Schlaudraff in der Pokerpartie am Zug

20. Dezember 2006, 11:20 Uhr

Die Pokerpartie ist in vollem Gange, die Karten liegen auf dem Tisch.

Die Pokerpartie ist in vollem Gange, die Karten liegen auf dem Tisch. Jetzt ist Jung-Nationalspieler Jan Schlaudraff am Zug. Der Angreifer von Fußball-Bundesligist Alemannia Aachen ist in einer günstigen Position und hat die Wahl, ob er im Sommer für die festgeschriebene Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro zu Meister Bayern München, Tabellenführer Werder Bremen, UEFA-Cup-Teilnehmer Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund wechseln wird. `Die Angebote von Bayern München, Werder Bremen, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund sind der krönende Abschluss. Es war einfach ein sehr gutes Jahr´, sagte Schlaudraff im Interview mit der Tageszeitung Die Welt (Mittwoch-Ausgabe). Die Bayern wollen das Alemannia-Ass sogar sofort: `Ich sollte schon in der Winterpause wechseln, aber die Alemannia und ich haben abgelehnt. Also gilt das Angebot für den Sommer. Es liegt an mir.´

Ende Januar will der 23-Jährige seine Entscheidung, wohin er am Saisonende wechseln wird, kund tun. Kontakt zum Branchenprimus von der Isar konnte er am Mittwochabend im Achtelfinale des DFB-Pokal knüpfen. Zuletzt war der Rekordmeister beim Werben um den Offensivspieler in die Offensive gegangen. `Er hat ein Angebot von Bayern München. Jetzt muss er sich entscheiden, was er will´, erklärte Manager Uli Hoeneß, der dem Ex-Gladbacher durchaus den Sprung zum Champions-League-Sieger von 2001 zutraut. `Wir sind überzeugt, dass er bei uns eine gute Chance hätte zu spielen.´ Auch Karl-Heinz Rummenigge ist von den Fähigkeiten Schlaudraffs, der in der Hinrunde sechs Treffer für den Aufsteiger erzielen konnte und in Aachen eigentlich noch einen Vertrag bis 2008 besitzt, überzeugt. `Seine Talente kann unsere Mannschaft gebrauchen. Er ist schnell, kann dribbeln, legt Tore auf und macht auch welche´, erklärte der Bayern-Vorstandsvorsitzende.

Der Umworbene, der einen Wechsel ins Ausland ausschließt, hat keine Angst vor einem möglichen Wechsel zu den Bayern. `Lahm, Ottl, Schweinsteiger - sie alle haben es geschafft.´ Er werde die Saison aber auf jeden Fall bei der Alemannia zu Ende spielen. `Mit Sicherheit begeistert Bremen durch seine Spielweise´, räumte Schlaudraff in der Bild-Zeitung kürzlich ein, ergänzte aber: `Man darf die Bayern nicht immer so schlecht reden. Am Ende holen sie doch meist die Titel.´ Auch wenn die Alemannia den Pfarrerssohn aus Bingen am Rhein für eine vergleichsweise geringe Summe ziehen lassen muss, hat sich sein Kauf bezahlt gemacht.

Mit elf Toren hatte er maßgeblichen Anteil am Aufstieg im Mai, zudem war der schnelle Angreifer ein Billigkauf. Nachdem er im Januar 2005 von Gladbach zunächst ausgeliehen worden war, wurde er im Sommer 2005 für knapp über 100.000 Euro gekauft. Die gleiche Summe wurde nach dem Aachener Aufstieg noch einmal fällig. Jetzt steht Schlaudraffs Abschied am Tivoli bevor. `Trainer und Sportdirektor hätten die Sache gern schnell vom Tisch. Das ich kann ich verstehen´, meinte Schlaudraff.

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