Es war die zweitbeste Hinrunde des FC Schalke seit Bestehen der Bundesliga - und dennoch strahlt in Gelsenkirchen nicht alles königsblau.

SCHALKE-Bilanz: Was möglich wäre, wenn...

hb
29. Dezember 2006, 11:30 Uhr

Es war die zweitbeste Hinrunde des FC Schalke seit Bestehen der Bundesliga - und dennoch strahlt in Gelsenkirchen nicht alles königsblau.

Es war die zweitbeste Hinrunde des FC Schalke seit Bestehen der Bundesliga - und dennoch strahlt in Gelsenkirchen nicht alles königsblau. Der Grund dafür ist der bittere Doppel-K.o. in beiden Cup-Wettbewerben, der für einige Wochen das auch heute noch brüchig scheinende interne Gefüge stark ins Wanken brachte. Trainer Mirko Slomka, Manager Andreas Müller und die Spieler, die in diesem Zeitraum von Ende September bis Anfang November heftig in Frage gestellt wurden, gingen allerdings gestärkt aus dieser Grenzsituation hervor.

Genau das ist in der vielschichtigen Vergangenheit des Traditionsclubs selten der Fall gewesen. Bei der Bewältigung mittlerer bis schwerer Krisen haben sich früher die Verantwortlichen beileibe nicht immer als Manager derselbigen erwiesen. Müller und seine Vorstandskollegen, Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies sowie Slomka haben es geschafft, in äußerst turbulenten Tagen die Ruhe zu bewahren und endlich einmal die von ihnen zuvor oft versprochene, aber bis dahin meist vermisste Geschlossenheit gezeigt. Dem von einigen Medien bereits angezähltem Coach wurde der Rücken gestärkt und statt den üblichen Mechanismen des Geschäfts zu verfallen nahm man viel lieber die Mannschaft in die Pflicht.

Möglicherweise war sogar der offene Brief der wichtigsten Schalker Fangremien an die Profis der Auslöser für die Wende zum Guten, so wie es Slomka im Exklusiv-Interview mit RevierSport (in den kommenden beiden Ausgaben am 31. Dezember 06 und 4. Januar 2007) wissen lässt. "Da stand genau das drin, was der Truppe in der Phase wirklich fehlte: die absolute Leidenschaft", zitiert der Fußball-Lehrer aus dem Protestschreiben.

Der Rest ist wunderschöne Fußball-Geschichte, wenn man den inzwischen aufgehobenen Presse-Boykott der Stars mal generös als albernes Hirngespinst beiseite schiebt. Der Abkehr der Anhänger von ihren Lieblingen folgte der perfekt inszenierte Schulterschluss zwischen den 19.04 Minuten entzweiten Parteien. Auch wenn das Duell gegen die Bayern am Ende nicht gewonnen ging: Vielleicht war es in der Rückbetrachtung sogar ganz gut so, denn ein Erfolg in dem bis dahin wichtigsten Spiel der Hinserie hätte womöglich ganz schnell für ein Gefühl der Zufriedenheit gesorgt.

Denn dass diese "gefährlich" ist, das betont insbesondere Müller beim Blick auf das erste Halbjahr. "Wir haben noch nichts erreicht", lautet das nüchterne Fazit des Assauer-Nachfolgers, der bei der öffentlichen Hetzjagd einiger Medien schneller an eigenem Profil gewonnen hat, als er vorher selbst erahnt hätte.

36 Punkte nach 17 Begegnungen machen zum Jahreswechsel zwar "nur" Platz zwei hinter dem erklärten Titel-Favoriten Werder Bremen aus, doch die wechselvolle Saison hat gezeigt, was auf Schalke im Jahr 2007 noch möglich ist. Die großartige Ausbeute wurde nämlich vor allem in der Phase eingefahren, als arrivierte Kräfte wie Frank Rost, Marcelo Bordon und Lincoln aus unterschiedlichen Gründen nicht auf dem Platz standen. Das nunmehr funktionierende Kollektiv ohne Stars und Allüren machte zwei Dinge auf geradezu beeindruckende Weise klar: 1.) Jeder ist in der Schalker Mannschaft zu ersetzen; 2.) Sollten zu Beginn der Rückrunde alle Spieler, bis auf den Langzeit-Verletzten Gerald Asamoah, zur Verfügung stehen, kann man nur erahnen, was mit diesem Team möglich sein kann.

Autor: hb

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