Oberliga Nordrhein: 4. Spieltag, Vorschau & Expertentipp

Speldorf will an die Spitze

18. August 2006, 16:50 Uhr

Einst war er der „Traumhüter“, nun ist er der „Geburtstagstrainer“. Lars Leese kommt heute um 20 Uhr mit Aufsteiger SSG Bergisch Gladbach zum Mülheimer Blötter Weg und tritt beim VfB Speldorf an. Die Grün-Weißen verfolgen ein einmaliges Ziel: Sie wollen für 19 Stunden die Tabellenspitze übernehmen.

Zugegeben, es ist erst der vierte Spieltag – aber die Speldorfer Fans interessiert das nicht. Einzig Trainer Piero Lussu bremst: „Ich hoffe, dass uns die Fans antreiben und nicht in zu große Euphorie verfallen.“ Denn 90 Fußball-Minuten stehen vor den Fans – 90 harte Minuten, wie Lussu glaubt: „Bergisch Gladbach wird Beton anrühren und auf Konter spielen.“ Und Speldorf? Lussu selbst hat eine offensive Aufstellung angekündigt und eine von Beginn an offensive und mutige VfB-Elf. Eins steht fest: Dennis Rommel läuft noch nicht von Beginn an auf. Der 19-jährige Stürmer, der in Solingen in den letzten 20 Minuten für Furore sorgte, ist noch nicht fit genug für ein Spiel über die volle Distanz. Das weiß er selbst auch: „Wenn ich fit wäre, hätte ich in Solingen ein Tor gemacht.“ Die Gäste aus Bergisch Gladbach wollen ihrem Coach ein Geschenk zum 37. Geburtstag machen. Lars Leese bestreitet die von seinem Kollegen Lussu vermutete Defensivtaktik. „Wir werden selbst auf Sieg spielen“, verrät Leese. Dabei weiß er als Ex-Profi-Torwart selbst gut genug, wie es geht, Tore zu verhindern. Seine Karriere brachte Leese gemeinsam mit dem Journalisten Ronald Reng im Buch „Der Traumhüter“ zu Papier. Er schildert seine Stationen Bayer Leverkusen und FC Barnsley (mit 1:0-Sieg beim FC Liverpool) – und die Arbeitslosigkeit nach Vertragsende. „Der Traumhüter“ an der „Blötte“ – eine Premiere.

Zeitgleich trifft Ex-Zweit- und Ex-Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen im Niederrheinstadion auf TuRU Düsseldorf. Den Service, Pendelbusse vom Sterkrader und Oberhausener Bahnhof zum Stadion fahren zu lassen, gibt es übrigens immer noch. Reminiszenz an alte Zeiten? Nach dem 0:1 bei der SSVg Velbert herrscht Ernüchterung beim Aufstiegsfavoriten. Trotzdem wird Trainer Hans-Günter Bruns sein Team vermutlich nicht verändern. Der verletzte Thomas Rietz fehlt ein weiteres Mal. Bei TuRU Düsseldorf sitzt ein Held aller VfL-Bochum-Fans auf der Trainerbank. Frank Benatelli rettete TuRU in der vergangenen Saison nur knapp vor dem Abstieg. Gemeinsam mit dem neuen Manager Detlev Czoske (vorher Velbert) hat er nun ein völlig neues Team aufgebaut, dass vor einer Woche den KFC Uerdingen mit 4:1 bezwang – das war der erste Saisonsieg. TuRU reist als krasser Außenseiter an. Das ist ein Gefühl, dass Benatelli aus seiner aktiven Karriere gut genug kennt.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der ETB Schwarz-Weiß Essen verlor die letzten beiden Spiele. Beim VfB Speldorf (1:2) war Schwarz-Weiß die meilenweit bessere Mannschaft, im Duell gegen Spitzenreiter 1. FC Köln II (1:2) führte ETB mit 1:0. Am Sonntag um 15 Uhr tritt der gestrauchelte Mitfavorit beim ebenfalls schlecht gestarteten 1. FC Bocholt am „Hünting“ an. ETB-Trainer Frank Kontny kann auf zwei neue Spieler zurückgreifen. Markus Katriniok ist wieder fit und Sunay Acar (Wattenscheid 09) unterschrieb einen Vertrag.

Null Punkte, null Tore: Die Auftaktbilanz des VfB Homberg ist trostlos. Am Sonntag um 15 Uhr fährt der VfB zum Wuppertaler SV II. Die Homberger sehnen die Rückkehr von Torjäger Ercan Aydogmus herbei. Doch der Stürmer steigt erst am Montag wieder ins Training ein. Zwei Spiele, vier Punkte – diese Bilanz vereint die Reserveteams des MSV Duisburg und von Alemannia Aachen, die am Sonntag um 15 Uhr an der Westender Straße aufeinandertreffen. MSV-Trainer Horst Steffen sieht das Aufeinandertreffen der Reserveteams als „Standortbestimmung“ für seine Truppe und will dem entsprechend „auf Sieg spielen“. Personell kann er dabei aus dem vollen schöpfen, unklar ist noch, welche Profis abgestellt werden.
Haushoher Favorit ist Tabellenführer 1. FC Köln II am Sonntag um 15 Uhr im Spiel gegen Union Solingen. Am Sonntag um 15 Uhr treffen außerdem die Mitfavoriten 1. FC Kleve und SSVg Velbert direkt aufeinander. Noch sieglos sind der KFC Uerdingen und der GFC Düren, die sich in der Krefelder Grotenburg gegenüberstehen. Umgekehrte Vorzeichen am Niederrhein: Aufsteiger SV Straelen – überraschend erfolgreich im Moment auf Platz drei – empfängt den Bonner SC (13.), der bereits jetzt der Musik hinterherläuft.

Den 4. Spieltag tippt Horst Steffen (Trainer MSV Duisburg II)

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren