1.FC Köln: Manager Meier: `Es wird nicht ruhiger´ / Galgenfrist für Latour

04. November 2006, 14:17 Uhr

Fünf Spiele in der zweiten Fußball-Bundesliga ohne Sieg und neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Karlsruher SC:

Fünf Spiele in der zweiten Fußball-Bundesliga ohne Sieg und neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Karlsruher SC: Aufstiegsfavorit 1. FC Köln steckt nach der 1:3-Pleite beim Aufsteiger TuS Koblenz trotz des grandiosen Erfolgen im DFB-Pokalmatch gegen Schalke 04 tief in der Krise. Bei einer neuerlichen Pleite am Mittwoch gegen Erzgebirge Aue droht Trainer Hanspeter Latour die Entlassung. `Wir müssen den Dingen ins Auge schauen. Es wird sicher nicht ruhiger durch diesen Abend´, meinte Kölns Manager Michael Meier. Präsident Wolfgang Overath, der schon vor dem Match in kleiner Runde den Coach in Frage gestellt haben soll, verschlug es es zunächst die Sprache.

In Koblenz, das vor drei Jahren in der vierten Liga noch am Rande des wirtschaftlichen Kollapses standen, wurden die hoch gelobten Schalke-Bezwinger im rauen Zweitliga-Alltag mit den Tugenden geschlagen, die sie selbst in der Fremde wieder einmal vermissen ließen. Die Gastgeber überzeugten durch Kampf, Begeisterung, Willen und Einsatzbereitschaft. Den Toren von Sukalo (57.), Ziehl (70.) und Dzaka (88.) hatten die Kölner lediglich den Anschlusstreffer durch den eingewechselten Matthias Scherz (86.) entgegenzusetzen. Zudem scheiterte der enttäuschende Regisseur Thomas Broich in der 78. Minute noch mit einem von TuS-Torwart Michael Gurski an Scherz verschuldeten Strafstoß. `Wir bringen uns immer selbst um den Lohn unserer Arbeit, ich weiß auch nicht, woran es liegt´, meinte Latour kopfschüttelnd. In Koblenz, nur 90 Kilometer vom heimischen `Geißbock-Heim´ entfernt, hatte man den Kölnern sogar 4500 der insgesamt 15.000 verkauften Karten - mehr wurden aus Sicherheitsgründen nicht ausgegeben - überlassen, so dass der Begriff `Auswärtsspiel´ zu dieser Begegnung eigentlich gar nicht so recht passte.

Doch in der Partie lief es wie bei den vorangegangenen Pleiten in der `Provinz´. Egal ob in Jena, Paderborn, Unterhaching oder jetzt Koblenz: Die spielerisch scheinbar unterlegenen Gastgeber rannten sich die Seele aus dem Leib, grätschten, rackerten und schufteten was das Zeug hält und ließen ihren Gegenspielern keinen Meter Platz. `Wir haben ihnen einfach die Lust am Fußball spielen genommen. Der Rest ging dann von ganz allein´, kommentierte TuS-Mittelfeldakteur Evangelos Nessos, einst selbst fünf Jahre in Diensten der Kölner. Trotz des Gala-Auftritts gegen Schalke und des Erreichens des Achtelfinales im DFB-Pokalwettbewerb wächst im Umfeld des dreimaligen deutschen Meisters und viermaligen Pokalsiegers der Unmut. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft schließlich eine große Lücke. `Ich weiß, es wird eine Diskussion über mich geben. Dem muss ich mich stellen´, so Latour. Meier sieht für den Schweizer allerdings noch eine Galgenfrist: `Ich glaube nicht, dass Overath das Thema Trainer anpacken wird.´

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