Wenn in einer Woche die Bundesliga-Rückrunde beginnt, hat der FC Schalke eine Personal-Diskussion weniger.

SCHALKE - Manuel Neuer erlebte großes Kino

hb
19. Januar 2007, 09:53 Uhr

Wenn in einer Woche die Bundesliga-Rückrunde beginnt, hat der FC Schalke eine Personal-Diskussion weniger.

Wenn in einer Woche die Bundesliga-Rückrunde beginnt, hat der FC Schalke eine Personal-Diskussion weniger.

Die Torwartfrage ist geklärt, Manuel Neuer geht nach dem Weggang von Frank Rost als unumstrittene Nummer eins in die Serie. "Wenn alles gut läuft, können wir Meister werden", meint der 20-jährige "Oldie" unter den drei Schalker Keepern. "Ich denke aber noch nicht an den 19. Mai, sondern erst einmal an das nächste Spiel. Der Druck wird nur größer, wenn man jetzt schon die Meisterschaft im Kopf hat", weiß der gebürtige Gelsenkirchener, der alle Voraussetzungen für eine echte Identifikationsfigur mitbringt.

Manuel Neuer, kamen Ihnen die letzten zwei Monate nicht wie im Film, wie großes Kino vor?

Nein, das nicht, aber man kann schon sagen, dass ein großer Traum von mir wahr geworden ist. Ich habe mir immer vorgestellt, mal in der Bundesliga zu spielen. Das ist nun eingetreten.

Hat sich Ihr Leben nun wesentlich verändert?

Im privaten Leben nicht, ich bin der gleiche Mensch wie vorher. Natürlich stehe ich mehr in der Öffentlichkeit, aber ich versuche einfach, mich aufs Sportliche zu konzentrieren. Klar, wenn ich jetzt durch Buer gehe, dann werde ich eher erkannt. Dann gucken die Leute schon mal. Aber das hält mich nicht davon ab, es zu machen, weil ich eben dort wohne. In Essen oder Oberhausen ist das weniger. Doch nur, weil ich jetzt bekannter bin, hält mich das nicht davon ab, ins Kino zu gehen, wann ich will. Ich mache mir auch keinen Kopf darüber, was in der Presse steht. Seit ich spiele, lese ich auch nicht mehr Zeitung als vorher.

Sie sind als knapp Fünfjähriger dem FC Schalke beigetreten. Kam es nie in Frage, den Verein mal zu wechseln?

Nein! Ich komme aus Buer und fühle mich dort sauwohl. Wenn man in Gelsenkirchen geboren ist, gibt es eigentlich nur einen Verein: Schalke 04. Und wenn man dort schon spielt, will man nicht mehr den Verein wechseln, weil man mehr nicht erreichen kann.

Können Sie sich noch an das letzte Schalker Match erinnern, das Sie als Fan von der Tribüne verfolgt haben?

Das Pokalfinale 2005 in Berlin war das letzte Spiel, das ich als Fan gesehen habe. Da wir mit der U19 aber am Abend vorher ebenfalls in Berlin im Endspiel standen, zählt das nicht so richtig. Früher habe ich jedes Heimspiel gesehen, auch im Parkstadion. Und so weit es ging, bin ich mit meinen Kumpels auch auswärts mitgefahren.

[b]Die 'Buerschenschaft', deren T-Shirt Sie nah am Herzen tragen!

Ich werde es weiter unter dem Torwarttrikot anhaben. Zum einen drücke ich damit die Verbundenheit mit meinen Jungs in der Nordkurve aus, zum anderen hat mir das auch Glück gebracht.

Bleibt es denn auf dem Rücken bei der Nummer zwölf? Im Sommer könnte ein neuer Torwart kommen, der dann vielleicht die Nummer eins bekäme, ohne sie zu sein!

Die Zwölf hat mir Glück gebracht. Momentan glaube ich, dass ich auch in der nächsten Saison diese Nummer tragen werde.

[b]Was ging am 5. November in Ihrem Kopf ab?

Da war ich schon sehr nervös, denn vor dem Bayern-Spiel war die Situation eine Besondere. Das war ein Unterschied zu den beiden Partien am Anfang der Saison, als Frank verletzt war und ich im Tor stand. Dann muss man für 90 Minuten den Tunnelblick haben.

