Nach der sensationellen Hinrunde des MSV gibt es neben den zahlreichen Gewinnern auch Verlierer. Zudem beleuchten wir Probleme und blicken in die Zukunft.

Die Auf- und Absteiger

Koch startet durch, Herzog steigt ab

26. Dezember 2010, 09:57 Uhr

Nach der sensationellen Hinrunde des MSV gibt es neben den zahlreichen Gewinnern auch Verlierer. Zudem beleuchten wir Probleme und blicken in die Zukunft.

Aufsteiger
Bevor wir konkrete Namen nennen, muss man erst einmal das neue Wir-Gefühl in Duisburg herausstreichen. Denn was sich seit dem Sommer beim MSV entwickelt hat, ist sensationell. In der Rückrunde der letzten Saison war von einer Einheit rein gar nichts zu sehen. Streitigkeiten, eine miese Stimmung und zahlreiche Störfeuer von allen Seiten haben immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt. Doch das ist Geschichte.
Trainerstab, Mannschaft und Fans sind seit dem Saisonstart zu einer echten Einheit zusammengewachsen. Selbst Niederlagen werden weggesteckt. Hauptverantwortlich dafür sind natürlich die Auftritte der Zebras. Die Truppe kämpft, fightet und die Zuschauer haben in jeder Phase das Gefühl, dass sich alle Verantwortlichen mit dem Verein identifizieren. Auch Ausleihspieler wie Julian Koch.

Der Blondschopf ist nicht nur der Shootingstar, er hat sich auf Anhieb auch zu den Leistungsträgern gemausert. Obwohl der Dortmunder erst 20 Lenze zählt, besticht er nicht nur durch tadellose und konstante Leistungen, sondern ist gleichzeitig auch noch einer der Köpfe des neuen MSV und ist nicht umsonst auch zum Vize-Kapitän gewählt worden.

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Apropos Spielführer: Srdjan Baljak zählt wegen ebenso zu den Gewinnern der starken Hinrunde wie die Neuen Branimir Bajic und Goran Sukalo. Das Trio führt dank seiner Routine die junge Mannschaft und bildet eine unersetzbare Achse. Das Duisburger Dreigestirn hat die Fäden in der Hand, gibt den Takt vor und die junge Zebra-Herde folgt. So muss es sein. Dabei sticht vorallem Baljak als Goalgetter und bester Vorlagengeber hervor.
Durchgestartet sind derweil auch Sefa Yilmaz und Olcay Sahan. Die beiden Deutsch-Türken wirbeln auf den Flanken und zählen zu den gefährlicheten Vorbereitern der Liga. Yilmaz besticht durch seine technischen Kabinettsstücken sowie durch seine Schnelligkeit. Sahan ist zwar nicht der zweikampfstärkste, dafür knipst er aber in den richtigen Momenten. Beide Youngster haben sich in der rauen Profi-Luft akklimatisiert.

Absteiger
Bevor seine Zeit beim MSV überhaupt erst begonnen hat, ist sie auch schon wieder zu Ende. Michael Blum hat sich bei den Zebras nicht durchbeißen können. Der ehemalige Speldorfer, der im Sommer vom Karlsruher SC zurück ins Revier gekommen ist, sucht sein Glück nun beim Drittligisten Hansa Rostock.

Glücklos ist auch Adam Bodzek gewesen. Den „Sechser“, der in der Vorserie noch auf stattliche 31 Einsätze gekommen ist, hat der Schlüsselbeinbruch völlig aus der Bahn geworfen. Bodzek ist monatelang ausgefallen und im Schlussspurt nicht mehr über die Jokerrolle hinausgekommen. Nur 32 Spielminuten stehen nach drei Einwechslungen zu Buche. Eine magere Bilanz für den ehemaligen Erkenschwicker. Gut möglich, dass sich der 25-Jährige im Winter eine neue Herausforderung suchen wird.

Als „Verlierer“ muss sich auch Marcel Herzog fühlen. Als Nummer eins gestartet ist der Torwart kurz vor dem Saisonstart wieder ins zweite Glied gedrückt worden. Obwohl David Yelldell die Vorbereitung verletzungsbedingt fast komplett versäumte, hat der ehemalige Koblenzer den Vorzug erhalten. Damit ist Herzog nach der am Ende richtigen Rückstufung im Zweikampf mit Tom Starke bereits zum zweiten Mal degradiert worden.

Problem
Ganz klar: Dem Kader fehlt in der Breite die Qualität. Die wirtschaftliche Schieflage hat es im Sommer unmöglich gemacht, eine ausgeglichene Truppe auf die Beine zu stellen. Sasic hat 14 Mann zur Verfügung, die er bedenkenlos reinwerfen kann. Doch danach wird es dünn. Spieler wie Bajic oder Baljak sind - wie die Derbypleite in Düsseldorf gezeigt hat - sogar überhaupt nicht zu ersetzen.

Ein weiteres Manko, dass im Winter allerdings begradigt werden soll, ist der Angriff. Hier stehen mit Baljak und Stefan Maierhofer lediglich zwei Knipser parat. Manuel Schäffler sowie Youngster Maurice Exslager sind (noch) nicht in der Lage, einen Ausfall des Duos zu kompensieren.

Und das führt gleich zum nächsten Problem, auch wenn es auf den ersten Blick gar keines ist. Denn mit 28 Toren haben die Zebras schließlich die drittbeste Offensive der Liga. Doch dieser Eindruck täuscht und davon dürfen sich die Verantwortlichen auch nicht blenden lassen. Wie schwach der MSV auf der Trefferbrust wirklich ist, hat der Endspurt deutlich gezeigt. In den letzten 270 Saisonminuten hat Duisburg nur einen Einschlag verbuchen können und selbst die größten Chancen zum Teil fahrlässig verballert. Wenn Baljak (7 Tore) oder Maierhofer (6) also mal einen schlechten Tag erwischen, sieht es mau aus. Um so wichtiger ist, dass der MSV in der Pause einen neuen Knipser präsentiert.

Zukunft
Mal abgesehen von der Personalpolitik in der Winterpause steht Duisburg in der Rückrunde am Scheideweg. Sollte die sensationelle Hinrunde noch einmal bestätigt werden, haben die Zebras durchaus die Chance, aufzusteigen. Doch genau das ist auch das Problem: Eine Rückkehr ins Oberhaus können sich die Duisburger nicht entgehen lassen.

Aber kommt der Sprung nach oben nicht vielleicht ein bisschen zu früh? Das junge Team muss noch Erfahrungen sammeln. Und weil die wirtschaftliche Situation im nächsten Sommer wahrscheinlich immer noch keine großen Sprünge zulassen wird, kann der Kader auch nicht erstligareif ausgebaut werden. Folglich wäre es vielleicht sinnvoller, wenn es in diesem Jahr noch nicht klappen würde. Die Spieler könnten reifen, die Finanzlage aufgepeppt und in der neuen Saison der Aufstieg in Angriff genommen werden. Aber wie schon gesagt: Einen Aufstieg, der bei gleicher Leistung wie in der Hinrunde sicherlich möglich ist, kann sich der MSV trotz aller Überlegungen nicht entgehen lassen.

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