MSV - Cacá spielt nicht nur gut, sondern auch schön

rl
03. Oktober 2003, 11:17 Uhr

Neulich, als sich Lucas de Deus Santos mal so richtig im Training aufgeregt hat, empfand Norbert Meier stille Freude.

Neulich, als sich Lucas de Deus Santos mal so richtig im Training aufgeregt hat, empfand Norbert Meier stille Freude. "Er gebrauchte dabei ein Wort aus der deutschen Fäkaliensprache", erinnert sich der MSV-Coach. Für den Mittelfeldspieler, der sich gerne mit seinem Künstlernamen Cacá rufen lässt, ist das schon eine ganze Menge. Denn der 20-Jährige lebt erst seit zwei Monaten in Deutschland und muss die hiesige Sprache noch lernen. Meier weiß nicht, wie viel sein Schützling wirklich begreift. "Wenn ich mit ihm rede, nickt er viel. Ich bin mir aber nicht schlüssig, ob er das alles versteht", ist Meier eher skeptisch. Für den Coach sind die Sprachprobleme aber normal. "Cacá macht Fortschritte und kann sich schon auf Deutsch ärgern. Das ist ein guter Anfang", findet Meier.

Dass Cacá auch Fußball spielen kann, machte er spätestens am vergangenen Sonntag deutlich. Gegen Nürnberg stand der Brasilianer erstmals in der Startformation und beeindruckte mit guten Aktionen. Wenn der Bruder des Dortmunder Profis Dede in Ballbesitz war, ließ er sich das Leder nur durch Foulspiele vom Fuß nehmen. "Die Zuschauer schnalzten mit der Zunge", erinnert sich Meier, der bei den ersten Aktionen Cacás allerdings beinahe rückwärts von der Trainerbank gekippt wäre. "Er begann direkt mit einem Hackentrick. Da habe ich schon die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gedacht: Was macht der denn da", erzählt der Coach, der sich vor dem Match noch einen Dolmetscher holen ließ, um dem Neuzugang alles im Detail zu erklären.

Ändern will Meier diese Spielweise allerdings nicht. Cacá sei ein Typ, den man nicht in ein taktisches Konzept pressen könne. "Das ist für einen Brasilianer nicht leistungsfördernd", glaubt Meier, dass man Leuten wie Cacá grundsätzlich nicht die Spielfreude nehmen dürfe. "Südamerikaner haben viel Bewegungsdrang und brauchen Freiheiten", sagt Meier, den Cacás erster großer Auftritt natürlich gefallen hat.

Meier ist vom Wesen her aber zu norddeutsch, um in Begeisterungsstürme auszubrechen. "Cacá ist ein junger Mann, den man vorsichtig aufbauen muss", bleibt der Coach lieber gelassen und fordert nicht zu viel vom Brasilianer. Eine Sichtweise, die vom Team getragen wird. "Cacá ist zweifelsohne ein guter Mann. Bei uns müssen aber die erfahrenen Spieler wie Didi Hirsch, Rob Maas oder auch ich das Schiff lenken", sagt MSV-Keeper Dirk Langerbein, der findet, dass "der Junge noch viel lernen und arbeiten muss." Einer wie Cacá sei aber wichtig, weil er "nicht nur gut, sondern auch schön Fußball spielt." Er sei einer, der keine Angst habe und auch mal aufs Tor schießt, unterstreicht Langerbein. "Wenn er weiter schuftet, wird Cacá noch viele Spiele machen", glaubt der Torwart.

Dass Cacá am Freitag in Osnabrück wieder in der Startaufstellung stellt, dürfte sicher sein. Meier legt sich zwar ungern frühzeitig fest, diese Frage nickte der Coach aber schnell ab. "Auch wenn wir keine Wunderdinge erwarten, ist Cacá jetzt so weit, dass man ihn bringen kann", sagt Meier, der dem Brasilianer vor dem Nürnberg-Match nur vier Kurzeinsätze gönnte. Stattdessen half Cacá im Amateurteam aus. Ausschlaggebend dafür seien die Eingewöhnungsschwierigkeiten und die Sprachprobleme gewesen. Jetzt hat der Mann vom Zuckerhut dazu gelernt. Ärgern kann er sich schon auf deutsch - und Fußballspielen auf brasilianisch sowieso.

Autor: rl

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