Youssef Mokhtari hat im vergangenen Jahr die ganze Gefühls-Bandbreite erlebt.

MSV: Mokhtari über Trainer Bommer, Ziele und die National-Elf

tt
19. Januar 2007, 10:42 Uhr

Youssef Mokhtari hat im vergangenen Jahr die ganze Gefühls-Bandbreite erlebt.

Youssef Mokhtari hat im vergangenen Jahr die ganze Gefühls-Bandbreite erlebt. Beim 1. FC Köln wurden seine Dienste nicht mehr gewünscht, die "Geißböcke" lösten den Vertrag mit dem 27-Jährigen vorzeitig auf. Im Sommer fand "Mokhi" beim MSV Duisburg eine neue Herausforderung – und schlug als Taktgeber im Mittelfeld voll ein. Die Statistik belegt seinen Wert für die Mannschaft: 16 Spiele, vier Tore, sechs Vorlagen. "Ich spiele Fußball auch aus Leidenschaft. Der Spaß-Faktor ist für mich ganz wichtig und beim MSV auf jeden Fall vorhanden. Das soll auch so bleiben", sagt der marokkanische National-Spieler. Im RevierSport-Interview spricht er über seinen sportlichen Traum, die National-Mannschaft und sagt, was sich noch verbessern muss.

Youssef Mokhtari, die Rückrunde startet am kommenden Sonntag für den MSV Duisburg bei TuS Koblenz. Woran muss im Vergleich zur Hinserie noch gefeilt werden?

Wir haben insgesamt zu wenig Standard-Situationen. Da müssen wir noch mehr herausholen. Und zwar nicht 40 Meter vor dem Tor, sondern 25 Meter. Aus solchen ruhenden Bällen werden unheimlich viele Zweitliga-Duelle entschieden. Das ist eine starke Waffe, die wir noch konsequenter ausnutzen müssen. So, wie beim 2:1 in Essen durch eine Ecke zu gewinnen, das müsste es aus unserer Sicht noch öfter geben.

Der MSV hat mehrere torgefährliche Spieler in seinen Reihen: Mo Idrissou und Klemen Lavric haben sechs Treffer, Sie liegen mit vier Erfolgen ebenfalls gut im Rennen, Markus Daun sowie Björn Schlicke waren drei Mal erfolgreich...

Wenn man die Treffer auf mehrere Schultern verteilt, dann ist das schon ein Vorteil und besser, als wenn du einen Spieler dabei hast, der vielleicht 15 Dinger alleine macht. So sind wir als Mannschaft unberechenbarer. Vielleicht kann ich dem Björn Schlicke in der zweiten Halbserie noch ein paar Stück auflegen. Dass er vor dem gegnerischen Tor gefährlich ist, war mir schon vorher klar.

Durch die Neu-Gestaltung auf der Kapitäns-Ebene ist Björn Schlicke zum Spielführer für Georg Koch ernannt worden. Was schätzen Sie an ihm?

Björn ist eher der ruhigere Typ, aber er sagt auch ganz klar seine Meinung. Er bekommt für seine neue Aufgabe unsere gesamte Unterstützung. Letztlich ist aber nicht wichtig, wer der Kapitän ist, sondern es kommt auf die Spieler an, die eine Mannschaft führen. Da reicht nicht einer, davon musst du drei, vier Leute haben.

Welchen Stellenwert hat Georg Koch für Sie?

Schorsch ist einfach professionell, er wird als Typ genauso sein, wie er vorher war. Er braucht keine Binde, um Leistung zu bringen oder etwas zu sagen.

Im Trainingslager knallte es in einem Spiel zwischen Koch und Idrissou verbal. Ist das ein Anzeichen für ein Problem innerhalb der Truppe?

