Stück für Stück zurück: Genau so lautet das Motto von Josef Ivanovic.

MSV - Jupps langer Weg zurück

tt
12. Oktober 2004, 15:57 Uhr

Stück für Stück zurück: Genau so lautet das Motto von Josef Ivanovic.

Stück für Stück zurück: Genau so lautet das Motto von Josef Ivanovic. Der Duisburger Angreifer brachte es in der vergangenen Saison wegen einer komplizierten Achillessehnen-Operation auf keine einzige Spielminute, gab aber nie auf und quälte sich trotz manchen Rückschlags, bis er endlich wieder die Fußballschuhe schnüren und auf den Trainings-Rasen zurückkehren konnte.

Nach seinem langen Leidensjahr kehrte bei Josef Ivanovic pünktlich zur Sommer-Vorbereitung die Freue zurück. „Es kann sich eigentlich niemand so richtig vorstellen, was das bedeutet, ein Jahr lang auszufallen. Drei Monate habe ich auf dem Sofa gelegen, konnte noch nicht Mal Reha machen. Da wirst Du automatisch ein bisschen depressiv. Jetzt denke ich wieder positiv und kann auch wieder lachen“, gibt der sympathische Stürmer einen kleinen Einblick in sein Seelenleben.

In Freundschaftsspielen wie unter der Woche in Langenfeld (10:0, drei Mal Ivanovic), am Freitag gegen Boppard (19:2, fünf Einschläge von Ivanovic) oder in der Zebra-Oberliga-Reserve sammelt der 30-Jährige wertvolle Einsatz-Zeit. „Diese Spiele“, sagt Ivanovic, „bringen mich weiter.“ Ein weiteres Erfolgserlebnis feierte der einstige Magdeburger in der Amateur-Truppe, wo er zuletzt in der 90. Minute das wichtige 1:1 in Junkersdorf erzielte.

Dass die richtige Musik im Profi-Bereich spielt, ist Ivanovic klar. Bisher reichte es zwar nur zu Kurzeinsätzen wie gegen den TSV 1860 München (0:1) oder LR Ahlen (0:2), aber die Tendenz zeigt: Mit Jupp ist wieder zu rechnen. „Ich bin eigentlich nicht der typische Einwechselspieler, in fünf oder zehn Minuten kannst Du nicht so viel zeigen“, sagt er.

Trainer Norbert Meier guckt selbstverständlich ganz genau hin. „Vielleicht ist er kein Joker, aber man muss sich auch in Kurz-Einsätzen präsentieren.“ Der Fußball-Lehrer erinnert: „Leute wie Aziz Ahanfouf haben sich über die Geschichte in die Start-Elf gespielt.“

Nach der langen Durststrecke sieht der Duisburger Offensiv-Mann immer mehr Licht am Horizont. „Ich bin zuversichtlich, zur Rückrunde wieder voll dabei zu sein.“ Dann dürfte er einen 90-Minuten-Einsatz auch locker aus dem Ärmel schütteln, weil er die Belastung, auf die er zwölf Monate lang verzichten musste, problemlos wegstecken kann. „Ich merke, dass es von Tag zu Tag besser wird“, sieht Jupp im Training Fortschritte, „aber ich setze mich jetzt nicht selbst unter Druck. Das habe ich vielleicht am Anfang der Saison etwas zu viel gemacht.“

Trotzdem versucht auch der ehemalige Aachener die tägliche Arbeit an der Westender Straße als „Qualifikations-Rennen“ für das jeweilige Wochenend-Spiel anzugehen. „Wir trainieren doch alle für das nächste Meisterschafts-Spiel, was ansteht. Das interessiert den Journalisten, die Fans und uns Spieler. In diesen 90 Minuten zieht man die ganze Aufmerksamkeit auf sich.“

Bei den bisherigen kurzen Leistungs-Nachweisen im Zweitliga-Rampenlicht konnte der Vorjahres-Pechvogel noch keine entscheidenden Ausrufezeichen setzen. Demzufolge wollte er auch nach dem Ahlen-Spiel nichts kommentieren: „Was soll ich denn sagen“, zuckt er mit den Schultern, „wenn ich von Anfang an gespielt hätte, dann hätte ich auch eine Geschichte zu erzählen.“ Dass Josef Ivanovic bald wieder mehr zu berichten hat, bleibt ihm zu wünschen. „Jupp ist hier bei uns jede Tür offen gehalten worden. Er weiß selbst, dass er noch nicht da ist, wo er hin will und wo wir ihn haben wollen. Er muss weiter Geduld haben und sich reinhängen“, rät Norbert Meier seinem Schützling. Der Coach weiter: „Jupp hatte ein Jahr Pause, ist dann zurück gekommen, aber damit ist die Ausfallzeit noch nicht vergessen. Das war eine lange Phase. Man denkt immer, er hat die Vorbereitung gespielt, alle Einheiten mitgemacht, aber dann kommt irgendwann wieder ein Knick.“ Der Ex-Nationalspieler stellt klar: „Wir lassen hier keinen fallen.“

Dass der MSV mit den momentanen zwölf Punkten vielversprechend in der Spitzengruppe platziert ist, gefällt auch Ivanovic. „Unsere Tabellen-Position ist positiv. Ich würde uns aber auch Mal einen überzeugenden Sieg wünschen, so wie ihn zum Beispiel Aachen beim 5:1 über Dynamo Dresden gefeiert hat. So ein Ergebnis“, prognostiziert der Sturm-Tank, „so ein Ergebnis kann dich über Wochen hinweg durchziehen.“ Zusatz-Effekt: So mancher Nörgel-Welle würde die Substanz entzogen: „Dann hätten diejenigen, die immer etwas auszusetzen haben, nichts mehr zu meckern.“

Grundsätzlich rechnet er auch in dieser Serie mit einem heißen Rennen: „Es wird genau so eng wie im Vorjahr, als Mainz keiner mehr auf der Rechnung hatte und die plötzlich aufgestiegen sind.“ Wenn die Serie für den MSV einen ähnlichen Verlauf nehmen würde und Ivanovic das eine oder andere Törchen beitragen könnte, dann hätte wohl keiner im Zebra-Lager etwas dagegen.

Autor: tt

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