RWO-Kommentar: Am Limit oder unter aller Kanone

Christian Brausch
20. März 2004, 12:31 Uhr

RWO spielt immer noch eine klasse Saison. Alles Gute jetzt schlecht zu reden, wäre völliger Quatsch. Auch zehn Spieltage vor Toreschluss belegt die Elf von Trainer Jörn Andersen immer noch einen Aufstiegsrang.

Eins vorweg: RWO spielt immer noch eine klasse Saison. Alles Gute jetzt schlecht zu reden, wäre völliger Quatsch. Auch zehn Spieltage vor Toreschluss belegt die Elf von Trainer Jörn Andersen immer noch einen Aufstiegsrang. Allerdings sicher nicht mehr lange, wenn sich der Trend der letzten vier Partien fortsetzt, vor denen der Coach sagte, sie haben eine richtungsweisende Bedeutung. Die Bilanz ist ernüchternd: 2:12 Tore, einer von möglichen zwölf Zählern. Leblos, hilflos, kraftlos schlichen die Oberhausener zuletzt über den Platz. Nach dem blitzsauberen Start in die Rückrunde mit drei Siegen zeigen die "Kleeblätter" seit dem Desaster-Trip nach Burghausen (0:5) ihr zweites, bisher völlig unbekanntes Gesicht.

Aber warum befinden sich die Hinrunden-Himmelsstürmer aktuell auf akutem Sinkflug-Kurs? Nach dem letzten, peinlichen Heimauftritt gegen Aue fand spontan kein Akteur eine Erklärung für den mehr als lustlos wirkenden Kick gegen den Abstiegskandidaten. Gibt es in der Truppe vielleicht Disharmonien, die nur durch den Erfolg verdeckt wurden? Der Großteil der Mannschaft verneint diesen Aspekt vehement. Oder ist die Truppe einfach von der Realität eingeholt worden?

Fakt ist:
1) Das Glück der Hinrunde ist weg. Aktuell wird wie gegen Mainz nicht in der 90. Minute der Siegtreffer erzielt, dafür trifft der Gegner fast mit jedem Schuss den Winkel, oder die Linienrichter haben Tomaten auf den Augen, wie bei den drei Treffern, die zu unrecht aberkannt wurden.
2) Wie im vergangenen Jahr zeigt sich, der Kader ist in der Breite nicht in der Lage, den Ausfall von Leistungsträgern wie David Montero zu verkraften. Daher treffen Verletzungen oder Sperren die Elf bis ins Mark. Kein Vorwurf an den Verein, bei dem vorhandenen Mini-Etat ist es schier unmöglich, 18 gleichwertige Kicker zu verpflichten.
3) Es fehlt ein Killer vor dem Tor. Der Brasilianer Caio lässt sich viel zu sehr ins Mittelfeld fallen, Winter-Einkauf Tibor Tokody bekam noch keine Chance zu zeigen, was er von Beginn an drauf hat. Dazu kommt, die Führungsspieler nahmen sich zuletzt kollektiv eine Auszeit, spielen wie Mike Rietpietsch, Bojko Velichkov, Geri Cipi oder Alassane Ouedraogo weit unter ihren Möglichkeiten.

Es scheint in dieser Saison nur schwarz oder weiß zu geben, kicken am Limit oder unter aller Kanone. Einige Akteure scheinen zu schnell mit dem Erreichten zufrieden zu sein, andere kommen mit dem Druck, plötzlich Favorit zu sein, nicht klar.

Besonders bitter, weil auch die Aufstiegs-Konkurrenz in schöner Regelmäßigkeit Punkte liegen lässt, die Möglichkeit, den Ligasprung zu vollziehen, größer und leichter ist als jemals zuvor. Vielleicht liegt in der aktuellen Pleiten-Serie aber auch die Chance der Oberhausener. Fast jeder denkt, der Höhenflug ist zu Ende, der Absturz geht weiter. Die Erwartungen an die Elf sinken dramatisch. Wenn im Gegenzug die Leichtigkeit des Herbstes wiedergefunden werden kann, hier ist besonders der Trainer gefragt, ist das Wunder vom Niederrhein weiter drin. Die Truppe um Andersen hat bereits bewiesen, was an guten Tagen möglich ist. Jetzt heißt es, die Ärmel hochzukrempeln und den Bock wieder in die positive Richtung umzustoßen. Wenn auch erneut dezimiert, am besten schon am Freitag in Fürth.

Keine Utopie, wenn so viel investiert wird, wie von den Anhängern, die in mühevoller Arbeit vor dem Match gegen Aue ein Plakat präsentierten, welches den Aufstieg der "Kleeblätter" von der Verbandsliga bis in die Bundesliga künstlerisch aufzeigte.
Nie war die Chance größer, die Visionen der Fans mit Leben zu erfüllen...

Autor: Christian Brausch

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