Tschüss Kasachstan, endlich ist es geschafft. Und traurig bin ich wirklich nicht, dass die Reise in den Osten vorbei ist. Das war ein Erlebnis der besonderen Art.

Turids Blg, Teil 3

Die verrückte Reise nach Kasachstan

Eure Turid Knaak
25. September 2010, 22:18 Uhr

Tschüss Kasachstan, endlich ist es geschafft. Und traurig bin ich wirklich nicht, dass die Reise in den Osten vorbei ist. Das war ein Erlebnis der besonderen Art.

Am Donnerstag haben wir das erste Spiel der K.o-Runden in der Champions League gegen den kasachischen Meister CSHVSM Almaty bestritten. Ich hätte im Vorfeld nie gedacht, dass man in einem Spiel der Champions League - wohlgemerkt einem europäischen Wettbewerb – mal sechs Stunden im Flugzeug sitzt und eine Zeitverschiebung von vier Stunden hat, da ist der Jetlag vorprogrammiert.

Schimmel in den Hotelzimmern und gefühlt zehn Grad Minus

Da wir am Dienstag einen Nachtflug nach Kasachstan gebucht hatten, kamen wir trotz etwas Schlaf im Flugzeug natürlich total übermüdet am Hotel an. [infobox-right]Das ist Turid

Ich spiele, trotz anfänglicher Skepsis meines familiären Umfeldes, seit meinem siebten Lebensjahr Fußball. Groß geworden bin ich im Essener Fußball, wo ich bis zu meinem Wechsel in den Mädchen- und Frauenfußball die Jugendmannschaften des SC Rellinghausen, des SC Steele 03/20 und der SG Essen-Schönebeck durchlaufen habe. 2003 folgte der Wechsel zum FCR 2001 Duisburg, wo ich auch heute noch spiele und die ersten Erfolge feiern konnte: Angefangen bei der Deutschen B-Juniorinnen Meisterschaft 2007 über die DFB-Pokal-Siege 2009 und 2010 sowie den UEFA Women's Cup 2009, bis zu meinem bisher größten persönlichen Erfolg, der Gewinn der U20-Weltmeisterschaft in diesem Sommer.
Die Skepsis meiner Eltern gegenüber der Sportwahl ihrer Tochter wich sodann auch schnell, stattdessen traten Unterstützung und Stolz an ihre Stelle.[/infobox]Auf der dreistündigen Fahrt vom Flughafen in Astana bis nach Karaganda sind wir teilweise durch so verlassene Landschaften gefahren, dass ich mich gefragt habe - als gebürtige Ruhrpottlerin bin ja wirklich etwas anderes gewohnt - ob wir überhaupt nochmal Zivilisation zu sehen bekommen. Angekommen freuten wir uns natürlich alle auf ein gemütliches Hotelbett, was aufgrund einiger Kommunikationsprobleme mit dem Hotelpersonal dann auch nur noch zwei Stunden dauerte. Das Resultat war dann, dass Spieler und Betreuer in Block 1 des Hotels untergebracht waren.

Block 1 stellte sich als ein unscheinbarer und kahl wirkender Nebenbau des ansonsten äußerlich recht schönen Hotels heraus. Der erste Eindruck bestätigte sich dann im inneren. Die Zimmer waren spärlich eingerichtet und im Badezimmer war Schimmel an den Wänden, was noch erträglich ist, vor allem wenn man nur zwei Übernachtungen hat. Das schlimmere waren die schlecht gedämmten Fenster und die daraus resultierenden gefühlten -10 C° im Zimmer. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass wir gar nicht in dem Hotel untergebracht waren, welches der FCR gebucht hatte, sondern dass uns die Verantwortlichen in Kasachstan selbstständig in ein anderes Hotel umgebucht hatten, was niemand wirklich verstehen konnte. Nach einem Mittagsschlaf und den ersten Spielerinnen, die über Halsschmerzen klagten, bekam jedes Zimmer einen kleinen elektrischen Ofen. Da Mandy Islackers und mein Ofen aussah als hätte er schon das komplette letzte Jahrhundert miterlebt, schalteten wir ihn vorsichtshalber bei jedem Verlassen unseres Zimmers aus.

Marco „Kette“ Ketelaer spielt den Pausenclown

Nach einem kurzen aber spritzigen Training am Nachmittag dann die Erlösung: Das Hotelpersonal hatte sich wirklich ins Zeug gelegt, gegen Abend klopfte es an unserer Zimmertür und innerhalb von nur zehn Minuten installierten drei Handwerker einen komplett neuen Heizkörper an der Wand und innerhalb von zwei Stunden hatte jedes Zimmer einen bekommen. Die Nacht war also gerettet und das Spiel am nächsten Tag konnte kommen. Das Spiel gewannen wir dann mit 5:0, was sicherlich ein beruhigendes Ergebnis für das Rückspiel am Mittwoch, 13. Oktober, ist.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/018/267-18961_preview.jpeg "Ich bin deutsch" beherrscht Kozue Ando nun perfekt (Foto: Tillmann).[/imgbox]Freitagmorgen traten wir dann die Rückreise an. Der Flug schien kein Ende zu nehmen, so dass unser Co-Trainer Marco „Kette“ Ketelaer vor lauter Langeweile von Spielerin zu Spielerin wanderte, da wir alle sehr verteilt saßen, und uns mit seinen Witzen unterhielt. Am Frankfurter Flughafen dann mussten wir durch die Passkontrolle, da wir aus einem nicht EU- Land kamen. Es gab zwei Schlangen, die eine für EU-Bürger und die andere für nicht EU-Bürger.

Deutsch-Crashkurs für Kozue Ando

Da die andere Schlange durch eine asiatische Reisegruppe komplett besetzt wurde und mindestens doppelt so lang war als unsere, entschloss sich Kozue Ando, unsere japanische Spielerin, verbotenerweise, sich mit bei uns anzustellen. Wir brachten ihr noch schnell den Satz: „Ich bin deutsch“ bei. Dann trat Kozue vor den Schalter, versicherte dem Flughafenmitarbeiter dann im perfektem Deutsch, dass sie aus Deutschland sei, zeigte ihren japanischen Pass und wurde unter Gelächter aller umstehenden einschließlich des Personals zur Gepäckausgabe durchgewunken.

Danach freute ich nur noch auf mein eigenes Bett. Der Fokus ist jetzt nur noch auf Potsdam ausgerichtet. Denn eins ist ja klar, wir wollen die Tabellenführung!

Autor: Eure Turid Knaak

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