Tiqui-Taca gegen Uhrwerk Orange - Europameister Spanien und die Niederlande wollen im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft doppelt Geschichte schreiben.

Finale

Showdown um ersten WM-Stern

sid
11. Juli 2010, 09:27 Uhr

Tiqui-Taca gegen Uhrwerk Orange - Europameister Spanien und die Niederlande wollen im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft doppelt Geschichte schreiben.

Der Sieger feiert nicht nur endlich seinen ersten WM-Titel, sondern sichert Europa auch den ersten Sieg außerhalb des eigenen Kontinents. So oder so: Heute wird ganz sicher ein historischer Tag.

Beide Seiten sind fest entschlossen, den goldenen Pokal erstmals nach Hause zu holen. "Wir werden Weltmeister. Und wir werden gegen Spanien sicher nicht die gleichen Fehler machen wie die Deutschen", sagte Hollands Mittelfeldstar Wesley Sneijder vor dem WM-Endspiel heute (20.30 Uhr/ZDF und Sky live) im Soccer-City-Stadion von Johannesburg. Für den Europameister hält Halbfinal-Held Carles Puyol dagegen: "Wir werden alle Menschen glücklich machen!"
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Wie gut, wenn es in einer solch vertrackten Situation eine unabhängige und unbestechliche, aber hochangesehene Instanz gibt: Kurz vor 12.00 Uhr brach in Spanien Riesenjubel aus, das Fernsehen übertrug live - Orakel-Krake Paul hatte die Iberer als Weltmeister getippt. "Jetzt kann nichts mehr schiefgehen", jubelte die spanische Sporttageszeitung Marca auf ihrer Internetseite.

Die Niederlande dagegen hoffen, dass der Tintenfisch eine ausgeprägte Final-Orakel-Schwäche hat - bei der EM 2008 hatte er schließlich einen deutschen Finalsieg prophezeit. Es gibt also noch Hoffnung für Holland. Angeführt von Sneijder und Bayern-Star Arjen Robben wollen die Niederländer endlich ihr WM-Trauma überwinden.

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1974 und 1978 scheiterte der Europameister von 1988 im Endspiel, 2010 soll nun endlich der ganz große Triumph gelingen. Deutschland dient als mahnendes Beispiel. "Wenn wir mit so einer Einstellung gegen die Spanier spielen wie die deutsche Mannschaft, dann brauchen wir gar nicht erst anzufangen", sagte Sneijder.

Dann lieferte er die Taktik, mit der das gefürchtete Kurzpassspiel Tiqui-Taca unterbunden werden kann. "Man muss sich gegen dieses starke Mittelfeld zwar ein wenig zurückfallen lassen, aber die deutsche Mannschaft hat das völlig übertrieben. Wir dürfen uns im Mittelfeld kaum Ballverluste erlauben, müssen bei Ballbesitz schnell umschalten. Wenn wir das beherzigen, werden wir den Pokal in den Händen halten."
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/007/414-7713_preview.jpeg Rafael Nadal (Foto: firo).[/imgbox]
Doch es spricht auch vieles für Spanien - Aberglaube ist weit verbreitet. Die Königin kommt, das Kraken-Orakel stimmt, selbst das niederländische Fußball-Idol Johan Cruyff sagt einen Sieg der Iberer voraus: Die finale Fiesta kann beginnen. "Ganz Spanien wird in einem Rausch sein", schrieb Marca.

Die Fans chartern reihenweise Flugzeuge, um den historischen Tag live in Johannesburg zu erleben. Maskottchen wie Wimbledonsieger Rafael Nadal, Startenor Placido Domingo und Kronprinz Felipe mit Gattin Letizia sollen zu umjubelten Glücksbringern werden. Der erste WM-Titel muss her, und alle sind sich sicher: Der 11. Juli wird der neue Nationalfeiertag.

Nationaltrainer Vicente Del Bosque wäre in diesem Fall wahrscheinlich der neue König von Spanien. "Wir haben bis hierhin Weltklasse-Fußball gespielt, auch gegen die ganz starken Deutschen. Gegen Holland wollen wir noch besser werden und den Pokal nach Hause bringen", sagt der 60-Jährige.

In der Heimat rüsten sich alle schon für die große Party. Die "Rote Furie", die einst so ungeliebte Nationalmannschaft, vereint die verschiedenen Volksgruppen wie nie zuvor. Hunderttausende werden von Cadiz bis Barcelona auf den Straßen, vor den Leinwänden mitfiebern - Basken und Katalanen, Andalusier und Galicier.

Sie werden auch verfolgen können, wie die beiden Superstars dieser WM gleich drei Titel unter sich ausmachen. Es geht nicht nur um den Pokal, sondern auch noch um den Goldenen Ball für den besten Spieler des Turniers und den Goldenen Schuh für den besten Schützen. David Villa gegen Wesley Sneijder - es könnte heute ein Duell von entscheidender Bedeutung sein. Und beide sagen: "Ich bin in der Form meines Lebens."

Autor: sid

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