Die Gesänge der schwarz-gelben Fans hallten noch durch das Stadion, als die düpierten Stars von Bayern München fast fluchtartig die Stätte der Schmach verließen.

Bayern-Schreck Röber schockt den `Kaiser´

27. Januar 2007, 13:19 Uhr

Die Gesänge der schwarz-gelben Fans hallten noch durch das Stadion, als die düpierten Stars von Bayern München fast fluchtartig die Stätte der Schmach verließen.

Die Gesänge der schwarz-gelben Fans hallten noch durch das Stadion, als die düpierten Stars von Bayern München fast fluchtartig die Stätte der Schmach verließen und der aufgewühlte Jürgen Röber einen Einblick in sein Gefühlsleben gestattete. `Solch ein Debüt, ein Sieg gegen die Bayern vor dieser Kulisse - mehr geht nicht´, sagte der Trainer von Borussia Dortmund und genoss das Rampenlicht nach dem 3:2 (1:2)-Sieg zum Rückrunden-Auftakt über den deutschen Meister in vollen Zügen. Röber rang nach seinem spektakulären Bundesliga-Comeback nach 32 Monaten Abstinenz um Formulierungen, um im Riesenpulk der Journalisten den schier unglaublichen Wandel der Borussia zu erklären. `Ich wusste, dass diese Mannschaft Substanz hat. Ich habe sie versucht zu wecken und die Vergangenheit aus den Köpfen der Spieler zu verbannen. Das ist offenbar gelungen´, erklärte der Nachfolger des nach der Hinrunde gefeuerten Bert van Marwijk.
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Die 80.708 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Arena trauten ihren Augen nicht. Kampfstark, aggressiv und spielerisch stark präsentierte der BVB alle Eigenschaften, die der nach der Vorbereitungsphase hochgelobte Titelfavorit aus München vermissen ließ. `Ich habe den Spielern gesagt: Ihr habt gegen die Bayern die große Chance, euch positiv darzustellen. Sie haben sie genutzt´, erklärte Röber und ergänzte: `Hut ab vor dem, was die Mannschaft geleistet hat.´ Außerdem machte der 53-Jährige seinem Ruf als Bayern-Schreck einmal mehr alle Ehre: `Ich glaube, ich habe gegen die Bayern in meiner Trainerkarriere mehr Spiele gewonnen als verloren.´ Und zum zweiten Mal nach 1994 (3:1 mit dem VfB Stuttgart) als Debütant bei einem Klub. Aber selten zuvor hat der einstige Münchner Profi an der Linie derart gelitten wie am Freitagabend. Röber erinnerte an die Geschichte der 90 spannenden und unterhaltsamen Minuten, als dem Schweizer Alexander Frei (12.) das 1:0 gelang, aber die Bayern Unkonzentriertheiten der BVB-Abwehr prompt durch Tore von Daniel van Buyten (25.) und Roy Makaay (42.) nutzten.
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Doch als die BVB-Anhänger wieder den Rückfall in vergangene Hinrunden-Zeiten mit nur zwei Heimsiegen befürchteten, raffte sich die Borussia auf und drehte die Partie - unterstützt durch Münchner Abwehr-Pannen - mit dem achten Saisontreffer von Frei (57.) und dem Siegtor des Brasilaners Tinga (59.). Was sich anschließend im Tollhaus der Dortmunder WM-Arena abspielte, verdarb Bayern-Präsident Franz Beckenbauer wenige Stunden nach seiner Wahl ins Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA gründlich die Stimmung. `Im Prinzip hat sich bei den Bayern nicht viel verändert. Die haben genauso gespielt wie in der Hinrunde. Phasenweise völlig bewegungslos, ohne Engagement und Leidenschaft´, polterte der `Kaiser´. Der nicht minder verärgerte Coach Felix Magath fügte hinzu: `Leidenschaft ist nicht das richtige Wort. Wir haben zu wenig Einsatz gebracht.´

Nach der nach guten Vorbereitung in Dubai habe er nicht gedacht, `dass wir in Dortmund als Verlierer vom Platz gehen´. Offenbar sei jedoch das Trainingslager zu gut gelaufen und man habe geglaubt, ausschließlich mit spielerischen Mittel zum Erfolg zu kommen. Fest steht: In München dürften nach dem bitteren Rückschlag bei der Jagd auf die Spitzenteams und der 21. Meisterschaft vor dem Heimspiel am Dienstag gegen den VfL Bochum einige deutliche Wort fallen. Auch Nationalspieler Philipp Lahm, einer der wenigen Lichtblicke im Bayern-Team, hatte spontan keine Erklärung parat: `Das war ein Rückfall. Wir wollten im Kampf um den Titel ein Zeichen setzten. Das haben wir jedoch versäumt. Eines ist klar: Wenn wir weiter so auftreten wie heute, werden wir kein deutscher Meister.´##Picture:float:2957:right##

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