Noch einmal schlafen, dann ist Landwehr-Zeit. Am Montag, 10 Uhr, bittet RWO-Coach Jörn Andersen seine neue Mannschaft zum ersten Aufgalopp.

RWO: Stijn Haeldermans endlich in Deutschland angekommen

cb
29. Juni 2004, 10:44 Uhr

Noch einmal schlafen, dann ist Landwehr-Zeit. Am Montag, 10 Uhr, bittet RWO-Coach Jörn Andersen seine neue Mannschaft zum ersten Aufgalopp.

Noch einmal schlafen, dann ist Landwehr-Zeit. Am Montag, 10 Uhr, bittet RWO-Coach Jörn Andersen seine neue Mannschaft zum ersten Aufgalopp. Eines der Ziele der Vorbereitung: Die Offensiv-Struktur verbessern, um besonders vor eigenem Publikum häufiger grünes Licht zum Jubeln zu bekommen. Einer der helfen soll, die Angriffs-Maschinerie anzukurbeln, kommt aus Belgien und heißt Stijn Haeldermans. Vor dem ersten Training nahm sich der 29-Jährige Neuzugang Zeit, um die RS-Redaktion zu besuchen.

Stijn Haeldermans, wenn man sich Ihren sportlichen Lebenslauf anschaut, erkennt man viele Stationen in der letzten Zeit.

2000 bin ich mit Lommel abgestiegen, wollte aber in der ersten Liga bleiben. Anschließend gab es in Sittard, wieder in Lommel und in Lierse große Finanzprobleme. Zum Schluss bin ich dann in Heusden-Zolder gelandet und jetzt in Oberhausen.

Mit Heusden-Zolder gab es auch einen Abstieg. Prägt so ein Erlebnis?

Schön war es nicht, daher möchte ich jetzt mit Oberhausen nichts mit unten zu tun haben.

Warum führte der Weg nach Oberhausen?

Ich hatte nach den ersten Gesprächen gleich ein sehr gutes Gefühl. Das war für mich entscheidend. Es hat irgendwie alles sofort gepasst.

Auch wegen dem Trainer Jörn Andersen?

Ja. Es ist sehr schön, mit einem Coach zu arbeiten, der selber ein sehr guter Spieler war. Zudem habe ich nach unserem guten Gespräch den Eindruck, Andersen ist richtig motiviert, um hier was zu erreichen.

Meistens wird bei RWO mit einem 4-2-3-1-System agiert. Kommt Ihnen das entgegen?

Auf jeden Fall, wobei ich nicht ganz festgelegt bin. Die drei Positionen hinter der Spitze kann ich alle spielen. Am liebsten komme ich aber über links oder durch die Mitte.

Sie wurden als typischer Vorbereiter angekündigt, der präzise flanken kann. Genau der Typ, der zuletzt fehlte. Eine richtige Einschätzung?

Ich denke schon. In diesem Bereich liegen meine Qualitäten.

Die Konkurrenz im Offensiv-Bereich wird groß sein. Sind Sie sich dessen bewusst?

Aber klar. So muss es auch sein. Ich habe auch bei großen Vereinen mit Konkurrenz zu tun gehabt. Da muss man durch.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Verein. Immerhin spielen Sie zum ersten Mal in einer zweiten Liga?

Ich habe die selben Ambitionen wie der Verein. Ich will in die erste Liga, auch wenn ich weiß, die Konkurrenz ist richtig groß. Trotzdem glaube ich daran.

Wie gehen Sie mit diesem daraus entstehenden Erfolgsdruck um?

Das kenne ich. Bei Standard ging es um die UEFA-Cup-Qualifikation, bei anderen Clubs gegen den Abstieg. Wichtig ist, immer locker zu bleiben.

Nach Holland und Belgien führt der Weg nun nach Deutschland. Bewusst?

Es war mein großes Ziel. Ich versuche schon seit Jahren nach Deutschland zu kommen. Endlich hat es geklappt. Ich habe richtig Lust auf die Aufgabe.

Was kam vorher dazwischen?

Bei einem Angebot aus Duisburg vor Jahren die Forderung meines Vereins. Dann wollte Ewald Lienen mich vor zwei Jahren nach Köln holen, später nach Gladbach. Ohne Erfolg.

Nach den gescheiterten Versuchen. Hatten sie die Hoffnung schon aufgegeben?

Nein, ich habe immer an den Wechsel geglaubt und an mir gearbeitet. Auch wenn es letztes Jahr bitter war. Ich war in Gladbach, habe schon mit den Jungs trainiert und trotzdem wurde es nichts.

Werden Sie beim ersten Training bekannte Gesichter erkennen?

Bei Standard Lüttich habe ich mit Adrian Aliaj und Gauthier Remacle gespielt.

In Oberhausen treffen Sie eine Multi-Kulti-Truppe an. Kennen Sie das aus Holland oder Belgien?

In dem Maße nicht, aber alle spielen Fußball, das wird kein Problem?

Belgier gelten als sehr anpassungsfähig. Stimmen Sie zu?

In diesem Bereich sehe ich keine Probleme. Natürlich ist es ein Vorteil, die Sprache zu beherrschen.

Wo haben Sie so gut Deutsch gelernt?

Zuerst in der Schule. Und dann naürlich durch meine Freundin Iris, mit der ich seit sechs Jahren zusammen bin. Wir sprechen nur Deutsch. Sie versteht zwar etwas Holländisch, aber auf Deutsch ist es leichter.

Sie machen es Aliaj nach, sprechen mehrere Sprachen, korrekt?

Deutsch, Niederländisch, Englisch, Französisch und etwas Italienisch.

Für Ihr RWO-Engagement wollten Sie umziehen. Wie ist der Stand?

Alles schon geschehen. Ich habe in Düsseldorf-Erkrath eine Wohnung gefunden.

Ziehen Sie allein dort ein?

Erstmal ja, vielleicht kommt meine Freundin, die noch in Köln wohnt, bald nach.

Wo hat es gefunkt?

Playa den Bossa. Wir haben uns im Urlaub auf Ibiza kennengelernt.

In Belgien galten Sie als Frauenschwarm. Sind Sie der Beckham Belgiens?

Da sage ich nichts zu. Im Ernst: Ich versuche einfach, immer freundlich zu sein.

Zurück zum Sport. Wie gut kennen Sie die zweite Liga?

Nicht so wie die Bundesliga. In Belgien kann man die Liga zwei nicht so genau verfolgen.

Was ist der Unterschied zwischen Deutschland und Belgien?

Bei uns sind vier Topvereine, dahinter ist eine Lücke. In der zweiten Liga scheint es so, jeder kann jeden schlagen. Die Ausgeglichenheit ist sehr groß. Ausrutscher dürfen kaum passieren.

Wie würden Sie sich selber einschätzen. Als Mensch und als Sportler?

Ich denke, ich bin sehr sozial eingestellt. Als Spieler: Meine Stärke ist wohl meine Technik und meine taktische Ausbildung, die ich bei Maastricht in Holland genossen habe. Zudem sehe ich mich als Mannschafts-Spieler
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War für Sie immer klar, Profisportler zu werden?

Ich hatte die Möglichkeit, während meiner Zeit in Maastricht Jura zu studieren, mein Vater ist Gerichtsvollzieher. Aber nur zwei Jahre, dann wurde es zu viel.

Letzte Frage: Glauben Sie, David Beckham schießt nochmal einen Elfmeter?

Eher nicht, aber es ist wie bei einem Autounfall. Man muss sofort weitermachen.

Autor: cb

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