Der MSV Duisburg steht nach drei Begegnungen da, wo er am Saisonende hin möchte: Auf einem Aufstiegsplatz. „Eigentlich könnte jetzt Schluss sein“, schmunzelt Trainer Norbert Meier, weiß aber, dass der Weg zum Ziel im kommenden Sommer weit ist.

MSV im Test

tt
08. September 2004, 16:36 Uhr

Der MSV Duisburg steht nach drei Begegnungen da, wo er am Saisonende hin möchte: Auf einem Aufstiegsplatz. „Eigentlich könnte jetzt Schluss sein“, schmunzelt Trainer Norbert Meier, weiß aber, dass der Weg zum Ziel im kommenden Sommer weit ist.

Zahlen und Fakten
Der MSV Duisburg steht nach drei Begegnungen da, wo er am Saisonende hin möchte: Auf einem Aufstiegsplatz. „Eigentlich könnte jetzt Schluss sein“, schmunzelt Trainer Norbert Meier, weiß aber, dass der Weg zum Ziel im kommenden Sommer weit ist. Dem 1:3 in Dresden ließen die Meidericher einen 2:1-Arbeitssieg über Saarbrücken, ein 2:1 im Pokal gegen Werders Amateure und ein souveränes 2:0 bei RW Oberhausen folgen.

Stimmung im Umfeld
Die Fans sind heiß auf blau-weiß, für das Heim-Derby gegen Rot-Weiss Essen wurden schon 11.500 Tickets an die Anhänger gebracht, man rechnet mit 20.000 Besuchern in der Baustelle MSV-Arena. Das neue Schmuckstück soll dem Verein die Rückkehr in die Bundesliga ermöglichen. Mit dem guten Start haben die Zebras alles dafür getan, der Euphorie neue Nahrung zu geben. Die Grund-Tendenz ist positiv, wird aber im Falle einer Durststrecke auf eine harte Probe gestellt.

Die Abwehr
Bisher noch nicht das Prunkstück. Gerade in Dresden erlaubten sich die Zebras dicke Böcke, falsche Zuteilung, Stock- und Deckungsfehler besiegelten ein 1:3 gegen Dynamo. Gegen Saarbrücken und Bremens Amateure sah der sonst so souveräne Pavel Drsek bei den Entstehung von zwei Gegentoren nicht glücklich aus, in Oberhausen schafften die Duisburger mit einem sicheren Innenverteidiger-Paar Drsek/Baelum ihr erstes zu-Null.

Das Mittelfeld
In diesem Bereich verfügt Duisburg über eine gesunde Mischung aus Kreativ-Köpfen und Kämpfern. Während Dirk Lottner die Rolle des Strippenziehers inne hat, sind Kräfte wie Andy Voss, Rob Maas oder Ivo Grlic dafür da, der gegnerischen Angriffs-Maschine früh den Zahn zu ziehen. Alexander Bugera kam bisher sowohl im Mittelfeld als auch in der Viererkette zum Einsatz, auch ein Holger Wehlage hat mit dem Verschieben zwischen Abwehr und der Mittellinie kein Problem. Nasir El Kasmi löste seine Aufgabe in Oberhausen seitenverkehrt – ein weiterer Beweis dafür, dass der MSV immer für Überraschungen gut ist.

Der Angriff

In diesem Bereich hat der MSV nicht nur Auswahl, sondern auch enormes Potenzial. Markus Kurth traf bisher in sämtlichen vier Pflichtspielen, der ehemalige Kölner besticht durch Laufstärke und Killerinstinkt. Abdelaziz Ahanfouf ist aufgrund seiner technischen Finessen unkalkulierbar und somit immer in der Lage, entweder ein Tor zu erzielen, einen Freistoß zu erzwingen oder eine andere gefährliche Situation heraufzubeschwören. Mit Miro Spizak haben die Zebras einen pfeilschnellen Konterstürmer in der Hinterhand, Jupp Ivanovic wird nach langer Ausfallzeit kontinuierlich herangeführt.

Das System

Der MSV setzt auf die 4-4-2-Ausrichtung, wobei Trainer Meier Wert auf Flexibilität, Einhaltung der Grundordnung und Laufwege legt. Auswärts wird mitunter auch die Variante mit drei Angreifern angewandt. Das Spiel ist grundsätzlich auf Leitwolf Dirk Lottner zugeschnitten, in der Rauten-Ausrichtung agieren hinter „Lotte“ zwei Mittelfeldkräfte in den Halbpositionen, ein Akteur sichert vor der Abwehr ab.

