Eigentlich könnte RWE im Revier bleiben! Genau diese Einstellung ist durchaus nachvollziehbar, das Gastspiel in Rostock lässt doch nur kräftige Haue vermuten.

RWE-Ziel: Beute in Rostock und Haut aus Leder

og
22. November 2006, 17:27 Uhr

Eigentlich könnte RWE im Revier bleiben! Genau diese Einstellung ist durchaus nachvollziehbar, das Gastspiel in Rostock lässt doch nur kräftige Haue vermuten.

Eigentlich könnte RWE im Revier bleiben! Genau diese Einstellung ist durchaus nachvollziehbar, das Gastspiel in Rostock lässt doch nur kräftige Haue vermuten, die "Hansa-Kogge" prescht dahin wie ein Tragflächenboot, während der rot-weisse Seelenverkäufer eher an eine Luftmatratze erinnert, die schlaff in den letzten Zügen liegt. Essens neuer Coach Lorenz-Günther Köstner, der unter der Woche Gelegenheit hatte, auf seine Truppe, die er von Vorgänger Uwe Neuhaus übernahm, einzuwirken, weiß, es scheint eine Horrorfahrt an die Ostsee zu werden. Wo man ab 18 Uhr antritt. "Man könnte meinen", grübelt der ehemalige Unterhachinger vor sich hin, "schwieriger kann es kaum sein?"
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In der Tat, fünf Niederlagen in Folge hageltes für den deutschen Meister von 1955, sechs sollen es nicht sein. "Woher soll man den Glauben nehmen, wenn man so lange nicht gewonnen hat?", formuliert Köstner provokativ die Frage, die sich das gesamte Umfeld des Traditionsclubs stellt. Der 54-Jährige sieht es nicht ein, schon vorab alles abzuschenken. "Allerdings wollen wir damit am Freitag nicht bis ungefähr 19.45 Uhr warten", plant Köstner, seine Truppe vor dem Ostgang richtig auf Temperatur zu bringen, "es müssen vorher Taten folgen."

Es geht darum, Hansa an die Wand zu malochen, den Club von Coach Frank Pagelsdorf spielerisch auseinander zu nehmen, dürfte erst einmal eine eher windige Aussicht sein. Köstner bellt es heraus: "Wichtig ist: Jeder Platzmeter muss beackert werden, auch wenn es auswärts ist." Seelenpower benötigt man, wenn man den Ball kreiseln lassen will, sich richtig auf den Platz zu werfen, ist einfach nur eine physische Voraussetzung. Köstner nickt genau das ab: "Um das zu machen, benötigt man kein Selbstvertrauen, diese Grundvoraussetzung fordere ich."

Wer die Kohlen in der Hafenstadt aus dem Feuer holen soll, lässt sich der Ex-Kölner nicht entlocken, allerdings gibt es keine Erbhöfe, Namen beeindrucken den Fußball-Lehrer sowieso nicht. Am Montag hielt er eine Ansprache an seine Mannschaft, die sich gewaschen hatte, Akteure kamen aus der Kabine und schienen stellenweise ziemlich beeindruckt. Kritik wird geäußert, offen, schonungslos, knallhart. "Jede Einheit half mir, mein Bild zu verfestigen. Wir erarbeiten uns Vertrauen, die Vergangenheit interessiert jetzt nicht, bei keinem Akteur, die momentane Leistung zählt." So war Köstner mit der Darbietung von Stürmer Danko Boskovic bei seinem Halbzeit-Einsatz im Spitzenspiel der U23 gegen Düsseldorf unter der Woche überhaupt nicht angetan. "Er hat sich nicht unbedingt aufgedrängt, er muss mehr anbieten, ein Knipser muss fit sein, um in Situationen da zu sein."

Das gilt auch für Arie van Lent, der, nach dem er gegen Aue für Alex Löbe eingewechselt wurde, nichts zeigte. "Man sieht Arie hat noch deutliche Probleme", nimmt Köstner kein Blatt vor den Mund. Die mittelbare Zukunft könnte bringen, dass dem Holländer - der nach seinem Bandscheibenvorfall und folgender OP auf der Zielgeraden der Aufstiegssaison offensichtlich nicht wieder richtig auf die Beine kommt - die Beendigung seiner prima Karriere vor Augen geführt wird, oder er den Club im Winter verlässt, wenn sich ein vermutetes Regionalliga-Angebot bewahrheiten sollte. Bis 2008 - so lange läuft sein Vertrag - für Essen aufzulaufen, scheint schierer Unsinn.

Wie gesagt, ein mittelbarer Sachverhalt, unmittelbar steht die Mission Rostock bevor, vier Matches sind vor der Winterpause insgesamt noch im Angebot: Zwölf Punkte. Köstner - dessen verbindliche Art über eine ausgeprägte Bissigkeit nicht hinwegtäuschen sollte - ist viel zu viel Realist: "Mit welcher Berechtigung können wir sagen, wir holen vielleicht zehn? Warum sollte das plötzlich klappen? Wichtig ist, uns die Punkte zusammen zu klauen." Am besten, man fängt in Rostock damit an. Eindrücke holte sich der Familienvater beim 4:4 in Karlsruhe. Köstner: "Rostock wurde vor der Pause überrollt, nach der Halbzeit hat das Team ungemeine Moral gezeigt." Was nicht heißt, dass dem Mann nicht auch Defizite verborgen geblieben sind. Köstner betont: "Aber wir werden unserer Truppe Szenen dokumentieren, wo der Gegner anfällig ist. Mut, Wille, Entschlossenheit muss da sein, das zu nutzen."

Es gibt aktuell zwei Serien vor dem Gastspiel am Meer, der rot-weisse Negativ-Lauf, der den ehemaligen Mythos RWE nicht mehr zur angestrebten Marke werden lässt, sondern drohenderweise zum Ladenhüter, und Rostocks positive Ausbeute. Köstners Fazit: "Irgendwann sind diese zu Ende. Dafür muss aber die Vorstellungskraft da sein, sonst geht nichts. Es wird weh tun, Narben hinterlassen, aber irgendwann hat man eine Haut aus Leder."Oliver Gerulat

Autor: og

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