Zeitgleich begann der Medien-Boykott der Spieler. Kam Ihnen das selbst verordnete Schweigen zu diesem Zeitpunkt entgegen?

Ja, der Druck wäre vielleicht größer gewesen, wenn ich etwas hätte sagen müssen. Da ich schon so lange Mitglied auf Schalke bin, weiß ich, dass rund um den Verein immer Unruhe herrscht. Da muss man als Spieler abschalten und sich auf seine Sache konzentrieren, dann geht das auch.

Wie schalten Sie vor dem Anpfiff ab?

Ich versuche mich in der Kabine abzulenken. Meist schnappe ich mir den Schalker Kreisel und lese ihn in Ruhe durch - oder ich höre Musik. Auf jeden Fall schaue ich nicht permanent auf die Uhr, um zu erfahren, wie lang es noch bis zum Anpfiff ist. So werde ich ruhig und kann mich auf das Spiel konzentrieren.

[b]Welches der bisher zehn Bundesliga-Partien war die bisher Prägendste?

Alle Spiele waren Highlights, die Premiere in Aachen, das Heimspiel gegen die Bayern und das Derby gegen Dortmund waren natürlich besondere Partien. Ich bin froh, dass beim Debüt nur ein paar Tausend Schalker Fans da waren. Wenn der erste Einsatz vor 60.000 Schalkern in der Arena gewesen wäre, dann hätte ich mich wahrscheinlich mehr verrückt gemacht.

Mirko Slomka hat Sie zur Nummer eins gemacht. Hoffen Sie, dass der Vertrag Ihres Förderers verlängert wird?

Das ist eine Entscheidung des Vereins, nicht meine. Durch den Wechsel von Christofer Heimeroth nach Gladbach habe ich ja schon vor dem Saisonbeginn einen ersten persönlichen Aufstieg erlebt. Dann kam vor dem Bayern-Match der Wechsel. Seitdem versuche ich, das Vertrauen, das der Trainer in mich gesetzt hat, zurück zu geben.

Sie sind mit erst 20 Jahren nun der älteste der drei jungen Schalker Keeper! Wie groß ist das Risiko, mit so einem jungen Torwart-Trio in die Rückserie zu gehen?

Das ist schon komisch: Im vergangenen Jahr war ich noch der jüngste Torwart, jetzt bin ich der älteste. Wenn heute Jung gegen Alt spielt, werden ich von meinen Mitspielern gerne mal veräppelt. Ich kenne Dennis und Ralf sehr gut, denn wir haben schon in der Jugend zusammen gespielt. Unser Torwart-Trainer Lothar Mattuschak hat uns sehr gut ausgebildet. Wir hatten schon damals mit der Fußballschule auf Schalke vier Mal in der Woche vormittags Training, was ein großer Vorteil gegenüber anderen Bundesligisten ist.

Haben Sie noch Kontakt zu Frank Rost?

Er war am Montag in der Kabine und hat sich von uns verabschiedet. Er hat gesagt, wir dürfen in der Rückrunde 16 Spiele gewinnen, nur eins nicht.

Ihr großes Vorbild war und ist aber Jens Lehmann, oder?

Ja, seine offensive Art, als Torwart Fußball zu spielen, hat mir immer gefallen. Ich bin im Parkstadion extra immer etwas eher zu den Spielen gefahren, um sein Aufwärmprogramm zu sehen. Das ist so ein Athlet und er hat immer auch ein paar Faxen gemacht. Und das Tor gegen Dortmund war natürlich auch nicht schlecht.

Viele Experten sehen Sie schon als künftigen Nationaltorhüter, sie könnten Lehmann 2008 nach der Euro beerben!

So weit denke ich nicht, denn dafür müsste ich erst einmal zwei, drei Jahre lang konstant in der Bundesliga spielen. Mein nächstes Ziel ist nun, Stammtorwart auf Schalke zu bleiben. Und dann möchte ich mit der U21 die EM in Schweden absolvieren, habe allerdings in Florian Fromlowitz von Kaiserslautern einen starken Konkurrenten.

Autor: hb

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