Die Neuzugänge

Vize-Kapitän Ivica Grlic (Alemannia Aachen) konnte sofort in die ihm zugedachte Führungsrolle schlüpfen, „Ivo“ sprang gerade in der Phase, als Taktgeber Dirk Lottner verletzungsbedingt fehlte, als Team-Leader ein. Standard-Spezialist Lottner, dem die Aufgabe der Spielgestaltung übertragen wurde, konnte erst eineinhalb Meisterschafts-Begegnungen absolvieren, nach dem Start in Dresden wurde der Ex-Kölner zuhause gegen Saarbrücken von „Master“ Echendu vom Platz gegrätscht. Torwart Georg Koch rettete den Zebras gegen die Saarländer kurz vor Schluss den Sieg, durch sein selbstbewusstes Auftreten, seine Routine und das bewusste Setzen von Reizpunkten („Es reicht nicht, nur das Bälleken laufen zu lassen“) ist der Ex-Düsseldorfer zweifellos ein Gewinn. Holger Wehlages Verpflichtung, der für Werder Bremen im Vorjahr nur vier Liga-Einsätze absolvierte, barg ein gewisses Risiko, weil keiner einschätzen konnte, wie der Allrounder eine hohe Spielbelastung verkraftet. Bisher trat der Ex-Meppener als geschickter Vorbereitung in Erscheinung und gilt als Gewinn für die Mannschaft. Die absolute Überraschung verkörpert Alex Meyer. Der Jungfuchs von Bayer 04 Leverkusen arbeitete sich durch eine gelungene Vorbereitung ins Team und rutschte nur deswegen aus der Formation, weil er sich einen Muskelfaserriss einhandelte. Der Brasilianer Sergio Ricardo Vertello (29/Vasco da Gama) kann noch nicht bewertet werden. Sein Einsatzgebiet: Die Verteidigung.

Der Trainer

Norbert Meier erlebte in der letzten Saison nicht gerade die Sonnenseite des Trainer-Geschäfts, Teile des Publikums hatten im ehemaligen Nationalspieler den Sündenbock für die Mittelmäßigkeit ausgemacht. Fakt ist: Der 45-Jährige ist ein akribischer Arbeiter, der mit seinem Assistenten Heiko Scholz und Chef-Scout Dieter Mertens Präsenz auf allen Plätzen zeigt. Der Informations-Austausch über Mannschaften und Spieler-Material sprudelt wie ein Bergquell. Meier charakterisiert sich selbst als Typ, „mit dem die Spieler Spaß haben können“, aber er behält sich die Unberechenbarkeit vor, um so immer wieder Überraschungs-Momente zu erzielen. „Manchmal musst Du genau das machen, was die Spieler nicht erwarten“, sagt Meier. Der Fußball-Lehrer formuliert bei fast jeder Gelegenheit Begriffe wie „Teamgeist“ und „Zusammenhalt“. Nur, wer diese Elemente eint, kann seiner Meinung nach auf Dauer erfolgreich sein. Die ihm unterstellte nordische Kühle und Humorlosigkeit hält einer Überprüfung nicht stand.

Der Knackpunkt

Die Qualitäts-Zufuhr, die der Verein durch seine Transferpolitik einfließen ließ, hat auch Nachteile. Ambitionierte Haudegen wie Dietmar Hirsch oder Dirk Langerbein blickten bislang in die Röhre, wenn es um das Vergeben der Start-Tickets ging. Zumindest im Fall Langerbein wird sich daran nichts Gravierendes ändern, der letztjährige Stamm-Schlussmann ist nur noch Nummer drei hinter „Schorsch“ Koch und Sven Beuckert. Hirsch will sich bei den Zebras durchbeißen und durch Leistung überzeugen, für Rouven Schröder verschlechterte sich die Perspektive. Der Verteidiger brach seine Zelte in Meiderich ab und wechselte zum VfB Lübeck. Die spannende Frage ist letztlich, wie lange es an der Westender Straße ruhig bleibt und was passiert, wenn erste Unruhe-Feuer aufflackern.

Die Perspektive

Für den MSV bietet sich die Riesen-Möglichkeit, durch einen Heimsieg gegen Rot-Weiss Essen ein weiteres Ausrufezeichen zu setzen und sich oben festzubeißen. Was die Substanz der Mannschaft anbelangt, muss Duisburg in einem Atemzug mit Köln, Frankfurt, Aachen und 1860 München genannt werden. Kurzum: Bei der Aufstiegsfrage diskutiert der MSV mit. Im DFB-Pokal hat man zwar Respekt vor HSV-Killer Paderborn 07, aber die Meidericher sind traditionell ein Pokal-Fighter-Team, das auch diesmal weit kommen kann. Alles in allem also rosige Aussichten.

Autor: tt

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