Carsten Wolters ist beim MSV Duisburg das, was man gerne als Inventar bezeichnet. Seit Oktober 1996 spielt der 34-Jährige für die Meidericher, absolvierte in dieser Zeit 312 Ligaeinsätze und ist das dienstälteste Zebra.

MSV - "Erle" macht noch ein Jahr

rl
02. April 2004, 11:34 Uhr

Carsten Wolters ist beim MSV Duisburg das, was man gerne als Inventar bezeichnet. Seit Oktober 1996 spielt der 34-Jährige für die Meidericher, absolvierte in dieser Zeit 312 Ligaeinsätze und ist das dienstälteste Zebra.

Carsten Wolters ist beim MSV Duisburg das, was man gerne als Inventar bezeichnet. Seit Oktober 1996 spielt der 34-Jährige für die Meidericher, absolvierte in dieser Zeit 312 Ligaeinsätze und ist das dienstälteste Zebra. Vermutlich wird der Mann, den alle "Erle" rufen, noch mindestens ein Jahr dranhängen. Am Dienstag stiegen die ersten Vertragsverhandlungen mit MSV-Boss Walter Hellmich, der Ausgang dürfte positiv verlaufen.

Trotzdem muss "Erle" am Sonntag Abschied nehmen. Noch älter als der Fußballer ist die Haupttribüne des Wedaustadions, die beim Heimspiel gegen Ahlen wahrscheinlich zum letzten Mal benutzt werden kann. Danach wird das am 13. Februar 1965 fertiggestellte "Schmuckstück" - das Wedaustadion stellte damals die modernste bundesdeutsche Tribüne - abgerissen.

Einen abgeklärten Kerl wie Wolters fasst aber keine Wehmut, wenn er das letzte Mal in die Umkleidekabinen darf. An großartige Siegesfeiern in den Katakomben, kann sich der Routinier ohnehin nicht erinnern. "Ich bin zwar jetzt seit acht Jahren hier, riesige Feiern fallen mir aber keine ein. Nach diversen Siegen kam schon mal die eine oder andere Rutsche Bier rein. Das ist aber auch schon länger her", verweist Wolters darauf, dass es das neuzeitliche Zebra vorzieht, schnell zu duschen und dann im VIP-Raum noch ganz gemütlich ein Bier zu trinken.

Viel eher freut sich "Erle", dass die Tribüne endlich abgerissen wird. "Es ist gigantisch, in welchem Tempo die Arena hochgezogen wird. Ich hoffe, dass ich im neuen Stadion auch noch mal spielen darf", sagt Wolters. Ob das der Fall sein wird, entscheidet sich in Kürze.

Denn die vorgestern begonnenen Vertragsgespräche sollen nächste Woche fortgesetzt werden. "Herr Hellmich erläuterte mir seine Vorstellungen, ich habe meine Ansichten gesagt. Jetzt werde ich mich mit meiner Familie abstimmen", erzählt der Rechtsfuß, den es nicht überraschte, dass er ein reduziertes Angebot erhielt: "Ich habe ja beim letzten Mal noch einen alten Vertrag unterschrieben und weiß, dass man heutzutage weniger verdienen kann." Bei anderen Vereinen sei das ähnlich. "Manche haben riesige Probleme", verweist Wolters auf Arminia Bielefeld. Beim Zweitliga-Kontrahenten werden die Gehälter teilweise mit Verzögerung überwiesen.

Deshalb ist der ehemalige Dortmunder froh, dass ihm Hellmich "ein sehr faires Angebot" unterbreitete. Durchaus möglich, dass "Erle" sogar länger als bis 2005 in Duisburg bleibt. "Wir fassen zunächst ein Jahr ins Auge, vielleicht wird aber eine Option eingebaut. Wenn ich beispielsweise 25 Spiele bestreite, hieße das, dass ich noch fit bin und eine weitere Saison dranhängen kann", sagt Wolters, der wohl unterschreiben wird: "In Duisburg weiß ich, was ich habe. Hier ging man immer fair mit mir um, es gab nie Ärger, alle Vereinbarungen wurden eingehalten."

Und am liebsten würde der wohnhafte Bochumer seine Karriere in der Bundesliga beenden. Als die Zebras vor vier Jahren aus dem Oberhaus abstiegen, war es Wolters, der beim 1:1 gegen den Hamburger SV den bis dato letzten Duisburger Erstliga-Treffer erzielte. Jetzt werden Träume auf eine Zugabe gehegt, denn der Abstand auf die Aufstiegsplätze beträgt nur noch vier Punkte. "Die beiden letzten Siege waren wichtig, um den Vorsprung auf die Abstiegsränge zu vergrößern. Jetzt sollten wir so selbstbewusst sein, und sagen, dass wir oben angreifen wollen", fordert Wolters am Sonntag im Heimspiel gegen Ahlen einen Sieg. "Bezwingen wir Ahlen nicht, ist das Thema hinfällig. Der Aufstiegskampf macht uns aber viel mehr Spaß als das graue Mittelmaß", sagt "Erle". Vielleicht wird aus ihm ja noch ein erstklassiges Inventar.

Autor: rl

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