MSV - Miro Spizak doch nicht der Chancentod

rl
12. November 2003, 13:34 Uhr

Kurzer Anlauf, gucken, schießen, drin - und dann jubeln, jubeln, jubeln. Miro Spizak konnte davon nicht genug bekommen. Als der Stürmer des MSV Duisburg am Sonntag mit dem 2:1-Siegtreffer im Spiel bei Wacker Burghausen erfolgreich war, hatte er eine fast beispielslose Torflaute beendet.

Kurzer Anlauf, gucken, schießen, drin - und dann jubeln, jubeln, jubeln. Miro Spizak konnte davon nicht genug bekommen. Als der Stürmer des MSV Duisburg am Sonntag mit dem 2:1-Siegtreffer im Spiel bei Wacker Burghausen erfolgreich war, hatte er eine fast beispielslose Torflaute beendet.

Exakt 1143 Pflichtspiel-Minuten (inklusive Pokal) musste der 25-jährige Pole auf dieses Erfolgserlebnis warten. "Eine harte Zeit, ich hoffe, dass es nicht mehr so lange bis zu meinem nächsten Tor dauert", sagt Spizak.

Damit hat sich auch der Gemütszustand des Stürmers schlagartig geändert. In den letzten Wochen war Spizak genervt, wortkarg und manchmal ungenießbar. Stürmer vom Schlage Spizaks werden schließlich an Toren gemessen. Zuvor stand erst ein Saisontor des Polen zu Buche. Am ersten Spieltag erzielte er den 2:1-Siegtreffer gegen den VfB Lübeck. Danach ging er bis Sonntag - obwohl er regelmäßig in der Startaufstellung stand - leer aus. "Zufrieden konnte ich damit natürlich nicht sein", sagt Spizak. Erst in Burghausen klappte es wieder. Spizak erlief sich in der 87. Minute mühelos einen verunglückten Rückpass seines Gegenspielers Everaldo und schob ein.

Vor allem zeigte es Spizak seinen Kritikern. Davon gab einige. Teilweise wurde er schon öffentlich "Chancentod" gerufen. Andere winken schon ab, wenn er alleine aufs gegnerische Gehäuse zu läuft und seufzen verärgert: "Ist ja sowieso nicht drin." Spizak hörte das. Der Mann, dem nachgesagt wird, kein Goalgetter zu sein, wirkte angeknackst. "Miro ist ein sensibler Spieler", sagt Norbert Meier über seinen Stürmer, den er noch aus seiner Zeit als A-Jugend-Trainer kennt. Der Coach gewährte Spizak jedwede Rückendeckung. "Ein Spieler mit seiner Schnelligkeit ist Gold wert", zählt Meier einen großen Vorzug des Stürmers auf. Andere loben, wie sich der frühere Uerdinger einsetzt. "Miro legt in jedem Spiel viele Sprints hin. Das schafft kaum einer", hat Physiotherapeut Peter Kuhlbach festgestellt. Wer Spizak beim Spiel zuschaut, mag das bestätigen. Tatsächlich gehört der ehemalige Aachener zu den fixesten seiner Zunft. Vor dem Tor zeigt er aber Nerven und vergibt die schön herausgelaufenen Chancen. "Natürlich ist es bitter, wenn man tolle Möglichkeiten nicht verwertet. Jetzt ist der Knoten aber hoffentlich geklappt", sieht Spizak einen Aufwärtstrend.

Das ist auch nötig. Denn der Stürmer setzt sich, wie er betont, "selbst total unter Druck." Die Angst, am Ende doch als Chancentod abgestempelt zu werden, ist allgegenwärtig und die größte Strafe für einen Angreifer. Spizak hilft das Vertrauen eines Trainers, der sich weiter hinter ihn stellen will. Daran wird sich zunächst auch nichts ändern. Mit Markus Kurth ist ein Sturm-Kollege verletzt - und Josef Ivanovic kommt nach seinen Achillessehnen-Operationen notgedrungen nur langsam auf Touren. Spizak will alles dafür tun, um auch ohne das Verletzungspech seiner Kollegen erste Wahl zu bleiben. "Ich arbeite in jedem Training hart und bin davon überzeugt, dass es aufwärts geht", glaubt der Mittelstürmer, dass er künftig häufiger trifft. An ausführliche Jubelarien kann sich er sich schließlich gewöhnen.

Autor: rl

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