Legendäre Revierteams: Westfalia Herne 1958-1960

Vom „Eisernen Fritz“ und „Atom-Otto“

pz
16. August 2006, 16:51 Uhr

Am 13. Juni 1904 traf sich im Rittersaal des Schlosses Strünkede ein Trupp junger Männer und hob den SC Westfalia 04 Herne aus der Taufe. Jenen Klub, der heute in der Oberliga Westfalen kickt, der aber bereits in den 1930er Jahren zu den ersten Adressen des Revierfußballs gehörte, damals ständiger Wegbegleiter des übermächtigen Nachbarn FC Schalke 04 war, und der seine größte Zeit zwischen den Jahren 1958 und 1960 erlebte. Zweimal in Folge qualifizierten sich die Blau-Weißen, dessen Aktive sich stets aus Berg- und Stahlarbeitern rekrutierten, damals für die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft.

Der Vater dieser Erfolge war dabei zweifelsohne der legendäre Trainer Fritz Langner, ob seiner oft brüsken und harschen Art nur „der Feldwebel“ oder auch „der eiserne Fritz“ genannt. Dieser hatte, nachdem er vor der Saison 1955/56 nach Herne gekommen war, das zuvor hoffnungslos überalterte Team der Westfalia völlig umgekrempelt. Er, der später auch Werder Bremen und den FC Schalke 04 trainierte, galt als ein Mann mit einem unfehlbaren Blick für Torhütertalente und schaffte es junge, unverbrauchte Spieler in die Herner Innenstadt zu locken.[infobox-right]Alle eingesetzte Spieler 1958 – 1960:
Tilkowski (58-60) – Overdieck (58-60), Kellermann (58-60) , Kethler (58-60), Hüser (58/59), Gehlisch (59/69) – Losch (58-60), Pyka (58-60), Benthaus (58-60), Syska (58-60), Küchmeister (59/60) – Wandollek (58-60), Kraskewitz (58-60), Clement (58-60), Burkhardt (58-60), Sopart (58-60), Crawatzo (58/59), Bothe (58-60), Luttrop (59/60), Dombrowski (59/60), Bandura (59/60), Breitzke (59/60)[/infobox]

Systematisch baute er sein Team um und auf. Er machte die späteren Nationalspieler Helmut Benthaus und Alfred Pyka zu Stammspielern und holte Hans Tilkowski (von SuS Kaiserau) und den späteren Kapitän „Siggi“ Burkhardt aus Straubing an die Emscher.

Diese kontinuierliche Aufbauarbeit zahlte sich in der Spielzeit 1958/59 aus. Und wie. Sensationell wirbelte die Westfalia die Hierarchie des Revier-Fußballs durcheinander und sicherte sich den Titel des Westdeutschen Meisters. Grundlage für diesen Triumph war dabei das massive Abwehrbollwerk, das sich auf Torhüter Tilkowski, Verteidiger Pyka und Außenläufer Benthaus stützte. Lediglich 23 Gegentore kassierten die Blau-Weißen in der gesamten Spielzeit, was einen ewigen Rekord für die Vertragsoberligazeit bedeutete, der bis zu diesem Zeitpunkt und auch in den Jahren danach nie mehr unterboten werden konnte.

Doch auch in der Offensive war die Westfalia glänzend bestückt. Gerhard Clement traf 28 Mal ins Schwarze und sicherte sich den Titel des Torschützenkönigs der Oberliga West.

Autor: pz

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