Grund des Ausbruchs des Oberhausener Coaches sind die zuletzt gezeigten Leistungen, die den Norweger auf die Palme brachten, so dass die Trainerfaust einige Male auf den PK-Tisch donnerte.

RWO: Andersen holt die verbale Peitsche aus dem Sack

cb
09. April 2004, 13:59 Uhr

Grund des Ausbruchs des Oberhausener Coaches sind die zuletzt gezeigten Leistungen, die den Norweger auf die Palme brachten, so dass die Trainerfaust einige Male auf den PK-Tisch donnerte.

So hat man ihn noch nicht erlebt. Bei der Pressekonferenz vor dem Match gegen Unterhaching holte RWO-Coach Jörn Andersen die verbale Peitsche aus dem Sack, nahm sich seine Elf richtig zur Brust. "Ich muss auch als Psychologe arbeiten, habe mich bisher immer vor die Mannschaft gestellt, wollte sie intern kitzeln. Da hat es teilweise auch schon gekracht. Hat nichts gebracht, also versuche ich jetzt einen anderen Weg."

Grund des Ausbruchs sind die zuletzt gezeigten Leistungen, die den Norweger auf die Palme brachten, so dass die Trainerfaust einige Male auf den PK-Tisch donnerte. "Einigen fehlt anscheinend die Siegermentalität. Es gibt Leute wie Frank Scharpenberg, Oliver Adler oder David Montero. Die wollen immer gewinnen. Anderen scheinen Pleiten wurscht zu sein, die tun sich auf dem Platz nicht weh." In diesem Zuge gibt der Ex-Profi zu, dass einige Probleme vom Hinrunden-Erfolg übertüncht wurden. "Jetzt, wo es nicht so läuft, kommen Charakterzüge ans Licht, die ich so nicht erwartet habe. Einige agieren klasse, wenn es läuft. In Zeiten des Misserfolgs sehe ich diese Personen dann nicht mehr. Da werden Fehler auf andere geschoben, die individuelle Kritik fehlt völlig."

Der Begriff krasse Selbstüberschätzung wird buchstabiert. RWO-Vize Manfred Rummel bringt es auf den Punkt: "Diese Truppe kann nur gemeinsam Erfolg haben. Fast keiner würde alleine in der Bundesliga klar kommen."

Namen wurden bei der Schelten-Stunde nicht genannt, es liegt aber auf der Hand, dass besonders einige Herren der kränkelnden RWO-Offensive gemeint sein dürften, wobei Andersen auch eigene Fehler in den Raum stellt. "Ich versuche immer, die beste Elf aufzustellen. Vielleicht hätte ich aber vor der Begegnung gegen Aue einiges verändern müssen, da nach dem Mainz-Match einige sehr kaputt waren."
Leider gibt es diesbezüglich kaum Alternativen für den Trainer. "Wir können keine 20 gleichstarken Akteure verpflichten, müssen einige mit durchziehen. Ein Nassirou Ouro-Akpo trifft zum Beispiel in der Verbandsliga, bei uns kann er sich aber einfach nicht aufdrängen. Da merkt man die Unterschiede der Ligen." Bleibt also der kleine Kreis von etwa 15 Spielern, der es richten muss. "Dafür muss endlich der Knick, den es nach Burghausen gab, korrigiert werden. Seit dem ziehen sich die Formschwächen wie ein roter Faden durch die Partien", hofft der Coach auf endlich wieder aufblühende "Kleeblätter".

Vor den letzten Matches gibt es jetzt aber keine Ausreden mehr wie "wir haben schon viel erreicht" oder "wir müssen nicht aufsteigen." RWO-Vize Manfred Rummel spricht Klartext. "Wir wollen mit aller Gewalt hoch. Und zwar bis zur letzten Sekunde." Andersen denkt genau so, artikuliert sich nur etwas anders. "Mit einem Sieg gegen Unterhaching ist alles möglich. Es wird weiterhin bis zum letzten Spieltag spannend bleiben." Jetzt hat es die Mannschaft in der Hand, auf dem Rasen die richtige Antwort auf die Kritik zu geben.

Autor: cb

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