Daum gibt dem 1. FC Köln einen Korb - Gehrke coacht Team gegen 1860

14. November 2006, 17:54 Uhr

Der verlorene Sohn Christoph Daum kehrt nicht zum 1. FC Köln zurück: Nach fünf Tagen zwischen Hoffen und Bangen für die FC-Fans gab der 53 Jahre alte Erfolgstrainer dem krisengeschüttelten Fußball-Zweitligisten am Dienstag einen Korb.

Der verlorene Sohn Christoph Daum kehrt nicht zum 1. FC Köln zurück: Nach fünf Tagen zwischen Hoffen und Bangen für die FC-Fans gab der 53 Jahre alte Erfolgstrainer dem krisengeschüttelten Fußball-Zweitligisten am Dienstag einen Korb. Daum, der sich in der vergangenen Woche einer Hals-Operation unterziehen musste, führte `gesundheitliche Gründe´ an, nachdem er bereits am vergangenen Samstag ein Engagement in den nächsten Wochen ausgeschlossen, dem FC aber grundsätzlich Hoffnung auf eine erneute Zusammenarbeit gemacht hatte. Kölns Vereinspräsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier hatten über mehrere Tage hinweg in mehrstündigen Verhandlungen versucht, Daum von einer Rückkehr zum FC zu überzeugen. Am Dienstagvormittag gab es nochmals ein Vier-Augen-Gespräch von Meier mit dem Fußball-Lehrer.

Um 12.24 Uhr erfolgt die Absage. Daum unterrichtete den FC-Chef später telefonisch. Overath steht nun eine brisante Jahreshauptversammlung am 21. November bevor. Daum, ehemaliger Meistercoach des VfB Stuttgart, wurde zwar ob der Kölner Offerte wankelmütig, entschied sich am Ende aber doch zur Absage. Overath und Meier pokerten hoch, setzten in den letzten Tagen alles auf die Karte Daum. Nun beginnt die Trainersuche von neuem. Als mögliche Kandidaten werden Welt- und Europameister Jürgen Kohler und Bruno Labbadia gehandelt, die beide schon als Profis in Köln gespielt hatten. Kein Thema sei, so Meier, Daum-Assistent Roland Koch. `Wir haben bereits Gespräche mit anderen Kandidaten aufgenommen´, bestätigte der FC-Manager. In einer fünfminütigen Erklärung versuchte Meier am Nachmittag auf einer Pressekonferenz, die Dinge aus Sicht des Klubs darzustellen. `Wir, der 1. FC Köln, hat alles in die Waagschale geworfen. Mir persönlich tut es Leid, dass wir die einmalige Möglichkeit nicht genutzt haben´, erklärte Meier. Entscheidemd sei eine ärztliche Untersuchung Daums am Montagabend gewesen.

Der Mediziner hatte dem Coach abgeraten, die Aufgabe zu übernehmen. Meier gab allerdings auch preis, dass eine Einigung über die Eckdaten einer längeren Zusammenarbeit mit Daum nicht erfolgt sei. Die Kölner hatten sich am vergangenen Donnerstag von Trainer Hanspeter Latour getrennt und am Sonntag unter Interimscoach Holger Gehrke ein 0:0 beim SC Freiburg erreicht. Gehrke wird auch am Sonntag gegen 1860 München die Verantwortung tragen. Daum war von 1986 bis 1990 auf seiner ersten Station als Profi-Trainer bei den Rheinländern tätig, die nach zwölf Zweitliga-Spieltagen fünf Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz aufweisen. Seit seiner Kokain-Affäre 2000 hat er ausschließlich im Ausland gearbeitet. Noch am Tag der Entlassung von Latour hatte Meier bereits in einem Krankenhaus in Köln Kontakt zum ehemaligen FC-Cheftrainer Daum aufgenommen. Sogar Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma hatte sich eingeschaltet, um den Coach davon zu überzeugen, den ersten Bundesliga-Champion wieder zu übernehmen. Auf einer Internetseite (www.daumzumfc.de) trugen sich mehr als 17.000 Fans ein, um sich für einstigen Meistertrainer auszusprechen.

Der Name Daum hatte seit Tagen die Domstadt förmlich elektrisiert. Auf einer spektaktulären Pressekonferenz am Samstag im Krankenhaus hatte Daum erklärt, dass er in den nächsten Wochen auf Grund seines Gesundheitszustandes für keinen zur Verfügung stehe. Noch am gleichen Tag hatten Overath und Meier Daum in dessen Villa in Köln-Hahnwald besucht. Am Montag folgten weitere zweieinhalbstündige Gespräche mit dem Fußball-Lehrer, der 2000 vor der Berufung zum Bundestrainer gestanden hatte. Seine Kokain-Affäre kostete Daum damals den Job als Cheftrainer der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

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