Wenn über Chiclana die Sonne scheint, dann erhellen sich auch die Gesichter.

BOCHUM: Jaroslav Drobny soll sein Können unter Beweis stellen

12. Januar 2007, 11:01 Uhr

Wenn über Chiclana die Sonne scheint, dann erhellen sich auch die Gesichter.

Wenn über Chiclana die Sonne scheint, dann erhellen sich auch die Gesichter. Denn bei allen Strapazen, so ein wenig Wärme um die Mittagszeit lässt die Profis ihre harte Arbeit viel leichter ertragen. Marcel Koller: "Das ist schon etwas ganz anderes als im regnerischen Bochum." Da sieht der Coach auch schon einmal über die eine oder andere Unzulänglichkeit hinweg. Das will bei dem konsequenten Schweizer schon eine Menge heißen. Koller: "Der Platz ist nicht gerade optimal, aber man kann dort trainieren. Er ist auf keinen Fall später einmal eine Ausrede."

Doch mit ein wenig Distanz muss man feststellen, dass die Rahmenbedingungen in Andalusien nicht die Qualität des letztjährigen Trainingslagers in Alicante erreichen. Denn auch im Hotel, das mit 290 Betten zurzeit bis auf den letzten Platz ausgebucht ist, ist es ungewohnt hektisch für die zuletzt eher abgeschotteten Profis. Doch kein Wort geht dem Trainer darüber über die Lippen und Sportvorstand Stefan Kuntz relativiert die Eindrücke: "Die Zimmer sind gut, das Essen auch. Kein Grund zu klagen."

Und so konzentrierten sich auch alle schnell auf die tägliche Arbeit, bei der Koller besonderen Wert auf taktische Dinge legt, aber auch den technischen Bereich nicht außer Acht lässt. "Ich erwarte konzentrierte Arbeit, Genauigkeit im Passspiel, das ist wichtig." Dabei wird Neuzugang Joel Epalle von Training zu Training immer heimischer. Während die Fans am gestrigen Morgen spektakuläre Aktionen des Kameruners beklatschten, führte der Coach nur nüchtern an: "Ich habe einige gute Dinge gesehen." Schon jetzt steht fest: Schafft es Epalle, seine körperlichen Defizite auch nur einigermaßen aufzuwiegen, ist er für die Startelf gesetzt. Aber wer wird das Tor hüten? Alexander Bade ist mit einem Muskelfaserriss erst gar nicht mitgefahren und Peter Skov-Jensen und René Renno mussten schlucken, als sie von Journalisten erfuhren, dass ein weiterer Keeper im Anflug ist. Gestern, pünktlich um 14.44 Uhr kletterten Jaroslav Drobny und Kuntz aus dem von Michalowski gelenkten Mietwagen. In einer Woche soll der Tscheche, der gerade seinen Vertrag beim FC Fulham aufgelöst hat, unter Beweis stellen, dass er dem VfL in der Rückrunde weiterhelfen kann. Keine leichte Aufgabe und Koller schraubte die Erwartungen vor dem ersten Training nicht in ungeahnte Höhen:

"Er hat die Reise in den Knochen. Als wir am Dienstag trainiert haben, war das ja auch nicht das Gelbe vom Ei."
Dennoch richteten sich die Augen auf den "Goalie", der bis zum Sommer von den Engländern an ADO Den Haag ausgeliehen wurde und den Holländern die Klasse erhielt. Der 1,92m große Schlussmann versuchte lauthals die Abwehr zu dirigieren und Anweisungen zu geben, obwohl er nicht einmal die Namen seiner Vorderleute kannte. Doch ein Urteil über seine Qualitäten wäre verfrüht, das wollte auch Koller nicht abgeben: "Ich sehe mir die nächsten Tage genau an." Der Trainer schloss nicht aus, dass Drobny, der auch vier Jahre in Griechenland spielte, am Samstag gegen Fürth mit einer Gastspielgenehmigung zum Einsatz kommt. Koller: "Das weiß ich aber zur Stunde noch nicht."

Wie überhaupt Koller sich noch nicht festlegen wollte, wer im Test aufläuft und wie oft er von der Auswechselregel Gebrauch machen wird. Während es bei den Torhütern einen Kandidaten gibt, herrscht in Sachen Innenverteidiger Funkstille. Koller: "Wir hatten zwei heiße Eisen im Feuer, bei dem einen hat der abgebende Verein nicht mitgespielt, die andere Lösung war einfach zu teuer." Wenn es überhaupt noch zu einer Verpflichtung kommt, könnte es Drobny sein, doch bis dahin muss er erst zeigen, dass er besser ist, als die drei Bochumer Linientiger. Das wird in einer Woche nicht leicht!

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