MSV: Ahn lässt Zebras jubeln

tt
16. Juni 2006, 10:24 Uhr

Volksheld Ahn Jung-Hwan hat seinem WM-Märchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Eine Halbzeit schmorte der Stürmer frustriert auf der Bank, dann erzielte der 30-Jährige den Siegtreffer beim ersten WM-Auftritt Südkoreas.

Volksheld Ahn Jung-Hwan hat seinem WM-Märchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Eine Halbzeit schmorte der Stürmer frustriert auf der Bank, dann erzielte der 30-Jährige den Siegtreffer beim ersten WM-Auftritt Südkoreas. "Ich bin natürlich überglücklich. Wir haben gezeigt, dass wir auch in Europa siegen können", sagte Ahn, der beim 2:1 (0:1)-Erfolg des WM-Vierten des Jahres 2002 gegen Togo zum "Man of the Match" gewählt wurde.
"Ich habe genau geschaut, wo der gegnerische Torhüter Kossi Agassa stand. Dann habe ich gezielt und getroffen. Es war wohl mein Glück, das ich ihn aus unserer gemeinsamen Zeit beim FC Metz kenne", beschrieb der Matchwinner die entscheidende Szene in der 72. Minute.
Der Treffer war Balsam für Ahns Fußball-Seele. Seinem Golden Goal gegen Italien bei der Endrunde vor vier Jahren im eigenen Land und Japan, folgte ein wohl Karriereknick. In der Heimat verehrt, in der Fußball-Welt bekannt, lief für den Akteur von Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg nicht mehr viel zusammen.
Zuerst folgte der Rauswurf bei seinem damaligen Arbeitgeber AC Perugia durch Präsident Luciano Gaucci, der keinen Spieler bezahlen wollte, "der den italienischen Fußball ruiniert hat." Wegen der hohen Ablöseforderung fand Ahn zunächst keinen neuen Verein und wechselte notgedrungen zu Shimzu S-Pulse in die japanische J-League - mit mäßigem Erfolg.
Nach einem halben Jahr beim französischen Erstligisten Metz kam der Angreifer in der Winterpause als "Wunschspieler" des damaligen Trainers Jürgen Kohler, der die Bezeichnung allerdings anschließend revidierte, ablösefrei zu den "Zebras". Durchsetzen konnte er sich zunächst nicht, saß wie beim WM-Auftakt in Frankfurt meist beim Anpfiff auf der Ersatzbank und verlor schnell den Mut, weil man sich um den sensiblen Trickser nicht ausreichend kümmerte. Erst unter Interimstrainer Heiko Scholz, der Ahns Stärken förderte, ihn aufbaute und ihn offensiver einsetzte, lief es zuletzt besser, zwei Tore in den abschließenden drei Saisonspielen sicherten Ahn die WM-Teilnahme. Scholz zwinkert: "Ich habe den Jungen für das Turnier fitgemacht." Zebra-Chefscout Dieter Mertens: "Als Jung-Hwan für Südkorea traf, da habe ich mich richtig gefreut. So ganz blind sind wir hier in Duisburg offenbar doch nicht."
Beim MSV wurde sein starker Auftritt, bei dem er in der 75. Minute erst an Schlussmann Agassa scheiterte, mit Freude gesehen. Der Absteiger muss nach dem Abstieg in die 2. Liga nach Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Transfererlöse von rund einer halben Million Euro erzielen. Ahn steht auf der Verkaufsliste an erster Stelle. "Ich kann noch nicht sagen, wo ich in der nächsten Saison spielen werde. Eine Entscheidung wird wohl nach dem Turnier fallen", meinte Ahn. Aus Schottland sind die Hearts of Midlothian stark interessiert, Berater Tom Sanders verhandelte vor wenigen Tagen bei den "Highlandern": "Die schottische Liga wäre für Ahn kein Problem, er hat sich auch gegen die starken italienischen Verteidiger in der Serie A durchgesetzt." Manchester City aus der englischen Premier League hat den Stürmer ebenfalls auf der Liste, außerdem soll es Kontakte zu Glasgow Rangers geben - dort arbeitete Südkoreas National-Coach Advocaat als Trainer.

Autor: tt

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