Das Heimdebakel gegen Alemannia Aachen hat es anschaulich gemacht: Ohne Kapitän Thomas Zdebel würde der VfL schweren Zeiten entgegen gehen. Der Routinier ist endgültig zum Herzstück des Teams geworden. Seine Kämpfernatur reißt die anderen mit.

VFL BOCHUM: Hinrundenrückblick: Auf- und Absteiger

03. Januar 2006, 11:15 Uhr

Das Heimdebakel gegen Alemannia Aachen hat es anschaulich gemacht: Ohne Kapitän Thomas Zdebel würde der VfL schweren Zeiten entgegen gehen. Der Routinier ist endgültig zum Herzstück des Teams geworden. Seine Kämpfernatur reißt die anderen mit.

Die Aufsteiger

Das Heimdebakel gegen Alemannia Aachen hat es anschaulich gemacht: Ohne Kapitän Thomas Zdebel würde der VfL schweren Zeiten entgegen gehen. Der Routinier ist endgültig zum Herzstück des Teams geworden. Seine Kämpfernatur reißt die anderen mit. Er macht vor der Abwehr die nicht selten großen Löcher zu, er kurbelt an, gibt nicht selten auch in der Offensive den Takt vor und scheut außerhalb des Platzes keine Fragen und kein Interviewwunsch. Marcel Maltritz hat endlich seine Stamm-Position im Team gefunden. In der Innenverteidigung kann er seine Zweikampf- und Kopfballstärke am besten einsetzen. Er gilt längst als einer der Köpfe der Mannschaft. Nach seinem Kreuzbandriss brauchte Filip Trojan lange, bis er den Anschluss fand. Der tschechische U21-Nationalspieler, lange als eines der größten Talente in Europa gehandelt, machte in den letzten Saisonspielen aber deutlich, welch große Rolle er beim VfL noch spielen kann. Akteure seiner Klasse gibt es in Bochum wirklich nicht im Überangebot. Dennis Grote schrieb die ersten Schlagzeilen zwei Minuten vor Ende der ersten Serie. Da schoss er den wichtigen "Dreier" gegen Unterhaching heraus. Zuvor plagte er sich mehr mit Verletzungen denn mit Gegenspielern herum. Trotzdem hofft die Vereinsfamilie, in Grote bald schon einen handfesten Bundesliga-Stürmer aus den eigenen Reihen hervorgebracht zu haben. Das Zeug dazu hat er.

Die Absteiger

Sie galten geradezu als Torgaranten, zumindest und auf jeden Fall für die zweite Liga. Doch "Momo" Diabang und Tommy Bechmann wurden zu den großen Enttäuschungen dieser ersten Serie. Immer wieder erhielten sie eine Chance, doch nutzen konnten sie diese nie. Bei Diabang mag die lange Verletzungspause noch als Entschuldigung herhalten. Bei Bechmann fällt einem aber eine solche kaum ein. Der Däne, in seiner Heimat schon in jüngsten Jahren ein ausgemachter Torjäger, versagt beim VfL bisher auf der ganzen Linie und bleibt ein großes Rätsel. Das ist für viele auch Philipp Bönig, der sich intern immer wieder durchsetzt und als Stammspieler beginnt, obwohl er doch viel zu wünschen übrig lässt. Erst eine Verletzung brachte ihn um seine Position auf der linken Außenbahn der Viererkette. Hinten mit Fehlern, wie zuletzt noch in Karlsruhe, nach vorne wenig effektiv, ist der Erdinger gewiss keine "Bank" mehr. Dafür kommt einfach zu wenig. Dariusz Wosz hatte eigentlich zu viel mit Verletzungen zu kämpfen, um überhaupt sportlich bewertet werden zu können. Doch die wenigen Einsatzminuten haben nicht den Eindruck erweckt, dass der bald 37-Jährige dem VfL nochmals nachhaltig helfen kann. Stattdessen besteht die Gefahr, dass die sinnlosen Rufe nach seiner Einwechslung, immer dann, wenn es nicht laufen will, die Mannschaft noch mehr verunsichern. Vor diesen Karren sollte sich einer der populärsten und verdienstvollsten Fußballer des VfL Bochum aber nicht spannen lassen.

Das Problem

In der ersten Serie haben die Bochumer es einfach nicht geschafft, mit einer Siegesserie etwas Distanz zwischen sich und den Verfolgern aufzubauen. Diese würde Sicherheit geben, die der oft verunsichert wirkenden Mannschaft gut bekäme. Elf Spielen ohne Niederlage zu Beginn, folgten nämlich in den nächsten sieben Spielen immerhin drei empfindliche Liga-Klatschen plus das Aus im Pokal in St. Pauli bei insgesamt 3:15 Toren. Auch wenn es zum Schluss wieder etwas aufwärts ging, eine solche Talfahrt kann und darf sich der VfL in der Rückrunde nicht wieder erlauben. Zwar ist nachvollziehbar, dass Koller größten Wert auf die stabile Deckung legt, aber vielleicht sollte vor allem in den Heimspielen ein offensiver Mann zusätzlich den Willen untermauern, dass man mindestens ein Tor mehr schießen will als der Gegner.
Die Ausgeglichenheit der Liga wird nur dann für den VfL zum Vorteil, wenn er selbst auch in der Rückrunde wieder auf 32 Punkte kommt. Doch die schweren Auswärtsaufgaben bei den unmittelbaren Konkurrenten lassen an dieser Vorgabe Zweifel aufkommen.

Die Zukunft

Für die mittelfristige Planung ist der Aufstieg der entscheidende Ausgangspunkt. Zwar gestaltet sich die finanzielle Lage des VfL im Vergleich zu den Großklubs in der Nachbarschaft hinsichtlich der moderaten Schuldenlast geradezu sonnig, aber weitere Jahre in der zweiten Liga können und wollen sie sich an der Castroper Straße einfach nicht leisten. Wieder zu den 18 besten Vereinen des Landes zu gehören, mitzumischen im großen Fußball, das ist das einzige Ziel dieser Saison. Wichtig wäre, dies auch so schnell wie möglich zu erreichen, damit rechtzeitig die Weichen gestellt werden können. Gleich mehrere erstligareife Verstärkungen für alle Mannschaftsteile müssen her, damit im Oberhaus der dann folgende Abstiegskampf mit guten Aussichten aufgenommen werden kann. Als ewiger Wanderer zwischen den Welten gilt für den VfL die olympische Devise: Teilnehmen ist alles. Aber eben wenn irgend möglich in der ersten Liga.

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