Dietmar Hirsch versucht möglichst locker zu sein.

MSV DUISBURG - Dietmar Hirsch der Sündenbock

rl
08. März 2004, 11:20 Uhr

Dietmar Hirsch versucht möglichst locker zu sein. "Natürlich ist es nicht befriedigend, wenn man draußen bleiben muss", sagt der 32-Jährige, der beim MSV Duisburg plötzlich nur noch zweite Wahl ist.

Dietmar Hirsch versucht möglichst locker zu sein. "Natürlich ist es nicht befriedigend, wenn man draußen bleiben muss", sagt der 32-Jährige, der beim MSV Duisburg plötzlich nur noch zweite Wahl ist.

Weil die Zebras erfolglos in die Rückrunde starteten, fühlte sich Trainer Norbert Meier gezwungen, seinen Kapitän zu opfern. Hirsch, der bereits 196 Bundesligaspiele absolviert hat und in der Hinrunde kraft seines Amtes unumstrittener Stammspieler war, saß in den letzten drei Partien nur auf der Bank. Selbst als der MSV gegen Regensburg und Trier uneinholbar führte, wurde der Mann, den alle "Didi" rufen, nicht mal eingewechselt. "Ich musste ja irgendwas verändern, Didi ist aber kein Opfer, sondern bleibt mein Kapitän", sagt Meier. Hirsch will sich nicht anmerken lassen, wie sehr es ihn frustet, wenn ihn manche zum Sündenbock für eine verkorkste Saison machen. "Meine Gefühlslage soll mein persönliches Geheimnis bleiben. Ich bin aber erfahren und alt genug, um damit zurecht zu kommen", findet er.

Für Hirsch kam die Degradierung keineswegs überraschend. "Ich habe in der Vergangenheit bestimmt nicht so gut gespielt. Vor allem in der Hinserie war ich mit meinen Leistungen auch nicht einverstanden", zeigt sich der Familienvater selbstkritisch. Die Konsequenzen lägen dann auf der Hand: "Wenn man schlecht spielt, schützt einen die Kapitänsbinde ja nicht vor der Bank."

Hirsch bereut es trotzdem nicht, im vergangenen Sommer das Amt des Spielführers übernommen zu haben. Dabei hatte er mit seinen eigenen Leistungen zu kämpfen und möglicherweise den Kopf nicht frei, um dem Team Impulse zu verleihen. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich würde auch ohne die Spielführer-Binde Verantwortung übernehmen", glaubt der Kapitän, das die ganze Angelegenheit zu sehr hochgekocht wurde. Der Linksfuß ärgert sich, wenn er zum Sündenbock für die bislang verkorkste Saison gemacht wird. "Ich bekomme ja auch Stimmen von außen mit. Einige meinen, dass man mich viel früher hätte rausnehmen müssen. Mir tut das ein bisschen weh", sagt Hirsch, der die Rückkehr zum MSV als eine Herzensangelegenheit bezeichnet: "Hier hatte ich schon fünf Jahre gespielt und will auch jetzt mein Bestes geben."

Deshalb versucht er, über der Kritik zu stehen und will kein Sündenbock sein. "Der Trainer sieht das bestimmt nicht so, in der Öffentlichkeit wird das aber schon ins Spiel gebracht. Nicht von allen, aber von einigen", sieht "Didi" in dieser Entwicklung einen allgemeinen Trend. "Entweder ist der Trainer schuld oder einzelne Spieler. Vor zehn Jahren gab es so was nicht, der Trend macht mich traurig", findet Hirsch, der im Team Rückhalt finden: "Wir treten geschlossen als Mannschaft auf."

Deshalb möchte er auch nicht klein beigeben. Norbert Meier lobt unverdrossen, wie engagiert Hirsch im Training bei der Sache ist. Vorbildlich sei das. "Ich warte auf meine Chance", erzählt der ehemalige Rostocker. Das könnte bereits am Montag gegen Aachen der Fall sein. Rob Maas ist gesperrt, sein Platz defensiven Mittelfeld wird frei. Auf dieser Position kennt sich Hirsch aus. "Das entscheidet natürlich der Trainer. Im Testspiel gegen Hamborn 07 kam ich vorletzten Dienstag allerdings auf dieser Position zum Einsatz. Und in meiner zehnjährigen Profi-Karriere habe ich fast immer im defensiven Mittelfeld gespielt", erzählt er kein Geheimnis, wenn er zu gibt, dass "ich mich da sehr wohl fühle."

In dieser Saison musste Hirsch aber meist auf der linken Abwehrseite, die jetzt von Kai Oswald besetzt wird, ran. Manche meinen, dass er dort seine Stärken nicht richtig zum Einsatz bringen kann und "verschenkt" sei Der Routinier versucht das zu differenzieren. In Rostock kam er vor einem Jahr auch auf der linken Seite zum Einsatz und erledigte seinen Job. "In der Bundesliga kommen die Gegner aber oft mit drei Spitzen, dann ist man automatisch defensiver eingestellt. In der zweiten Liga wird gerade vom MSV viel erwartet. šber die Außenbahnen soll Druck entfacht werden", sieht Hirsch hier das Problem: "Ich kann eben nicht plötzlich die Linie hoch und runter rennen und jede Halbzeit zehn Flanken schlagen. Meine Stärken liegen im Zweikampf."

Weil das so ist, will "Didi" weiterkämpfen und aus dem Sündenbock wieder einen Platzhirsch machen."

Autor: rl

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