Im Jahr 1993 wurde die Schalker Fan-Initiative ins Leben gerufen, nun steht sie womöglich vor dem Aus - weil das

Fan-Ini droht das Aus

"Schalke Unser" ist dem Verein zu kritisch

30. September 2010, 14:07 Uhr

Im Jahr 1993 wurde die Schalker Fan-Initiative ins Leben gerufen, nun steht sie womöglich vor dem Aus - weil das "Schalke Unser" zu kritisch sei.

Als Schalker gegen Rassismus gegründet, sorgten die Mitglieder um Bodo Berg, Susanne Franke, Roman Kolbe und Co. vor allem mit der Herausgabe des Fanzines „Schalker Unser“ stets für Aufmerksamkeit auch über den königsblauen Tellerrand hinaus.
67 Ausgaben des Hefts sind inzwischen erschienen. Nummer 68 ist in der Mache und wird am 30. Oktober zum Heimspiel gegen Leverkusen für 1,50 Euro verkauft.

Ob und wie es mit dem „Schalke Unser“ und der Fan-Ini überhaupt danach weitergehen wird, ist allerdings offen. Denn der eingetragene Verein finanziert sich nicht nur von den Mitgliederbeiträgen und über den Verkauf des „Schalke Unser“, sondern wird auch vom FC Schalke mit einem mittleren vierstelligen Eurobetrag unterstützt - bisher. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, denn die Kommunikation mit Schalke ist seit Monaten abgeschnitten“, berichtet Franke.

Ein Umstand, den nicht nur die 1. Vorsitzende der Fan-Initiative beklagt, seit auf Schalke das Regime von Felix Magath mit seinem Sprecher Rolf Dittrich herrscht.
"E-Mails unbeantwortet"

Wie zuvor der Schalker Fan-Club Verband in Sachen „Blau-Weiße Nacht“ und anderen Fanangelegenheiten warten nun auch Franke und ihr Stellvertreter Markus Rehse auf ein Zeichen des Klubs. Seit einem letzten Treffen am 2. August in der S04-Geschäftsstelle mit Dittrich und dem stellvertretenden Schalker Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwartz bleiben E-Mails der Fan-Ini-unbeantwortet.

Ein Grund könnte sein, dass das „Schalke Unser“ mit seiner oftmals auch satirischen Sicht auf die königsblaue Welt den Schalker Verantwortlichen zu kritisch ist. So machte die Ausgabe Nr. 67 zum Derby gegen Dortmund mit einer Szene auf, die Hunderte S04-Fans auf dem Rasen des Parkstadions zeigt. Dazu läuft die Zeile „Transfer-Wahnsinn! Wer bekommt Rückennummer 184?“.

In der Mitte des Hefts erklärt das „Schalke Unser“ zudem, was eine „Kleine Gruppe“ ist - anhand der Beispiele Albert Streit, Joachim Löw/Franz Beckenbauer, Felix Magath/Clemens Tönnies/Horst Heldt und der Nordkurve.

„Herr Dittrich hat uns in inhaltlichen und wirtschaftlichen Fragen mündlich seine Unterstützung zugesagt. Er sehe aber die Fan-Ini nicht innerhalb der normalen Fanszene, sondern wolle, dass wir uns ausschließlich auf die Themen Rassismus und Diskriminierung im Fußball beschränken und nicht zu sportlichen Dingen Stellung beziehen sollten“, erzählt Franke. „Er scheint keine Ahnung davon zu haben, dass wir normale Schalke-Fans sind, die sich aber auf eine andere Art engagieren.“

"Finanziell geht uns der Arsch auf Grundeis“

Nun sind fast zwei Monate vergangenen, ohne ein Signal von Schalke zu erhalten, ob der Verein die Arbeit der Fan-Ini mit der üblichen Überweisung weiterhin unterstützen wird. „Wir sind mit dem Fanladen gerade erst von der Stadt nach Schalke umgezogen. Finanziell geht uns der Arsch auf Grundeis“, stöhnt Franke.

Wahrscheinlich wird, wie im letzten Jahr, der Schalker Fan-Club Verband einspringen und die Überweisung veranlassen. Dennoch bleibt der Eindruck: Kritisch zu sein, ist auf Schalke momentan nicht angesagt.

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