Was heißt Problem? Dass nicht jeder die gleiche Meinung hat, halte ich für normal. Das wäre ja im Umkehrschluss auch ziemlich langweilig. Wortgefechte gibt es auch bei mir Mal, das ist eben Fußball, da geht es um Plätze, um Existenz. Die Kunst ist aber dann, in entscheidenden Momenten zurückzurudern. Letztlich geht es nur um das Team und den Gesamt-Erfolg, nicht um einzelne Spieler. Ich sage ganz klar: Innerhalb der Truppe stimmt es. Gewisse Sachen dürfen einfach von außen nicht reingetragen werden. In der Vorrunde haben wir bewiesen, dass wir unsere Linie beibehalten haben.

In den letzten Wochen vor der Winterpause wurden Ihre Verletzungs-Probleme immer größer, haben sich die Rücken-Schmerzen gebessert?

Vor einigen Partien habe ich mir Cortison spritzen lassen, das ist natürlich kein Dauerzustand. Deswegen habe ich irgendwann gesagt: Es reicht. Durch verschiedene Übungen für Rücken-Muskulatur, Rumpf und Bauch versuche ich, die Sache in den Griff zu kriegen. Im schlimmsten Fall würde eine Operation notwendig, dann wären drei Monate Ausfallzeit vorprogrammiert. Das möchte ich unbedingt vermeiden.

Sprechen wir über Ihre Rolle im Mittelfeld: Dort wurde im Spätherbst der defensivere Part offensichtlich. Wie kam es zu der Änderung?

Normalerweise ist mein Spiel eigentlich auf der Zehner-Position. Seit einigen Begegnungen agiere ich auf der "Sechs", weil die Gegner mir immer einen Kettenhund an die Seite gestellt hatten. Deswegen hat Rudi Bommer reagiert, ich hatte das Spiel mehr vor mir. Grundsätzlich stelle ich mich immer in den Dienst der Mannschaft.

Sie kennen Rudi Bommer bereits aus Burghausen. Was zeichnet ihn aus?

Er ist ein guter Trainer, ein Perfektionist. Menschlich finde ich Herrn Bommer sehr stark, er behandelt die Nummer 20 im Kader genauso, wie alle anderen. Der Coach geht auf jeden ein, niemand kann sich seines Platzes sicher sein. Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann wird gewechselt. Man darf sich nicht ausruhen, sondern muss einfach geil sein.

Ist die Bundesliga für Sie ein Traum?

Nein, ein Traum nicht, aber ein Ziel.

Was gibt es denn für sportliche Träume bei Youssef Mokhtari?

Spanien würde mich als Herausforderung reizen. Da wird technisch toller Fußball gespielt, dazu auch noch schnell. England ist zum Spielen sicherlich auch geil. Man weiß nie, was alles so kommt, das ist ein schnelllebiges Geschäft. Im Moment zählt für mich nur der Aufstieg mit dem MSV.

Der MSV könnte irgendwann etablierter Bundesligist sein...

Vielleicht gelingt uns so etwas, wie es Eintracht Frankfurt geschafft hat.

Wie wichtig ist der erste Tabellenplatz, den der Trainer in der Restrunde angehen will?

Klar wollen wir Spitzenreiter werden. Aber ich muss das nicht unbedingt haben. Die Zielsetzung lautete vor dem Start, aufzusteigen. Wichtig ist, dass wir es schaffen, alles andere ist Begleitmusik.

Stichwort National-Mannschaft: Ist das noch ein Thema für Sie?

Ja, das Thema gibt es noch. Ich hatte allerdings für den Afrika-Cup vor ein paar Monaten abgesagt, weil ich beim 1. FC Köln helfen wollte, nicht abzusteigen. Am 7. Januar gab es jetzt wieder eine Berufung, da bin ich auch nicht mitgeflogen, weil wir in Duisburg mitten in der Vorbereitung steckten. Grundsätzlich sehe ich es als Ehre, für sein Heimatland aufzulaufen. 2008 findet wieder der Afrika-Cup statt, aber so weit denke ich noch nicht. Wichtig ist der MSV und der Aufstieg. Das wird schwer genug.

Autor: tt

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