Heilsbringer Daum verliert und sortiert

05. Dezember 2006, 12:18 Uhr

Der strömende Regen prasselte am Ende der großen Christoph-Daum-Party auf tausende verwaister Sitzschalen im Kölner WM-Stadion.

Der strömende Regen prasselte am Ende der großen Christoph-Daum-Party auf tausende verwaister Sitzschalen im Kölner WM-Stadion. Schon lange vor dem Abpfiff hatte der Großteil der 48. 000 Zuschauer fluchtartig den Heimweg angetreten, sie konnten die Schlussphase des 1:3 (0:2)-Debakels des 1. FC Köln gegen den MSV Duisburg im ersten Spiel unter Heilsbringer Daum nicht mehr mitansehen. Bei FC-Präsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier reifte spätestens in diesen 90 Minuten die Erkenntnis, dass auch ein Trainer-Guru Daum nicht einfach im Handumdrehen die Fehler in der Personalpolitik korrigieren kann. `Nun wird auch der Letzte gesehen haben, dass ich nicht alles nur durch meine Anwesenheit richten kann. Das Wort Aufstieg brauchen wir gar nicht in den Mund zu nehmen. Dazu müssen wir auf dem Platz eine andere Qualität zeigen´, sagte der 53-Jährige nach dem Spiel und wirkte ebenso gefasst wie vorbereitet auf dieses Szenario.

Ein Profi eben. Auch ein zweites Jahr Zweitklassigkeit war schon mit der Unterzeichnung des Dreieinhalbjahres-Vertrages vor zwei Wochen von Daum als Möglichkeit einkalkuliert: `Es handelt sich hier um eine mittelfristige Zusammenarbeit. Man muss rechtzeitig mit den Planungen für die Zukunft beginnen, für welche Liga auch immer.´ Mit großem Tamtam war Daum sechzehneinhalb Jahre oder 6050 Tage nach seinem letzten Pflichtspielen begleitet von den Ovationen der Fans in die Arena eingezogen. Doch eine Woche nach dem Traumeinstand des Coaches als Tribünengast beim 2:1 bei Greuther Fürth erhielt der FC im Zweitliga-Schlager eine sportliche Lektion. Zwei Tore durch den bekennenden FC-Fan Markus Daun (18., 30.) nach haarsträubenden Abwehrfehlern von Aleksandar Mitreski, Fabrice Ehret oder Torwart Andreas Wessels sowie einem Treffer von Klemen Lavric (80.) und dazu die Gelb-Rote für Alpay sorgten für einen herben Dämpfer.

Das 1:3 (90+2) von Mariano Tripodi war nicht einmal ein Lichtblick. Schon zur Halbzeit meinte BAP-Chef und FC-Edelfan Wolfgang Niedecken: `Das ist der Wiedereintritt in die Realität. Da muss man aufpassen, dass man nicht verglüht.´ Daum hatte sich vom Führungsduo Overath/Meier personelle Nachbesserungen in einem größeren Rahmen zusichern lassen. Dass es in diesem Bereich massive Änderungen geben wird, machte der Stuttgarter Meistertrainer von 1992 deutlich. `In den ausstehenden Spielen werde ich darauf schauen, auf wen ich mich bei der Riesenaufholjagd verlassen kann. Ich habe bereits einige Rückmeldungen bekommen. Die Substanz der Mannschaft stimmt, dazu werde ich Personalangleichungen vornehmen´, kündigte Daum an. Auf Alpay kann er sich verlassen, wenn auch nicht im nächsten Spiel: `Ich gebe alles für mein Team und Coach Daum´, sagte der Türke.

Rückkehrer Daum hatte als Mindestziel darauf gehofft, den Abstand auf die Aufstiegsplätze bis zur Winterpause auf maximal sechs Punkten zu halten. Jetzt sind es neun. `Für uns geht es nun darum, in den verbleiben Spielen so viel Punkte wie möglich zu sammeln´, sagte der Coach. Am kommenden Sonntag muss der FC bei Kickers Offenbach antreten, wo man im August 2005 im Pokal gescheitert war, und am 15. Dezember steht das Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern an. Matchwinner Markus Daun hatte schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl. `Es war klar, dass der FC keinen anderen Fußball spielt, nur weil Christoph Daum Trainer ist´, sagte der 26-Jährige, der aber vom FC überzeugt ist: `Der größte Fehler wäre es, die Kölner abzuschreiben.´

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