Wenn neu gleichbedeutend mit gut wäre, bräuchte sich bei RW Oberhausen bezüglich der kommenden Saison keiner einen Kopf machen.

OBERHAUSEN: "Kosmopolit" Andersen krempelte um: Total international

07. Juli 2003, 11:59 Uhr

Wenn neu gleichbedeutend mit gut wäre, bräuchte sich bei RW Oberhausen bezüglich der kommenden Saison keiner einen Kopf machen.

Wenn neu gleichbedeutend mit gut wäre, bräuchte sich bei RW Oberhausen bezüglich der kommenden Saison keiner einen Kopf machen. Trainer Jörn Andersen unterscheidet sich nicht nur vom Lebensalter her deutlich von seinen Vorgängern. Der 40-Jährige krempelte die Abteilung Lizenzspieler inzwischen grundlegend um.
Unvergessen ist, was "Zauberer" Aleksandar Ristic vor Jahresfrist zum Thema "Laktattest" von sich gab. "Brauche ich nicht! Ich sehe den Jungs beim Laufen an, ob sie fit sind oder nicht." Der eigenwillige Bosnier hatte mit seinen Methoden unbestritten Erfolg - die Arbeitsweise seines Nachfolgers ist aber deutlich wissenschaftlicher ausgelegt. So führte am Freitag letzter Woche der Luzerner Sportlehrer Lukas Mürner den sogenannten "Conconi-Test" durch.
Die Ergebnisse dieser Pulsfrequenzmessung unter Belastung dienen dem Aufschluss über den körperlichen Zustand des Spielers. Gleichzeitig kann damit ein deutlich individuelleres Trainingsprogramm im Ausdauerbereich gestaltet werden. Wie sagte Andersen doch angesichts der Endphase der abgelaufenen Saison: "Die Mannschaft war körperlich total am Ende. Ich brauche sechs Wochen Vorbereitung, um dies auszumerzen." Neue Grundlagenarbeit also - und auch ein neues Spielsystem.
Viererabwehrkette statt Libero, das in der Zerstörung starke, jedoch kreativ wenig aktive, Mittelfeldbollwerk mit fünf Leuten hat ausgedient. 4-4-2 oder 4-3-3 will der Norweger Andersen ("den Libero hat es bei uns selbst in meiner Jugend nicht gegeben") "aufführen" lassen.
Mit jüngeren, unverbrauchten Leuten in erster Linie. Der 29-Jährige Bulgare Bojko Velichkov als Spielgestalter sowie der Belgier Gauthier Remacle (26) auf der rechten Defensivposition sind Neuzugänge, die zugleich als Leistungsträger fest eingeplant sind.
Erfahrung bringt außerdem Brasilien-Stürmer Leandro Vilas Boas Simioni (28) mit, der einst in Yokohama und Brügge kickte. Ihnen werden auch Führungsaufgaben zukommen. Für Kollegen wie Denis Bushuev (21), Alassane Ouedraogo (22), Moustapha Salifou (20), Andre Izepon Astorga (23) oder Abdou-Nassirou Ouro-Akpo (21), die sich erst noch an die Gangart im Profifußball gewöhnen müssen. Daran ändern auch ein paar Einsätze in Erst- oder Zweitliga nichts, die einige bereits auf dem Konto haben.
Deutsche Spieler sind bei RWO inzwischen in der Minderheit. Mit den Torhütern Oliver Adler und Carsten Nulle, sowie Daniel Cartus, Frank Scharpenberg, Mike Rietpietsch und Lars Kampf sind es gerade noch sechs Profis, hinzu kommen die Nachwuchsakteure Benjamin und Tim Reichert. Im Grunde absolut konsequent - der Trainer ist schließlich ein echter "Kosmopolit". Gebürtiger Norweger mit deutschem Pass, zuletzt aktiv in der Schweiz, viersprachig. "Die Nationalität steht nicht im Vordergrund. Ich will mit jungen und hungrigen Spielern arbeiten, die in unsere Philosophie passen", lässt der Coach keine "Multi-Kulti-Debatte" aufkommen. Dass dies erfolgreich sein kann, haben der SC Freiburg und vor allem Energie Cottbus in den vergangenen Jahren wiederholt bewiesen.
So recht einschätzen kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand wohin der Weg dieser neu formierten Truppe führen wird. Ein erster Anhaltspunkt wird am Sonntag markiert, wenn im Rahmen der Saisoneröffnungsfeier das erste Testspiel gegen den englischen Drittligisten Yeovil Town FC um 15 Uhr an der Landwehr angepfiffen wird.
Daher sind die Reaktionen aus dem Umfeld noch ein Muster ohne großen Wert. Aber: die anfängliche Skepsis ist bei den Fans inzwischen einer freudigen Erwartung gewichen. Sollte es sportlich auch noch klappen, wird sich keine Frage bezüglich der Akzeptanz der internationalen Truppe stellen. Fußball-Oberhausen freut sich auf seine "bunte, junge Truppe"!

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