

"Trap" hat wieder Juve auf der Rechnung

Auch wenn Nationaltrainer Giovanni Trapattoni eher den Titelverteidiger favorisiert. "Juve hat sehr gute Chancen, seine Führungsposition in Italien auszubauen", sagte der "Maestro". Neben Juve und Inter zählen Champions-League-Sieger AC Mailand und Lazio Rom zu den üblichen Favoriten auf dem Appenin.

Trotz des Chaos hat wenigstens Trapattoni den Glauben an den italienischen Fußball nicht verloren: "Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine derartige Krise erleiden. Aber dieses von allen Seiten kritisierte System hat sich auch immer wieder aus eigener Kraft aufgeschwungen und gerettet."

Autor: db

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