Paul Linz ist ein emotionaler Typ. Einer, der das Publikum aufpeitscht, wenn es nicht läuft und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen.

DUISBURG: MSV wird besser, hat aber trotzdem genauso wenig Punkte wie 2002

rl
25. August 2003, 10:50 Uhr

Paul Linz ist ein emotionaler Typ. Einer, der das Publikum aufpeitscht, wenn es nicht läuft und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen.

Paul Linz ist ein emotionaler Typ. Einer, der das Publikum aufpeitscht, wenn es nicht läuft und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen. Am Freitag musste sich der Trainer von Eintracht Trier häufig vor die Haupttribüne des Moselstadions stellen, denn sein Team hatte im Heimspiel gegen den MSV Duisburg zur Verwunderung der Zuschauer größere Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden. Noch in der vergangenen Saison bügelte Trier die Zebras mit 3:0 und 4:2 ab, vorgestern sprang nur ein 1:1 (1:1) heraus. Warum das so war, wusste Linz später nur zu genau. "Duisburg hat sich nicht mehr ganz so blöd wie im letzten Jahr angestellt. Deshalb müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein."
MSV-Coach Norbert Meier freute sich, als er das hörte. Denn die Worte seines Kollegen unterstrichen, dass die Duisburger viel gelernt haben. Deshalb zeigte sich auch Meier mit dem Zähler einverstanden. "Unterm Strich geht das in Ordnung", sagte der Zebra-Trainer, der nicht vergaß, sich bei diesen Worten auch ein wenig auf die Lippen zu beißen. Schließlich blieb Meier nicht verborgen, dass mehr als nur ein 1:1 drin war.
Denn die Gäste zeigten für ein Auswärtsspiel eine mehr als ordentliche Vorstellung. Das sonst so feurige Trierer Offensivspiel fand durch eine abgeklärte Leistung der MSV-Defensive kaum statt. Abgesehen vom Foulelfmeter, der Trier den Ausgleich bescherte, bekamen die Gastgeber lediglich in der Startphase, als Winkler die Latte traf (4.) eine Torchance. Und in Ballbesitz ließ Duisburg das Leder laufen, agierte streckenweise draufgängerisch und durfte sogar in Führung gehen. "Das war eine deutliche Leistungssteigerung. Mit dem Auftreten der Mannschaft kann man nur komplett zufrieden sein", lobte der MSV-Vorsitzende Walter Hellmich.
Wahrscheinlich wäre Hellmich sogar jubelnd auf den Rasen gelaufen, wenn Andreas Voss in der 72. Minute die dickste Duisburger Torchance zum vermeintlichen Siegtreffer genutzt hätte. Voss` Schuss fand nach feiner Vorarbeit durch Markus Kurth aber nicht den Weg ins Trierer Tor - und Meier sah sich an dieser Stelle sogar zur Kritik bemüßigt. "Die Mannschaften, die momentan in der Tabelle ganz oben stehen, machen solche Dinger rein", glaubte der Coach zu wissen. Denn ein MSV-Sie wäre nicht unverdient gewesen und hätte die jüngsten Vorstellungen, als ebenfalls Siege ausblieben, auch tabellarisch vergessen gemacht.
So bleiben die Zebras aber für die nächsten (spielfreien) Wochen nur Mittelmaß. Genau wie vor einem Jahr stehen nach vier Partien fünf Punkte und 5:5-Tore zu Buche. Was Hellmich als plumpe "Momentaufnahme, die jederzeit steigerungsfähig ist", verkauft, löst bei denen, die schon länger dabei sind, ein bisschen Besorgnis aus. "In allen vier Zweitliga-Jahren, die ich in Duisburg mitgemacht habe, wurde der Start verhauen. Jetzt sind wir wieder in einer Situation, die nicht Fisch, nicht Fleisch ist", meinte Routinier Carsten Wolters, der immerhin anerkennt, dass "wir besseren Fußball als früher spielen." Auch das weckt die Hoffnung, dass mit einem Sieg im nächsten Ligaspiel gegen Union Berlin der Aufwärtstrend tabellarisch verbucht werden kann. Letzte Saison unterlag der MSV daheim gegen Berlin mit 0:1. Aber heutzutage stellen sich die Zebras ja nicht mehr ganz so blöd wie früher an.

Autor: rl

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