BOCHUM: Oliver Schröders Unverständnis über Fan-Äußerungen

gp
14. Januar 2007, 17:55 Uhr

Bei Oliver Schröder kam man am zweiten Trainingstag des Jahres nicht lange grübeln, wie der Berliner aus den Startlöchern kommt.

Bei Oliver Schröder kam man am zweiten Trainingstag des Jahres nicht lange grübeln, wie der Berliner aus den Startlöchern kommt. Beim Fitnesstest nämlich wurde schnell sichtbar: Er ist körperlich gut drauf, rannte gemeinsam mit Heiko Butscher die Teamkollegen in Grund und Boden. Vielleicht lag es ja am Aktivurlaub, denn mit der engsten Familie stand er in Sölden jeden Morgen pünktlich um neun Uhr auf der Piste: "Skifahren macht einfach Spass, es war ein super Urlaub. Natürlich auch mit Aprés-Ski am Abend, aber übertrieben habe ich es nie." Und mit Blick auf seine Werte verriet Schröder: "Laufen konnte ich immer schon, ich brauche keine Zahlen, um zu fühlen, dass ich gut drauf bin."

Natürlich weiß Schröder, dass die Konkurrenz gerade für ihn in der Winterpause noch größer geworden ist. Joel Epalle und auch Tommy Bechmann können bevorzugt über die rechte Seite agieren. Schröder ist zu lange Profi, um nach außen hin Schwächen zu zeigen. Fast trotzig erklärt er: "Konkurrenz ist gut, sie belebt das Geschäft. Ich sehe das nur positiv."

Nicht so positiv hat der Rechtsfuß die Ereignisse des letzten halben Jahres aufgenommen. Dabei denkt er weniger an den Fehlstart und so manch enttäuschende Leistung des Teams, sondern eher an das Drum und Dran außerhalb des Rasens: "Ich habe nichts gegen Kritik, kann auch mit einer Serie von schlechten Benotungen leben, aber einige Dinge in Bochum haben mich erschreckt." Was Schröder total irritierte war die Ablehnung, die den Neuen zu Beginn der Hinrunde entgegen schlug: "Es wurde uns nicht sehr einfach gemacht." Ganz extrem fand Schröder seinen Tribünenbesuch, als er sich zuvor verletzt hatte. "In dem engen Stadion bekommst du schon auf dem Feld einiges mit, aber was ich an Reaktionen auf der Tribüne erlebt habe, das war für mich völliges Neuland. Vielleicht sollten die, die da sitzen, mal daran denken, dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht."

Bei allem Verständnis, bei Schröder schwoll der Kamm und mit dem nötigen Abstand verrät er: "Ich habe mich mit einigen Zuschauern angelegt, denn so eine ablehnende Stimmung, so eine Häme habe ich noch nicht erlebt." Dabei gilt der Berliner eigentlich als ausgeglichen: "Normalerweise habe ich ein dickes Fell, höre über vieles hinweg. Aber was ich mit meiner Familie oder meinen Freunden an Beleidigungen mitbekommen habe, das war unterste Schublade, so etwas gab es nicht in Köln und nicht in Berlin."

Schröder ist dabei keiner, der alle über einen Kamm schert. "Die Ostkurve klammere ich aus, die Leute pfeifen, sind emotional, aber es geht selten unter die Gürtellinie." Schröder scheut keine Diskussionen: "Auch wenn der Start nicht leicht war, ich fühle mich in Bochum wohl. Ich habe mit vielen Fans schon offene Gespräche geführt. Und wenn man sich vernünftig unterhält, dann ist der Umgang miteinander auch okay. Schlechter als zu Beginn der Hinrunde konnte es auch nicht mehr werden." Rückblickend auf die Hinrunde gesteht der 26-Jährige ein: "Das 0:6 gegen Bremen hatte eine heilsame Wirkung, das Spiel beim BVB war schon die Wende. Zwar gab es noch Rückschläge, aber wir haben die Kurve bekommen."

Schröder, der mit Philipp Bönig ein Doppelzimmer teilt, denkt längst schon an den Rückrundenauftakt gegen Mainz: "Das Heimspiel ist eine Neun-Punkte-Partie. Ein Sieg würde uns einen riesigen Schub geben und auch die Fans so richtig wachrütteln." Nach einem halben Jahr Bochum hat Schröder schon so viel erlebt, dass er überzeugt ist: "Wenn wir an unsere Grenzen gehen, wird das nächste halbe Jahr in jeder Hinsicht besser."

Autor: gp

Kommentieren