Walter Hellmich kann an sich nichts so schnell erschüttern. Der erfolgreiche Unternehmer und Präsident des MSV Duisburg zeigte sich jetzt allerdings sehr betroffen und schockiert, nachdem Torhüter Georg Koch zwei Mal durch einen unbekannten Anrufer bedroht wurde.

MSV wird durch den Schiedsrichter-Skandal vier Mal tangiert

11. Februar 2005, 10:08 Uhr

Walter Hellmich kann an sich nichts so schnell erschüttern. Der erfolgreiche Unternehmer und Präsident des MSV Duisburg zeigte sich jetzt allerdings sehr betroffen und schockiert, nachdem Torhüter Georg Koch zwei Mal durch einen unbekannten Anrufer bedroht wurde.

MSV wird durch den Schiedsrichter-Skandal vier Mal tangiert
Koch-Bedrohung schockierend:
"Das geht mir an die Nieren"
Walter Hellmich kann an sich nichts so schnell erschüttern. Der erfolgreiche Unternehmer und Präsident des MSV Duisburg zeigte sich jetzt allerdings sehr betroffen und schockiert, nachdem Torhüter Georg Koch zwei Mal durch einen unbekannten Anrufer bedroht wurde. "Das geht mir gehörig an die Nieren", sagt Hellmich, "für mich ist die Situation ganz schlimm, aber eine Bedrohung von außen schweißt uns als MSV noch mehr zusammen."

Auslöser für die verbale Bedrängnis: Der Keeper hatte vor Wochenfrist via RevierSport Stellung zum Wett-Gemauschel bezogen. "Dem deutschen Fußball kann nur geholfen werden, wenn alle die Wahrheit sagen. Jeder, der etwas weiß, soll sich beim DFB melden und konkrete Hinweise geben." Koch selbst ging mit entsprechendem Beispiel voran und erzählte DFB-Pressechef Harald Stenger, dass er selbst in Sachen Manipulation kontaktiert wurde, als er noch bei Energie Cottbus unter Vertrag stand. Die Summe von 20.000 Euro wurde durch einen Mann, der sich als Steffen Karl ausgab, geboten, damit "Schorsch" im Duell mit Jahn Regensburg absichtlich daneben greift. Koch stand im angepeilten Spiel aus Verletzungsgründen gar nicht im Kasten, Cottbus siegte 3:0.

Offenbar wird einigen Leuten mittlerweile der Boden zu heiß. Koch wurde ausgerechnet an seinem 33. Geburtstag zwei Mal telefonisch bedroht, verschwieg den Sachverhalt aber vor dem wichtigen Heimspiel gegen RW Oberhausen, um die Konzentration der Mannschaft nicht zu gefährden. "Erst nach der Partie habe ich den Weg an die Öffentlichkeit gesucht", erklärt Koch.

Der Gesprächs-Inhalt des dubiosen Telefonats: Er solle aufpassen, was er sage, sonst könne er etwas erleben. Zwei Stunden später erfolgte wiederum ein Anruf mit einer ähnlich lautenden Drohung. Koch: "Ich habe sofort aufgelegt."
Mittlerweile wird der Duisburger Leistungsträger von Rechtsanwalt Thomas Blatt vertreten. Dieser will der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Berlin mitteilen, wie der genaue Ablauf des Bestechungsversuchs gewesen sei. "Im ersten Moment habe ich gedacht, es wolle mich jemand verarschen", sagte Koch, "ich hätte nie gedacht, dass es so etwas im Fußball gibt." Der einstige Düsseldorfer gesteht ein:

"Die letzten Tage waren nicht so ganz einfach für mich, da habe ich das eine oder andere mitgemacht, was ich mir und anderen Leuten nicht mehr antun möchte. Ich bin von Haus aus eigentlich jemand, der selten Angst hat. Ich habe die Verantwortung auf mich bezogen und konnte damit umgehen." Koch weiter: "Wenn ich auf dem Platz stehe, kann ich einiges vergessen. Ich habe alles das durchgezogen, was mit der Mannschaft geplant war, um zu zeigen, dass ich keine Furcht habe." Die Zebras tauchten unter der Leitung der Köln-Fraktion Dirk Lottner/Markus Kurth in den Karneval ein, Koch konnte für einige Stunden abschalten. Doch nun ist die knallharte Realität wieder da.

Der MSV Duisburg reagierte entsprechend auf die beiden Anrufe, wobei Koch über den Klang der Stimme keine Angaben machen wollte. "Der Schutz des Spielers wurde erhöht. Ich weiß aber nicht, ob wir alle Register ziehen und Polizeischutz beantragen müssen", sagte Walter Hellmich und stärkte seinen Akteur: "Georg hat ein gewisses Maß an Zivilcourage bewiesen. Wir geben Koch das Gefühl, dass wir zusammen gehören, dass wir eine Macht sind. Wenn einer aus unserer Familie in Not gerät, müssen wir zusammenhalten." Verteidiger Pavel Drsek: "Ich habe von der ganzen Geschichte erst am Sonntag erfahren, wusste vorher auch nichts.

Ich kann nachvollziehen, dass Georg vor dem Derby gegen RWO die nötige Ruhe aufrecht erhalten wollte. Er hat gegen Oberhausen sehr gut gehalten und ist vom Kopf her sehr stark." So stark, dass für Trainer Norbert Meier eine eventuelle Auszeit nicht in Frage kommt. "Er hat ja ganz klar gesagt, dass der Fußball für ihn wichtig ist, um gewisse Dinge zu vergessen. Wenn man ihn draußen lässt, würde man ihm eher etwas Schlechtes tun." Pavel Drsek: "Wenn Georg Hilfe von der Mannschaft benötigt, dann helfen wir. Ich hoffe nicht, dass jetzt noch mehr passieren wird."

Vorfälle gab es ohnehin im Rahmen der Hoyzer-Affäre schon genug. Walter Hellmich: "Der MSV wird in vier Fällen durch den Schiedsrichter-Skandal tangiert. Und zwar ohne Verschulden. Beim Pokalspiel zwischen Paderborn und Hamburg liegt das Geständnis von Robert Hoyzer vor, manipuliert zu haben. Bei unserem Meisterschaftsspiel gegen Fürth gibt es die klare Hoyzer-Aussage: Keine Manipulation." Trotzdem läuft der Greuther Protest. Hellmich: "Wir fordern, dass der 1:0-Sieg Bestand haben muss."

Im dritten Fall belastet Robert Hoyzer den Schiedsrichter Dominik Marx, der die Partie KSC-MSV leitete. Hellmich: "Ein klarer, einwandfreier 3:0-Sieg. Es gibt keinerlei Manipulations-Anzeichen." Der vierte und letzte Fall: Die geschilderte Koch-Bedrohung. Der MSV-Präsident: "Wir sind nicht in einem Hort der Glückseligkeit, sondern bewegen uns auf einem höchst brisantem Feld. Es müssen Falten geschaffen werden, um die Liga ins Lot zu bringen. Erste Entscheidungen gibt es am Freitag. Hier muss man schnell und offensiv an die Dinge herangehen, Ross und Reiter müssen genannt werden.

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