Der Obel ging nach dem „Anpfiff“ am Samstagabend gleich steil: „Ey Langer, geht’s noch? Oder muss ich ers‘ mitte Ölkanne dabei gehen? Beim nächsten Training schraub‘ ich wieder nen Bewegungsmelder annen Flutlichtmast!“

90+4

150 Gäste beim Expertentalk in der Lindenbrauerei

12. Juli 2010, 13:39 Uhr

Der Obel ging nach dem „Anpfiff“ am Samstagabend gleich steil: „Ey Langer, geht’s noch? Oder muss ich ers‘ mitte Ölkanne dabei gehen? Beim nächsten Training schraub‘ ich wieder nen Bewegungsmelder annen Flutlichtmast!“

Mit markigen Sprüchen im Ruhrgebietsidiom und gelungen Imitationen verwandelte der Stand-up-Comedian bei der Auftaktveranstaltung von „90+4 – Die Sudhaus-Nachspielzeit“ jede Chance, die sein sehenswertes Solo bot.

Moderator Ralf Bosse durfte beim Fußball-Talk in Unna echte Hochkaräter begrüßen. Mit Hans Tilkowski, Wilfried Wittke und Willi Landgraf wurde 94 Minuten lang über Fußball im Allgemeinen und das Phänomen Weltmeisterschaft im Besonderen diskutiert. Beim Schlagabtausch in der Lindenbrauerei ging es richtig emotional zur Sache. Wie bei einem guten Fußballspiel mit Nachspielzeit eben.

Ein Haudegen wie Tilkowski, ehemaliger BVB-Torwart und Vizeweltmeister, war da in seinem Element. Er plauderte nicht nur aus dem Nähkästchen eines Alt-Internationalen, sondern berichtete auch von seiner „diplomatischen Reise“ nach Baku. In der Hauptstadt von Aserbaidschan war Tofik Bachramow zu Ehren ein großes Bronzestandbild enthüllt worden. Der „russische Linienrichter“ hatte im WM-Finale 1966 gegen England den englischen Gastgebern beim Stand von 2:2 einen Treffer zugesprochen, der keiner war. Opfer war die deutsche Elf mit Schlussmann Tilkowski, dessen verbale Glanzparade lautete: „Das Denkmal hätte meinetwegen doppelt so groß sein können, wenn Bachramow das Tor damals nicht gegeben hätte.“ Auch der Obel hatte noch einige Kabinettstückchen im Gepäck. Da war die Geschichte von dem Fußball, der bei Essen auf der A40 lag und ihm zu seiner Rolle im Kult-Film „Das Wunder von Bern verhalf“. Dass ihm die Rolle des legendären Reporters Herbert Zimmermann auf den Leib geschneidert war, bewies der Obel live.

Stichwort Kult: Kultkicker Willi Landgraf war immer dann als Experte gefragt, wenn es um das Innenleben der aktuellen DFB-Auswahl ging und fühlte sich angesichts der Herausforderung in Südafrika an seine Karriere erinnert. Als er als Zweitliga-Kicker und schließlich Rekordspieler mit Alemannia Aachen den Europapokal aufmischte. Dass Landgrafs Herz für Schalke schlägt, versuchte „der Junge aus Bottrop“ gar nicht erst zu verhehlen: „Ich bin Fan von Manuel Neuer“, gab das Unikum zu: „Wenn Manu nach einer Parade schon wieder den nächsten Angriff eingeleitet hat, kontrolliert der Wiese noch seinen Teint.“

In Sachen Erfahrung steht Wilfried Wittke Landgraf in nichts nach. Der ehemalige Sportchef der Westfälischen Rundschau ist nicht ausgewiesener Kenner des Ruhrgebietsfußballs und der Nationalmannschaft - über 250 Länderspiel-Einsätze als Reporter, da wird sogar ein Lothar Matthäus blass.

Autor:

Kommentieren