Eine Jubiläumsfeier, zu der mit zerknittertem Gesicht aufgetaucht wird.

RWE: Erst Hof halten in Philarmonie, dann die Gruga-Gala

og
01. Februar 2007, 13:32 Uhr

Eine Jubiläumsfeier, zu der mit zerknittertem Gesicht aufgetaucht wird.

Eine Jubiläumsfeier, zu der mit zerknittertem Gesicht aufgetaucht wird. Wenn die Vereinsverantwortlichen von RW Essen am heutigen Donnerstag in der Philarmonie Essen beim offiziellen Festakt zum 100. Wiegenfest des Traditionsvereins ab elf Uhr Hof halten, wird jedes Lächeln doch etwas gequält erscheinen. Kein Wunder, parallel wandelt RWE am tabellarischen Abgrund, der erneute Absturz in die dritte Liga droht, durch die 1:3-Niederlage in Freiburg rutschte die Mannschaft weitere Zentimeter in Richtung Verderben, das Millionen-Unternehmen RWE scheint innerhalb von drei Jahren zum zweiten Mal vor die Wand gefahren zu werden. Gerne hätte man heute schick verkündet, das Stadion wird gebaut, daraus wird wohl nichts.
Die Mannschaft ist komplett dabei: "Das wird sicher sehr emotional und interessant", prognostiziert Coach Lorenz-Günther Köstner. Belastend soll es nicht werden. "Man schaut zwar nicht in die Köpfe der Akteure", grübelt Köstner, "der eine saugt so eine Veranstaltung mehr auf als der andere, allerdings darf so was nicht hemmen, so was muss antreiben."

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen und Vizepräsident des Ligaverbandes e.V., wird am heutigen Donnerstag beim offiziellen Festakt zum 100. Geburtstag von Rot-Weiss Essen stellvertretend für den am Sonntag verstorbenen Werner Hackmann eine Rede halten. Holzhäuser übernimmt nach dem Tod Hackmanns kommissarisch das Amt des Präsidenten des Ligaverbandes e.V. Beim Festakt wird es eine Schweigeminute für Hackmann geben.
Wenn Präsident Rolf Hempelmann sagt, dass "man sich den Zeitpunkt des Jubiläums nicht aussuchen kann", hat der Mann Recht, für die Gründung des Vereins am 1. Februar 1907 kann der Bundestags-Abgeordnete nichts. Am Morgen wird das Herz nicht wirklich lachen, die abendliche Gala - bei der das Team auch Präsenz zeigt - in der Grugahalle (Start: 19.07 Uhr) wird auch kein überzeugendes seelisches Frohlocken.

Kein Wunder, irgendwie mutet das geplante leckere Menü eher ein Leichenschmaus an - wenn der Hebel nicht umgelegt wird. Köstner: "So ein Tag macht doch jedem klar, wie sehr so ein Club lebt, deshalb geben wir auch dort hin." Zwischen Philarmonie und Gala wird eine Trainingseinheit eingeschoben. Köstner: "Es ist doch gut, die Jungs kriegen Reaktionen mit, kommen unter die Leute, werden Rede und Antwort stehen, merken, wie das Umfeld denkt und fühlt."

Was auch für Köstner gilt. Seit dem 17. November ist der Fußball-Lehrer für die Mannschaft verantwortlich, in seiner RWE-Vita sind sieben Spiele aufgeführt: Vier Niederlagen, zwei Remis, ein Sieg - Aufschwung sieht sicherlich anders aus. Es stellt sich die Frage, wie es nach der Feier weiter geht, am Sonntag gastiert der FC Augsburg ab 14 Uhr im Georg Melches-Stadion. Der FCA verlor unter der Woche das Nachholmatch gegen Paderborn, am Sonntag wird Rainer Hörgl an der Hafenstraße als Gäste-Coach auf der Bank sitzen - wenn nichts mehr passiert. Auf der Bank daneben Köstner - wenn nichts mehr passiert. Die Gratwanderung zwischen feiern und zittern.

Autor: og

Kommentieren