Wenn RWE zu Gast ist, wird's teuer. Viele Vereine erhöhen die Eintrittspreise. Doch was steckt dahinter: Abzocke oder höhere Kosten? Wir haben uns umgehört.

RWE: Eintrittspreise

Fan-Abzocke oder Kosten-Ausgleich?

Aaron Knopp / Thorsten Richter
15. Dezember 2010, 09:37 Uhr

Wenn RWE zu Gast ist, wird's teuer. Viele Vereine erhöhen die Eintrittspreise. Doch was steckt dahinter: Abzocke oder höhere Kosten? Wir haben uns umgehört.

Rot-Weiss Essen in der NRW-Liga, was rein sportlich für den Spitzenreiter derzeit bestens funktioniert, erinnert in Teilen dennoch an Gullivers Reisen. Wenn der „Riese“ RWE kommt, herrscht gerade bei den „kleinen“ Klubs der Liga Ausnahmezustand. Die Hauptattraktion der NRW-Liga stellt viele Vereine vor eine organisatorische Mammutaufgabe. Um die Sicherheit und die Organisation an den Spieltagen zu bewerkstelligen, müssen die Vereine tiefer als üblich in die Tasche greifen.

Gleichzeitig garantieren Rekordzuschauerzahlen Rekordeinnahmen. Dennoch lagern die Vereine die Kosten immer wieder auf die Fans um. Neun Euro für einen Stehplatz sind keine Seltenheit. Teile der Essener Fanszene wittern reine Geldmacherei und machen gegen diese Preispolitik mobil. Die Ultras Essen haben zum Boykott des Spiels in Homberg aufgerufen. Wir haben uns umgehört. Sind die höheren Preise gerechtfertigt oder steckt bloße Abzocke dahinter?

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Wolfgang Graf (Abteilungsleiter des VfB Homberg): „Wir haben die Preise für dieses Spiel um zwei Euro erhöht, aber das hatte auch Gründe: Die Problematik ist, dass die Behörden mit großem Respekt an dieses Derby herangehen und die kleinen Vereine mit einem enormen Sicherheitskonzept konfrontieren. Deswegen mussten wir natürlich auch für die Refinanzierung sorgen. Weil es kein Kleingeld war, haben wir den Betrag umgelegt. Wir wollen damit aber niemanden abzocken oder belasten, sondern nur wirtschaftlich sein. Die Preise für die Speisen und Getränke werden definitiv nicht erhöht. Es handelt sich also nicht um einen Topzuschlag beim Eintritt. Ich habe natürlich vollstes Verständnis für die Fans und hoffe, die Situation erklärt zu haben. Wir freuen uns auf RWE und eine große Kulisse.“

Toni Pointinger (Manager ETB SW Essen): „Wir haben die Unkosten, die uns entstanden sind, hochgerechnet und mussten deshalb die Preise erhöhen. Wir haben die hohen Ausgaben für die Sicherheitsvorkehrungen aber nicht nur auf die RWE-Fans umgelegt, sondern auch auf unsere Zuschauer. Deshalb verstehe ich die Aufregung nicht.“

Ingo Finkenstein (Manager des SC Westfalia Herne): „Wir haben lediglich an der Tageskasse zwei Euro mehr genommen. Auch unsere Fans mussten dann zwei Euro mehr bezahlen. Von unseren Anhängern hat sich aber niemand beschwert, denn sie haben Verständnis dafür, dass auch unsere Unkosten im Vergleich zu anderen Spielen höher waren. Hätten eine unterschiedliche Preispolitik zwischen unseren Anhängern und den Essener gehabt, könnte ich die Kritik verstehen. So aber nicht. Außerdem hatten wir RWE die billigeren Tickets für den Vorverkauf bereits zwei Monate vor dem Derby gegeben. Somit hatten auch die Essener die Chance, für zwei Euro weniger ins Stadion zu kommen. Aber wenn RWE die Karten erst ein paar Tage vorher herausrückt, können wir nichts dazu.“

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Oliver Kuhn (Boss SSVg. Velbert): „Wir haben die Eintrittspreise genommen, die immer gelten. Jeder Verein muss selber wissen, welche Hausnummern er aufruft. Es ist sicherlich korrekt, dass der ein oder andere Klub die Preise angezogen hat. Doch dafür muss man auch Verständnis haben, denn die Unkosten sind auch viel höher.“

Damian Jamro (Teammanager Rot-Weiss Essen): „Als positives Beispiel möchte ich den VfB Hüls nennen, der das Spiel zu normalen Preisen durchgeführt hat. Der ein oder andere Verein legt die gesteigerten Kosten aber auf die Fans um. Natürlich ist jeder für die Preispolitik am Ende selbst verantwortlich. Man muss immer überlegen: wenn man die Preise hochlegt, muss man sich klar sein, dass der ein oder andere nicht kommen wird und auch keine Bratwurst und keine Cola verzehrt. Für uns ist das natürlich keine schöne Situation, weil wir den Support der Fans gerne mitnehmen.

Homberg wäre mittlerweile der vierte oder fünfte Verein, der so verfährt. Ich kann aber nachvollziehen, dass sich gewisse Kosten ergeben, wenn statt 300 plötzlich 3000 Zuschauer kommen. Ich kann nicht beurteilen, was für Zahlen das sind, speziell Homberg muss aber schon besondere Sicherheitsauflagen erfüllen, da muss man den Verein verstehen, dass er nicht ins Minus laufen will. Wenn hier 6000 kommen, haben wir auch andere Ausgaben. Rhynern etwa musste ins Wersestadion wechseln, das kostet auch Geld. Ich sage aber: 9 Euro für Stehplatz, das sind schon Drittligapreise. Wir nehmen zwar auch 8 Euro, mit dem Ticket kann man aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln an- und abreisen und hat ein Dach über dem Kopf, das ist ein anderes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Man muss eben aufpassen, was man für eine Preiskalkulation vornimmt. Rhynern hat ja zum Beispiel darauf reagiert, dass die Fans sich gemeldet haben und so ist es eigentlich auch richtig. Wir wollen immer mit Rat und Tat zur Verfügung stehen und gemeinsam mit den anderen Klubs einen kommunikativen Weg gehen. Die Spiele sind bislang ja auch alle vernünftig über die Bühne gegangen und es ist in unserem Interesse, den Support auswärts möglichst hoch zu halten. Wir würden uns wünschen, dass möglichst viele unsere Auswärtsdauerkarte nutzen. Dann können sie diese Problematik ganz einfach umgehen.“

[b]Lesen Sie auf Seite 2: Pro und Contra - Sind die Preiserhöhungen gerechtfertigt oder nicht?[/b]

Autor: Aaron Knopp / Thorsten Richter

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