Schweißtreibende Übungen, Koordinations-Arbeit, Knochen-Schufterei gepaart mit viel Lob und gelegentlichem Tadel.

MSV: Duisburgs intensives Torwart-Training im Sand und mit Netz

tt
21. Juli 2006, 09:56 Uhr

Schweißtreibende Übungen, Koordinations-Arbeit, Knochen-Schufterei gepaart mit viel Lob und gelegentlichem Tadel.

Schweißtreibende Übungen, Koordinations-Arbeit, Knochen-Schufterei gepaart mit viel Lob und gelegentlichem Tadel. Manfred Gloger, Torwart-Trainer des MSV Duisburg, nahm sein Keeper-Trio während des Camps im mecklenburgischen Kühlungsborn kräftig ran. Im Gespräch mit RevierSport erklärt der 43-Jährige, der an sich lieber "backstage" arbeitet und sich als echter Team-Player charakterisiert, den detaillierten Programm-Aufbau, erläutert außerdem, warum sich im Vergleich zur Bundesliga bei der täglichen Arbeit nichts ändert und er immer wieder neue Reize setzt.

Manfred Gloger, Sie haben auf dem Trainingsplatz mit einem hart gespannten Netz, aus dem die Bälle in hohem Bogen herausgeschleudert wurden, gearbeitet. Was hatte es mit dieser Übung auf sich?

Das Netz kommt ursprünglich aus Holland. Ich habe es während meiner Hospitation bei Ajax und Utrecht kennengelernt. Ich habe mich dann selbst vier Wochen damit beschäftigt, damit kann man Sicherheitsbälle, Flanken und auch 30-Meter-Bälle trainieren. So genau, wie die Kugeln da raus fliegen, kannst du gar nicht schießen. Das ist für die Torleute ein hervorragendes Training.

Die fast zwei Stunden im heißen Ostsee-Sand waren für die Schluss-Leute nicht nur eine Abwechslung, sondern auch Quälerei.

Im Sand kam es mir auf die Koordination an, es ging darum, den Körperschwerpunkt auszugleichen. Aus dem Stand nach einem Ball zu hechten, ist gut für die Sprungkraft. Nach jeder Bewegung musst du dich neu stabilisieren. Wichtig ist grundsätzlich, die einzelnen Elemente aufeinander abzustimmen. Das heißt: Vom Leichten ins Schwere, vom wenig Komplizierten ins Komplizierte.

Wie verarbeiten Sie die einzelnen Trainings-Ergebnisse?

Ich gebe die verschiedenen Werte, die Georg Koch, Sven Beuckert und Sven Jürgens in Sachen Reaktions-Schnelligkeit, Koordination und Sprungkraft erzielen, in eine Excel-Tabelle ein. Die Grundidee kommt aus Italien. Ich habe aus den letzten Jahren Vergleichswerte und kann dann bei einer Überprüfung feststellen, wo wir uns verbessern oder nacharbeiten müssen.

Die letzte Saison lief für den MSV auf hohem Bundesliga-Niveau ab, jetzt spielt Duisburg eine Etage tiefer. Heißt das automatisch, dass weniger getan werden muss?

Nein, wir arbeiten in dieser Liga genau gleich, ändern überhaupt nichts. Die Intensität ist wie im Vorjahr, das muss auch so sein, weil wir große Ziele haben. Das läuft hier sehr professionell ab, Chef-Trainer Rudi Bommer lässt uns komplett selbstständig trainieren.

Dauer-Beschuss dürfte es für Georg Koch angesichts der MSV-Favoriten-Stellung wohl kaum geben, oder?

Das Gefährliche an der Zweiten Liga ist doch, dass es gewisse Zeitsprünge gibt. Es kann sein, dass man als Keeper 30 Minuten nichts zu tun bekommt, dann aber auf ein Mal voll da sein muss. Darin besteht die Kunst, immer hochkonzentriert zu sein, um dann den vielleicht einen, schwierigen Ball zu parieren. Den Fall hatten wir doch schon mehrfach: Koch hatte im letzten Aufstiegsjahr lange nichts zu tun, dann hält er plötzlich ein Riesen-Ding. Seine Stärke ist es, das Spiel regelrecht zu lesen.

Bei Feldspielern spricht man vom Alterungs-Prozess und versucht, die körperlichen Anforderungen zu dosieren, mehr Pausen einzuplanen. Wie sieht es beim 34-jährigen "Schorsch" Koch aus?

Bei Schorsch spielt das Alter gar keine Rolle, er ist ein Vorbild-Profi, ein regelrechtes Tier. Koch gibt immer 100 Prozent, er präsentiert sich uneingeschränkt souverän. Ich muss ihm und den anderen Torleuten Abwechslung anbieten, schließlich wollen wir die Spannung hochhalten.
Auf welchem Level bewegen sich Sven Beuckert und Sven Jürgens?
Beucke ist ein etablierter, erfahrener Mann, der ohne Probleme einspringen kann, wenn es die Situation erfordert. Er unterstreicht konsequent im Trainings-Betrieb, dass er immer da ist. Den 19-jährigen Sven Jürgens betreue ich seit der A-Jugend, ich sehe bei ihm etwas, das ist ein Torhüter mit Perspektive. An einigen Dingen muss er natürlich noch arbeiten.

Autor: tt

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