Rotlichtbezirk Hafenstraße,

RWE: Renno, Haastrup, Koen - Rotlichtbezirk Hafenstraße

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27. Dezember 2004, 12:23 Uhr

Rotlichtbezirk Hafenstraße, "stählerne Tendenz" darf es nicht geben! Aktuell liegt RWE horizontal auf dem Boden - und der ist verdammt kalt, die rote Laterne des Schlusslichts leuchtet nicht erwärmend, in den hintersten Tabellenkeller wurde die Truppe von Coach Jürgen Gelsdorf verbannt, muss von dort ab Samstag, 22. Januar (13 Uhr) in Aue den Ausbruch angehen, um am Ende der Saison wenigstens vier Teams hinter sich zu lassen und nicht als "Bordsteinschwalbe" zu enden und den sozialen Abstieg in Klasse drei zu wiederholen.

Rotlichtbezirk Hafenstraße, "stählerne Tendenz" darf es nicht geben! Aktuell liegt RWE horizontal auf dem Boden - und der ist verdammt kalt, die rote Laterne des Schlusslichts leuchtet nicht erwärmend, in den hintersten Tabellenkeller wurde die Truppe von Coach Jürgen Gelsdorf verbannt, muss von dort ab Samstag, 22. Januar (13 Uhr) in Aue den Ausbruch angehen, um am Ende der Saison wenigstens vier Teams hinter sich zu lassen und nicht als "Bordsteinschwalbe" zu enden und den sozialen Abstieg in Klasse drei zu wiederholen. Alles auch eine verdammt existenzielle Frage: RWE hat noch einen Millionen-Batzen an Roter Euro-Zahlen, den es zu verwalten und abzubauen gilt. Der Club plant außerdem den Bau einer neuen Schmuckkästen-Arena, die zwar - so die offizielle Ansage der RWE-Verantwortlichen - auch in der Regionalliga ohne sich zu verbiegen wirtschaftlich zu schultern sein soll, allerdings ist jedem klar, dass das Profi-Ambiente für derartiges Unterfangen immer ein besserer Anstrich ist.
Zu prognostizieren ist, dass das Umfeld auf den Sommer wartet, wenn mit dem potenziellen Klassenerhalt im Rücken und nach Erteilung der Landesbürgschaft durch die NRW-Regierung in Düsseldorf für den Stadionbau mit einem brandneuen Wohnzimmer mittelfristig vor der Brust ein weiteres neues Zeitalter eingeläutet werden soll. Club-Präsident Rolf Hempelmann spricht dann von einem möglichen "Quantensprung".
Um das Feld für diesen zu bereiten, kann sich Rot-Weiss Essen einen erneuten Abgang ins Amateurlager einfach nicht erlauben, wirtschaftlich sowieso nicht leisten. So sind die Bosse jetzt auch bereit, zu investieren, den den "Machern" ist klar, dass ein eventueller Abstieg auf jeden Fall teurer würde. Es geht nur um Zahlen, einen moralischen Ansatz gibt es nicht.

Aufsteiger

Keeper René Renno ist in dieser Kategorie auf jeden Fall aufzuführen. Den Mann hatte nun niemand auf der Rechnung, in Liga drei hinter dem überragenden Sascha Kirschstein, der nach dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga zum Erstligisten Hamburger Sportverein wechselte, war Renno lediglich die ewige Nummer zwei, durfte Mal reinschnuppern, als sich "Kirsche" lädierte. Als neue Nummer eins wurde Robert Wulnikowski von Zweitliga-Absteiger Union Berlin verpflichtet, der dementsprechend auch zum Saisonstart zuhause gegen Aue im Kasten stand: Es hagelte ein debakulöses 1:5, danach hamsterte RWE ein 1:1 im Trierer Moselstadion, ein 0:2 im Pokal gegen Aachen wurde notiert: Dann kam Renno. Und ließ sich nicht mehr verdrängen, trotz stellenweiser katastrophaler Ergebnisse erhielt der gebürtige Berliner immer überdurchschnittlich hohe Bewertungen: Zu Recht!
Auch Philipp Haastrup muss genannt werden. Für ihn gilt auch, niemand musste ihn wirklich für mehr als den Ergänzungstatus auf der Rechnung haben, allerdings biss sich Haastrup ins Team, ließ sich nicht mehr verdrängen. Seine Trümpfe: Schnelligkeit, gutes Tackling, akzeptables Kopfballspiel. Allerdings: Unterhaching bewies, sind um ihn herum Durchfaller, geht er noch (!) mit den Bach runter.
Auch Sven Lintjens darf aufgeführt werden. Der ehemals als der zentrale Mittelfeldakteur schlechthin in Essen verpflichtete Akteur bewies, dass auch auf ungewohnten Positionen mit ihm zu rechnen ist. Lange kam er nicht über den Status eines Bank-Sitzers hinaus, dachte an einen möglichen Club-Wechsel in der Winterpause. Die Tendenz dürfte - momentan - zu den Akten gelegt sein.

