Fingerzeig! Ein Brasilianer muss sich wohlfühlen, dann kann er auch echte Leistung abrufen.

RWE: Sidney mit zweitem RWE-Anlauf!

og
29. Juli 2004, 13:06 Uhr

Fingerzeig! Ein Brasilianer muss sich wohlfühlen, dann kann er auch echte Leistung abrufen.

Fingerzeig! Ein Brasilianer muss sich wohlfühlen, dann kann er auch echte Leistung abrufen. Für den Zweitliga-Aufsteiger RW Essen ist das in dieser Saison eine neue Erfahrung, schließlich wurde mit Sidney Santos de Brito (VfL Osnabrück), Vivaldo Nascimento Barreto (St.Pauli) und Daniel Teixeira (Holstein Kiel) gleich ein Dreierpack angeheuert. "Sehr gut geht es mir", zeigt sich Sidney vollkommen entspannt, als er seinen Kollegen beim Test in Speldorf von der Tribüne aus zuschaute, "ich freue mich, dass mein Engagement in Essen geklappt hat, ich fühle mich wohl, habe mir auch die Stadt schon ein bisschen angeschaut." Wobei bei der Wahl des Wohnsitzes Bottrop den Zuschlag erhielt.

"Fühle mich wohl"

Wenn man sich mit der Sprechgeschindigkeit dem 24-Jährigen anpasst, zeigt sich Sidney im Deutschen durchaus bewandert. "Das funktioniert schon, nur zu schnell darf es nicht sein", schmunzelt die "Viererketten-Perle", die durch ständigen Offensivdrang glänzt. Das Blitzturnier in Leverkusen nutzte der Ex-Osnabrücker, um den Bayer-Elite-Liga-Kollegen Franca und Weltmeister Roque Junior guten Tag zu sein. "Wir haben uns kurz ausgetauscht, wie es so läuft", nickt Sidney.
Mit der Schalker oder Dortmunder "Zuckerhut-Fraktion" besteht - noch - kein Kontakt. Dafür aber mit dem Neu-Oberhausener Alexandre da Silva Chiquinho. "Ein sehr guter Freund von mir", bestätigt Sidney. Der Kontakt kam über seinen ehemaligen Osnabrücker Kollegen Gledson da Silva Menezes (zur Fortuna Köln-Zeit fast in Essen gelandet) zustande, der mit Chiquinho in Ahlen spielte. "Mit Chiquinho stehe ich permanent in Kontakt, wir telefonieren sehr häufig", erklärt Sidney. In der Meisterschaft werden sich beide am 12. Spieltag über den Weg laufen, genau wie auch mit Gledson und Paolo Roberto Machado, "Paulinho", von LR.
Zukunftsmusik. "Wir haben eine super Mannschaft", gibt Sidney bereitwillig seine Eindrücke preis, "die Jungs sind sehr nett, das Klima ist prima, insgesamt ist der Kader auch sehr jung." Wichtig für den 56-fachen Regionalliga-Akteur (vier Tore), der aktuell geschieden von seiner Frau alleine in Deutschland lebt. Sein Söhnchen Matheus ist in Brasilien. "Er wird am 8.August drei Jahre alt", leuchten die Augen des 15-fachen Zweitligaspielers bei diesem Thema, "ich vermisse ihn natürlich unheimlich. Ich rufe jeden Tag in Brasilien an."

Söhnchen in Brasilien

Genau wie auch bei Mama Raffaela und Papa Francisco in seinem Heimatort Moreno PE. in Nord-Brasilien. Sidney: "Sie fehlen mir sehr." Bruder Renan (10) gibt es auch noch, "der allerdings den Fußball nicht mag." Wie? Ein Brasilianer, der keine Leidenschaft für die Lederkugel hat? "Komisch, stimmt", grinst Sidney breit, "dafür will Matheus immer kicken, in meinem Heimaturlaub habe ich jeden Tag mit ihm gespielt."
Erneuter Themawechsel! "Unser Ziel kann erst einmal nur sein, die Zweite Liga zu erhalten", grübelt Sidney über die Stärke der Konkurrenz, "die Matches werden auf jeden Fall alle schwer." Verstecken will sich der 1,78 Meter-Mann nicht: "Wenn alle mitziehen, geht vieles automatisch." Und dann blitzen seine Augen: "Natürlich ist die deutsche Bundesliga ein Traum für alle Spieler, dort will doch jeder hin."
In Essen landete Sidney im zweiten Anlauf, schon vor knapp drei Jahren - RWE-Trainer war damals noch Harry Pleß - stellte sich der Brasilianer im Probetraining bei RWE vor. Der Verein wollte, allerdings "machte damals Osnabrück das bessere Angebot", erinnert sich Sidney, der zuvor für den FC Santa Cruz Recife, Sport Recife, SC Ceara und Sao Paulo auflief. Wobei die letzte Station eher eine Bewerber-Mannschaft war, ein Pool an Talenten im weltweiten Angebot. So probte Sidney mehrere Wochen vor dem Engagement an der Bremer Brücke beim PSV Eindhoven, "wo auch Interesse bestand, dann kehrte ich aber nach Brasilien zurück." Später folgte die Begutachtung durch Essen, dann kam der VfL. "Jetzt hatte ich meinem Berater ausdrücklich gesagt, ich will nach Essen. Ich habe im Georg Melches-Stadion gespielt, insgesamt ging es zweimal gegen RWE. Die Stimmung habe ich noch genau in Erinnerung, das war schon legendär."
Dementsprechend hat sich der Linksfuß so einiges vorgenommen. "Man schenkt mir Vertrauen, hat mich verpflichtet, das will ich zurück zahlen und vor allen Dingen die Anhänger von meinen Fähigkeiten überzeugen." Fakt: Wer die Kulisse auf seiner Seite hat, dem kann bei RWE nicht viel passieren.og

Autor: og

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