Dietmar Hirsch glaubt, dass es beim MSV zu viele Leader gibt. RevierSport sprach mit dem Kapitän über das Trainingslager, die bevorstehende Rückrunde und die bisherigen Probleme.

DUISBURG: "Fallen zu leicht um"

rl
16. Januar 2004, 10:49 Uhr

Dietmar Hirsch glaubt, dass es beim MSV zu viele Leader gibt. RevierSport sprach mit dem Kapitän über das Trainingslager, die bevorstehende Rückrunde und die bisherigen Probleme.

Als Dietmar Hirsch im Testspiel gegen den VfB Stuttgart nach einem Konter plötzlich im gegnerischen Strafraum frei zum Torschuss kam, freute sich sein Trainer. "In der Hinserie war der Didi nur ganz selten vorne zu finden. Jetzt traut er sich viel mehr Offensivläufe zu", sagte Norbert Meier über den Linksfuß. Für Meier ist das eine Frage des Selbstvertrauens. Hirsch sieht das ähnlich. Wir sprachen mit dem MSV-Kapitän über das Trainingslager und die bevorstehende Rückrunde.

Dietmar Hirsch, wie läufts denn so im Trainingslager?
Die Bedingungen sind prima. Sonniges Wetter, der Platz ist in einem guten Zustand. Das ist die Hauptsache, wir haben ja noch viel vor.

Der MSV rangiert zur Winterpause im tabellarischen Mittelfeld. Wird in der Mannschaft über die bevorstehende Aufholjagd gesprochen?
Jedes Team will gut aus den Startlöchern kommen, wir auch. Nach drei, vier Spielen können wir sehen, ob das geklappt hat. In der jetzigen Phase wäre es blöd, von den ersten drei Plätzen zu reden. Im Hinterkopf steckt natürlich die Aufholjagd, davon zu reden, bringt aber nichts. In der Tabelle geht es eng zu, nach oben und nach unten.

Wurde schon analysiert, was in der Hinrunde alles schlecht gelaufen ist, wo der Hebel angesetzt werden muss?
Na klar, wir sind Zwölfter, also kann nicht alles gut gewesen sein. Wir arbeiten aber dran, versuchen, die Defizite abzustellen. Nur so kann sich der Erfolg einstellen.

Welche Defizite sind das?
Wir müssen unser Spiel besser aufziehen. In der Hinrunde agierten viele Mannschaften sehr defensiv gegen uns, damit kamen wir nicht immer zurecht. Am Spielaufbau muss gearbeitet werden, da fängt alles an. Dann kommt auch das Selbstvertrauen zurück, die Kombinationen in der Offensive werden besser. Im Prinzip sollten wir ganz einfach Fußball spielen und nicht immer nur mit langen Bällen operieren.

Dem MSV fehlt ein echter Spielmacher, ein Regisseur. Liegt hier das Hauptproblem?
Überhaupt nicht, wenn sich jeder ins Spiel einbringt, ist jeder auf seine Art ein Regisseur auf seinem Raum. Der klassische Nummer 10 gibt es heutzutage nicht mehr. Jeder muss sich einfach was zutrauen. Haben wir keinen Ausfall, sind wir eine sehr gute Mannschaft.

Angesichts der vielen Niederlagen gab es in der Hinrunde zu viele Ausfälle?
Prozentual gesehen blieb bislang jeder unter seinen Möglichkeiten. Es gab keine speziellen Spiele, in denen einer total abfiel. Es war immer eine Mannschaftsleistung. Und wenn nicht jeder alles abruft, was er eigentlich kann, haut es auch nicht hin. Viel hat mit dem Selbstvertrauen zu tun. In Portugal arbeiten wir daran, die Sicherheit wieder zu finden.

Gerade in den Heimspielen lief es nicht.
Das ist ein Folge des fehlenden Selbstvertrauens. Die Gegner agierten defensiv, wir fanden kein Mittel und das Vertrauen in die eigene Stärke bleibt dann auf der Strecke. Auswärts hatten wir mehr Räume, es lief besser. Mit zwei Heimsiegen mehr hätten wir mehr Punkte, wir dürfen uns einfach nicht von außen beeinflussen lassen. Man kann das drehen und wenden, wie man will: Ausschlaggebender Punkt ist immer wieder das Selbstvertrauen.

Und das kann man trainieren?
Im Training befassen wir uns beispielsweise damit, das Spiel aus der Abwehr heraus aufzubauen. Im Test gegen Freiburg wurde das gut umgesetzt. Wir spielten 0:0 und Freiburg ist kein Graupengegner. Gegen Stuttgart war das auch ordentlich. Wenn du merkst, dass es klappt, sind das kleine Mosaiksteinchen für das Selbstvertrauen.

Sehen Sie Ihre Position weiter auf der linken Abwehrseite?
Der Trainer hat das so entschieden, ich habe da keine Probleme mit. Ich muss eben nur versuchen, auf meiner Position das defensive Denken ein bisschen aufzugeben und mehr Druck nach vorne auszuüben. Unser Spiel ist sehr statisch. Das beste Beispiel ist der VfB Stuttgart, bei dem Hinkel ständig an der gegnerischen Außenlinie zu finden ist. Auch das hat was mit Selbstvertrauen zu tun.

Der Mannschaft fehlt ein sogenannter Schweinehund, ein echter Leader. Sind Sie als Kapitän in dieser Rolle nicht gefordert?
Gut, ich habe die Spielführer-Binde, im Team stehen aber mehrere Leader. Die Mischung stimmt, es können mehrere vorangehen. Intern wird viel gesprochen und geklärt, einiges kommt gar nicht an die Öffentlichkeit. Davon abgesehen bin ich mit meiner Hinrunde auch nicht zufrieden, ich muss mir Kritik sportlicher Natur gefallen lassen. Ich höre mir das an und lerne daraus.

In den Heimspielen wirkt das Team aber stellenweise emotionslos, wo sind die vielen Leader?
Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Team. Wir fallen zu leicht um. Darüber wird diskutiert, wir arbeiten dran. Wenn wir mal drei Spiele in Folge gewinnen, kommt alles andere auch. Dann wären wir wieder ganz oben dabei.

Als Sahnestück steht am 3. Februar das Pokal-Viertelfinale auf dem Programm. Duisburg ist nur drei Siege vom ersten großen Titel entfernt. Welchen Stellenwert hat das?
Wir konzentrieren uns auf den Rückrunden-Start in Lübeck. Gewinnen wir da, fahren wir mit einer großen Euphorie nach Gladbach. Zunächst zählt aber nur Lübeck.

Kann der Gedanke an den Pokal nicht die Stimmung hochhalten?
Nein, wir wollen in der Liga oben mitspielen. Der Pokal ist zweitrangig und läuft nebenher. Natürlich ist der bisherige Erfolg schön und wir wollen ja auch weiterkommen. Es ist ja nicht so, dass wir auf dem Bökelberg nichts zu verlieren haben. Wir haben das Halbfinale zu verlieren und das ist eine Menge. Trotzdem steht die Liga klar im Vordergrund.

Autor: rl

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