Walter Hellmich ist ein Typ, der gerne in die Rolle des Gute-Laune-Bären schlüpft. Nach Erfolgen ist der Vorsitzende des MSV Duisburg ohnehin gut drauf. Und wenn er Niederlagen erleben muss, versucht er Team und Trainer mit ausgiebigem Schulterklopfen aufzubauen.

DUISBURG: Der MSV rutscht auf dem Aachener Angstschweiß aus

rl
22. September 2003, 10:39 Uhr

Walter Hellmich ist ein Typ, der gerne in die Rolle des Gute-Laune-Bären schlüpft. Nach Erfolgen ist der Vorsitzende des MSV Duisburg ohnehin gut drauf. Und wenn er Niederlagen erleben muss, versucht er Team und Trainer mit ausgiebigem Schulterklopfen aufzubauen.

Walter Hellmich ist ein Typ, der gerne in die Rolle des Gute-Laune-Bären schlüpft. Nach Erfolgen ist der Vorsitzende des MSV Duisburg ohnehin gut drauf. Und wenn er Niederlagen erleben muss, versucht er Team und Trainer mit ausgiebigem Schulterklopfen aufzubauen. Am Freitag trat letzterer Fall ein. Die Zebras verloren mit 1:2 bei Alemannia Aachen, Hellmich fiel es aber sichtbar schwer, sein aufbauendes Wesen einzunehmen. Der MSV-Boss versuchte zwar zu lächeln, wirkte aber verstimmt und grantelte bald hier, bald da ein bisschen herum. Hellmich ging es spürbar ans Gemüt, dass seine Angestellten auf dem Tivoli leer ausgingen. Ausgerechnet bei der Alemannia, einer Mannschaft, der fast alle Qualitäten eines starken Heimteams fehlten.
Der Frust war nachvollziehbar. Denn der MSV hatte es versäumt, den Sprung in den oberen Tabellenabschnitt zu vollenden. Stattdessen wurde Aachen, das noch vor einer Woche beim 1:7 in Fürth derbe abgeklatscht wurde, dankbar aufgebaut und zum Gleichschritt mit Duisburg eingeladen. Beide Teams weisen nach sechs Spieltagen acht Punkte auf, derbes Mittelmaß eben. Das, was Duisburg nie mehr sein wollte.
Vielleicht müssen die Ansprüche des MSV aber gänzlich herabgeschraubt werden. Die Zebras bilanzierten später für sich, dass man spielerisch die bessere Mannschaft gewesen sei. "Wir hatten gerade in der ersten Halbzeit mehr Feldanteile", meinte Dietmar Hirsch. Widersprechen mochte man dem Kapitän des MSV nicht, denn spielerisch zogen sich die Gäste tatsächlich ganz achtbar aus der Affäre. Das alles war unterm Strich aber nur Makulatur, weil in Aachen eher der Kampf im Vordergrund des Geschehens stand. Und diesbezüglich agierte die Alemannia schlichtweg galliger. "Das war ein ausgezeichnetes Zweitligaspiel", meinte Aachens Trainer Jörg Berger, der bei dieser Bewertung den MSV nicht außen vor lassen wollte.
Sein Duisburger Kollege Norbert Meier war auch zufrieden. Zumindest, was die Startphase betraf. "Bis zum 1:0 der Aachener setzten wir mehr Akzente", stellte Meier fest. Widersprechen mochte ihm auch ihm keiner. Tatsächlich hatte es der MSV geschafft, ganze elf Minuten ein 0:0 zu halten und den Ball zu kontrollieren. Wer dann jedoch in der Abwehr schläft und sich um seine Vorteile bringt, muss die Folgenschäden mit sich selbst ausmachen.
"Wir hätten das 0:0 länger halten müssen", rekapitulierte Meier. Stirnrunzeln regte sich bei diesem Satz. Meier muss sich die Frage gefallen lassen, ob es reicht, wenn ein Verein, der den Anspruch hat, oben in der Tabelle mitzumischen, beim angeschlagenen Kontrahenten zunächst nur gut aussehen will? Vielleicht ist weniger das Ansinnen als der Anspruch fehlerhaft. Denn die zitternden Knie der Aachener waren sichtbar. Der MSV wusste damit nichts anzufangen, ließ die Möglichkeit, sich Respekt in der Liga zu verschaffen, verstreichen und fing sich nach dem 0:1 auch noch das 0:2. "Wer auswärts etwas holen will, muss sich mehr zeigen", wusste Meier, der ergänzte: "Wir waren in den entscheidenden Situationen nicht da."
Auch nach dem Duisburger Anschlusstreffer floss der Aachener Angstschweiß literweise auf den Tivoli. So flüssig, dass die Zebras prompt drauf ausrutschten. Während die Gastgeber durch Erik Meijer und Co. eine Konterchance nach der nächsten vergaben, setzte der MSV nicht mehr nach. Zwischen der 64. und 89. Minute verzeichnete der MSV keine Torchance. "Wir haben uns bemüht, waren aber nicht zwingend genug", fand Hirsch.
Deshalb bleibt Duisburg bis auf weiteres auch nur Mittelmaß. In Aachen war kein Feuer spürbar. Kein Leader, der mal auf den Putz haut und laut schreit: "Wir sind der Aufstiegsaspirant und die Punkte nehmen wir mit", zeigte sich. "Jetzt stehen wir nächste Woche gegen Nürnberg unter Druck, werden das aber schaffen", glaubt Hirsch. Vielleicht gelingt es den Duisburgern dann ja, bis zur 13. Minute ein 0:0 zu halten. Dann wird der Gute-Laune-Bär bestimmt auch wieder tanzen.

Autor: rl

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