Wenn am Donnerstag das Telefon im Hause Kuranyi klingelt, wird der Hörer wohl sehr schnell abgehoben.

Kuranyi wartet auf Löws Anruf

31. Januar 2007, 11:11 Uhr

Wenn am Donnerstag das Telefon im Hause Kuranyi klingelt, wird der Hörer wohl sehr schnell abgehoben.

Wenn am Donnerstag das Telefon im Hause Kuranyi klingelt, wird der Hörer wohl sehr schnell abgehoben. Denn es könnte ein langersehnter Anruf sein: Die Nachricht von Joachim Löw, dass Kevin Kuranyi nach fast 15 Monaten wieder zum Kader der Fußball-Nationalmannschaft gehört. `Ich brauche keinen Kontakt und keine guten Worte´, sagte der Stürmer des Bundesligisten Schalke 04 zwar, als er nach seiner Gala beim 3:1 bei Eintracht Frankfurt auf den Bundestrainer angesprochen wurde. Doch Löws Anruf und die Rückkehr in den Kreis der Besten, aus dem er vor der WM im vergangenen Jahr so jäh verstoßen wurde, wäre für den 24-Jährigen das Ende eines langen Albtraumes. `Da ist ein großer Traum kaputtgegangen´, beschrieb er jenen Augenblick, als er von seinem WM-Aus erfuhr.

Das schwarz-rot-goldene Sommermärchen fand ohne ihn statt, den empfindlichsten Tiefschlag seiner Karriere verdaute er lange nicht. Auch bei seinem Klub kam er danach nicht richtig auf die Beine. Einem guten Spiel folgten zwei schwache. Die Schalker Fans, die den kickenden Popstar ein Jahr zuvor noch mit offenen Armen empfangen hatten, murrten immer lauter, wenn wieder einmal der Ball versprang oder weit neben dem Tor landete. Nur Mirko Slomka ließ die Kritik am Sieben-Millionen-Einkauf kalt. Der Trainer stärkte dem sensiblen Stürmer den Rücken, lobte ihn auch nach schwächeren Leistungen demonstrativ und sprach ihm immer wieder Mut zu. Mit Erfolg: Kuranyi erkannte die Zeichen der Zeit. `Wenn mich jemand runtertritt, werde ich wieder aufstehen. Ich bin ein Kämpfer´, sagte sich der ausgebootete Nationalspieler und kämpfte.

Gegen die Pfiffe der Fans, gegen den Ruf, sein Talent zu verschludern, und gegen die Mutmaßungen, mit mangelndem Trainingsfleiß sein WM-Ticket selbst verspielt zu haben. `Kevin hat keine Trainingsminute in der Vorbereitung versäumt, jedes Spiel mitgemacht´, lobte Slomka seinen Schützling nach der Winterpause und empfahl ihn wärmstens dem Bundestrainer: `Es wäre schön, wenn diese Leistung honoriert würde.´ Plötzlich hat Kuranyi, früher des Öfteren durch nächtliche Disco-Besuche in den Schlagzeilen, die besten Blutwerte aller Schalker Spieler. Die Geduld des Trainers und die vielen Gespräche zahlen sich aus. Auch Löw dürfte dieser Wandel nicht entgangen sein. `Er ist physisch stärker als im vergangenen Jahr´, lobte der Bundestrainer den Schalker nach seiner Glanzleistung mit zwei Toren und einer genialen Vorarbeit in Frankfurt. Was er sah, habe ihm gut gefallen.

Ob es gut genug war, um Kuranyi nach seinem 35. und bislang letzten Länderspiel am 12. November 2005 in Frankreich (0:0) zurück in die DFB-Elf zu holen, will Löw erst am Donnerstag verraten. Dann gibt er das Aufgebot für das Länderspiel am 7. Februar gegen die Schweiz bekannt. Für Kuranyi bot sich am Mittwochabend gegen Alemannia Aachen also noch einmal Gelegenheit, vor den Augen von Löw-Assistent Hansi Flick Werbung in eigener Sache zu machen. Wichtiger sei, so betonte der Schalker allerdings immer wieder, dass er mit seinem Klub Erfolg habe, schließlich will er mit den Königsblauen deutscher Meister werden. `Wenn ich hier meine Leistung bringe, kommt alles von alleine.´ Auch der langersehnte Anruf.

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