Absteiger

Ohne Zweifel, Erwin Koen erhält aktuell diese fragwürdige Weihe. Viel gelang dem Holländer in dieser Spielzeit noch nicht. Weder ein Tor, noch wirklich gute Standards, die neben seinem enormen "Turbo" seine eigentlichen Stärken darstellen. Dass der letztsaisonale beste Essener Torschütze (18 Treffer) ob der für ihn frustrierenden Situation wieder in seine alte Schwäche zurückfiel, war nachvollziehbar: Unbeherrschtheit - mit der Krönung auf dem Aachener Tivoli, als er mit der Roten Karte flog. Fakt: Ein Koen in der richtigen Form kann für RWE wichtig werden. Auch Gelsdorf weiß das, er muss ihn aufbauen.
Torhüter Robert Wulnikowski hat diese Rubrik gebucht: Bereits nach 180 Meisterschafts-Minuten sowie der 1.DFB Pokalhauptrunde gegen Aachen an der Hafenstraße war Schicht für den gebürtigen Gelsenkirchener, der mit enormem Ehrgeiz und viel Hoffnung zum deutschen Meister von 1953 wechselte, den Frust des Abstiegs mit den "Eisernen" von Union Berlin vergessen wollte. Bereits am dritten Spieltag zog Wulnikowski ein langes Gesicht. Die Kulisse hatte ihn nach Aue - ein Match, in dem der Famlienvater ohne Wenn und Aber nicht gut war - im Visier, dem lautstarken Murren von den Rängen widerstand Trainer Gelsdorf nicht. Für Familienvater Wulnikowski so was wie eine Demontage, die Verantwortlichen müssen sich fragen lassen, ob der 27-Jährige an der Hafenstraße noch aufstellbar ist. Und das ist keine Frage seiner Qualität als Keeper.
Auch Sandro Schwarz findet sich in diesem Bereich, der Techniker hatte vor seinem Wechsel von Bundesliga-Aufsteiger Mainz 05 bereits eine dreistellige Anzahl an Zweitliga-Matches, kam allerdings überhaupt nicht über den Status eines Mitläufers mit Banktendenz hinaus. Das hatte seine Gründe, der Mann konnte aufgrund permanenter Knieproblematik körperlich nur unzureichende Leistungen abrufen. Die Öffentlichkeit wurde über diese Tatsache zu spät aufgeklärt, bis dahin war Schwarz auch beim Umfeld bereits durchgefallen. In dieser Hinsicht keine Meisterleistung des Vereins. Schwarz (Vertrag bis 2007) wurde mittlerweile operiert, kann sein Image 2005 korrigieren.

Das Problem

Oft wirken Ausführungen in diese Richtung mehr als abgedroschen, allerdings darf Gelsdorf unwidersprochen das mit unglaublichen Auswüchsen wuchernde Verletzungspech als eine Haupterklärung des aktuellen Ranglisten-Status Quo anführen. Stellenweise hatte der Fußball-Lehrer tatsächlich das große Problem, überhaupt mehr als elf Leute zu finden, die ohne körperliche Defizite in angemessener Geschwindigkeit und ohne Hilfe einer Krankenschwester geradeaus gehen konnten. Peter Folgast (Achillessehne, Patellasehne), Silvio Pätz (Knie-OP), Ronny Ernst (Faserriss), Sandro Schwarz (Knie-OP), André Wiwerink (Blutdruckprobleme), Stefan Hoffmann (Autounfall), Vivaldo Nascimento (Muskelfaserriss, Knie-OP), Marcus Wedau (zweimal Muskelfaserriss), Benny Venekamp (Rücken), Sebastian Kreuels (Faserriss), Sidney Santos de Brito (Rücken), Ali Bilgin (Haarriss im Mittelfuß), zuletzt auch Top-Neuzugang Francis Kioyo (Faserriss) meldeten sich ab, so dass sogar ein körperlich mit dem Liga-Tempo überforderter Oldie wie Daniel Teixeira komplette Matches absolvieren musste, obwohl das keinesfalls im Saisonvorfeld angedacht war. Essens Mediziner-Team Dr. Jan Becker (Orthopäde) und Dr. Rudi Eiling (Internist) sowie das Sportphysiotherapie-Duo Christian und Thomas Zetzmann haben Schwielen an den Händen, hinter dem Rücken werden Vorwürfe formuliert, ob bei Neuzugängen wie Foldgast und Schwarz vor der Unterschrift der Akteure überhaupt die Chance bestand, richtig hinzuschauen.

Die Zukunft

Heißt Aue, eine ganz üble 90-minütige Wanderschaft im Erzgebirge steht am Samstag, 22.Januar ab 13 Uhr an, die dortigen Eingeborenen haben wenig Lust, einen nahrhaften Punkte-Dreier für die Gäste aus Essen zu servieren. Bis zum Startschuss der Rückrunde sollen etliche verletzte Spieler wieder Gewehr bei Fuß bei "General" Gelsdorf parat stehen, dazu basteln die Verantwortlichen an der Aufmotzung der Truppe für die Schlachten um den Klassenerhalt. Sollte beides klappen, hat RWE auch gute Aussichten, mit der Rettungspunkterei schon in Aue anzufangen, die Qualität im Kader ist ohne weiteres da, bei dieser Behauptung können die Verantwortlichen auch ohne Berührungsprobleme bleiben, sonst würden sie sich sowieso dem Vorwurf aussetzen, Tomaten auf den Augen zu haben. Gleichzeitig setzt sich der Club aber auch dadurch kräftig unter Druck, das wird insbesondere Gelsdorf spüren. Wie immer im Überlebens-Kampf, mit ausreichend sowie qualitativ verbessertem Sprit im Kadertank ist Zugzwang da. Falls keine sofortigen Erfolge eingefahren werden, wird der 51-Jährige im Fokus stehen. Gelsdorf bezeichnet sich als "alten Hasen" des Geschäfts, also weiß er das, wird damit umgehen können.Oliver Gerulat

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