Ein Vier-Augen-Gespräch mit Präsident Rolf Königs entscheidet offenbar über die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach.

Vier-Augen-Gespräch entscheidet über Heynckes´ Zukunft, Pander brüskiert, VfL `über dem Strich´

16. Dezember 2006, 12:19 Uhr

Ein Vier-Augen-Gespräch mit Präsident Rolf Königs entscheidet offenbar über die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach.

Ein Vier-Augen-Gespräch mit Präsident Rolf Königs entscheidet offenbar über die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach. `Mit dem Präsidenten ist seit längerem vereinbart, dass wir uns zusammensetzen und alles analysieren´, meinte Heynckes nach einer weiteren indiskutablen Leistung seiner Elf beim 0:2 (0:1) im Kellerduell beim VfL Bochum. Ob der 61-Jährige die Borussia nach der schlechtesten Hinrunde seit acht Jahren weiter trainiert, ist offen. `Wenn man so eine Hinrunde spielt und auf einem Abstiegsplatz steht, dann ist der Trainer zuerst verantwortlich, darüber bin ich mir im Klaren´, sagte Heynckes, der den Termin des Gespräches mit Königs offen ließ. Der ehemalige Weltklasse-Stürmer fügte aber hinzu, dass er schon vor zwei Monaten nach dem 3:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg die schweren Zeiten vorausgesehen habe.

Er habe darauf hingewiesen, so Heynckes, dass die Mannschaft ein für die Bundesliga notwendiges Niveau nicht halten könne, wenn wichtige Spieler über Wochen verletzt ausfallen. Deshalb sei er überzeugt, `dass ich das tiefe Vertrauen des Präsidenten habe´. Der Frage, ob er, wie von einigen Zeitungen vermutet, amtsmüde sei und einen Rücktritt aus freien Stücken erwäge, wich Heynckes aus - allerdings auf sehr deutliche Art und Weise: `Wenn ich allen Blödsinn kommentieren würde, der in den Zeitungen steht, würden wir morgen noch hier sitzen.´ Angesichts der niederschmetternden Bilanz der vergangenen Wochen könnte Heynckes, der Neuverpflichtungen in der Winterpause für unumgänglich hält (`Man muss da natürlich versuchen, einiges zu realisieren´), im Gespräch mit Königs allerdings in Erklärungsnot geraten.

Die Borussia erreichte nur drei Punkte und vier Tore aus den letzten zehn Spielen und insgesamt nur zwei Auswärtszähler in der kompletten Hinrunde. Doch Heynckes erhält Rückendeckung. `Wir reden nicht über den Trainer, sondern mit ihm´, meinte Peter Pander. Ob der Sportdirektor überhaupt mitdiskutieren darf, ist allerdings fraglich. Heynckes jedenfalls brüskierte Pander durch bloße Nichtbeachtung: `Entscheidend ist, was der Präsident und ich machen, sonst niemand.´ Auch die Spieler sprachen sich für ihren Trainer aus, aber auch hier ist die Situation undurchsichtig. Nachdem Abwehrakteur Marvin Compper wegen seiner Kritik an Heynckes vor der Begegnung in Bochum suspendiert worden war, könnten die positiven Äußerungen der Spieler auch reiner Selbstschutz sein.

`Natürlich erreicht uns der Trainer noch´, stellte Thomas Helveg fest. Oliver Kicher erklärte, dass die Mannschaft mit Heynckes noch viel erreichen könne. Nach den Eindrücken in Bochum dürfen solche Aussagen bezweifelt werden. Der Knackpunkt im Spiel war das 1:0 in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Tobias Levels passte Theofanis Gekas den Ball unbedrängt in den Fuß, der Grieche traf mit einem herrlichen Lupfer aus 18 Metern. `Wenn man in unserer Situation in einem solchen Spiel ein Gegentor zu diesem Zeitpunkt bekommt, ist das tödlich´, meinte Heynckes. In der Tat bäumte sich die Borussia in der zweiten Hälfte nicht mal mehr auf. Das Eigentor von Kahe (85.), der in der ersten Aktion nach seiner Einwechslung auf der falschen Seite traf, war symptomatisch.

Heynckes: `Wir haben im Moment die Seuche.´ Die Bochumer schafften zwar unter tatkräftiger Gladbacher Mithilfe, aber auch hochverdient den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz. `Das ist das, was wir unbedingt wollten´, meinte Trainer Marcel Koller, der für das Pokal-Achtelfinale am Dienstag gegen den VfB Stuttgart ein klares Ziel formulierte: `Natürlich wollen wir jetzt noch mehr.´

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