Bei der WM in Südafrika gibt es bereits zum neunten Mal eine Vorort-Betreuung für die deutschen Fans. Mit dabei ist Ralf Zänger vom Fanprojekt Bochum.

Bochumer in Südafrika

Von 27-Stunden-Trips und großer Neugier

27. Juni 2010, 08:37 Uhr

Bei der WM in Südafrika gibt es bereits zum neunten Mal eine Vorort-Betreuung für die deutschen Fans. Mit dabei ist Ralf Zänger vom Fanprojekt Bochum.

Ein siebenköpfiges Team, bestehend aus zwei Mitarbeitern der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), Vertretern der Fanprojekte Bochum, Gelsenkirchen, München und Frankfurt und einem Webmaster, kümmert sich im Süden Afrikas um die Sorgen und Probleme der Schlachtenbummler. Eine Arbeit mit vielen Facetten und interessanten Einblicken in den schwarzen Kontinent.

Ich bin im Moment im Fan-Village in Pretoria“, berichtet Ralf Zänger vom Fanprojekt Bochum am Dienstag Mittag via Telefon aus Südafrika. „Fan-Village“, das ist ein geschützter Bereich auf dem Campus der Technischen Universität in der offiziellen Hauptstadt des Landes und gewissermaßen die Leitstelle der Gruppe. Ziel des Teams ist es, „Fußballfans das Gefühl zu vermitteln, dass sie willkommene Gäste des Turniers sind. Sie sollen spüren, dass sich Leute verantwortlich um ihre Fragen und Bedürfnisse kümmern und dass ihnen für den Fall, dass etwas schief läuft schnell und unbürokratisch Hilfe und Unterstützung geboten wird“, heißt es auf der Internetseite des Projekts.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/019/479-20294_preview.jpeg Ralf Zänger (re.) und seine Mitstreiter (Foto: fanguide-wm2010.de).[/imgbox]
Dafür ist es natürlich von zentraler Bedeutungen, dass die „Fan-Helfer“ nicht nur im Camp Präsenz zeigen, sondern auch bei den Spielen der DFB-Auswahl mit einer mobilen Fanbotschaft vor Ort sind. Kein leichtes Unterfangen in einem Land, das knapp dreieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. „Durch die großen Entfernungen haben wir eine Menge Stress. Die Tour zum Australien-Spiel nach Durban war für einige von uns ein 27-Stunden-Trip. Zum zweiten Gruppenspiel in Port Elizabeth mussten pro Strecke über 1.000 Kilometer zurückgelegt werden. Da waren wir fast zwei Tage unterwegs“, berichtet Zänger. Ein Aufwand, der nur dank der engen Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft bewältigt werden kann, die mit ihrer Erfahrung hilft.

Die sind an den Spieltagen äußerst vielfältig. „Wo ist das Stadion? Wo kann ich parken? Wo bekomme ich noch eine Karte? Kann ich meine Karten tauschen? Das sind die typischen Dinge, die wir über unsere Helpline gefragt werden“, sagt Zänger. „Problematisch ist es immer dann, wenn jemand seine Papiere verloren hat, den letzten Bus ins Quartier nicht bekommen hat oder Medikamente fehlen.“ Der Diplom-Sozialarbeiter erklärt außerdem, dass die Nachfrage nach „Helmut“, dem zu jeder deutschen Begegnung eigens produzierten Fanzine, „sehr groß“ sei. Das kostenlose Heft beinhaltet Tipps zum Austragungsort, Infos über den Gegner, Fan-Porträts und Schilderungen über die Erlebnisse in Südafrika.
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/019/482-20297_preview.jpeg Deutsche Fans in Südafrika (Foto: fanguide-wm2010.de).[/imgbox]
Dass die sehr beeindruckend sein können, hat auch Zänger schon erfahren. „Hier zu reisen, ist schon sehr interessant. Die Menschen sind ausgesprochen nett, freundlich und hilfsbereit. Bauarbeiten werden unterbrochen, um zu winken und wenn man anhält, kommen sofort Leute auf einen zu, die nach Sachen zum tauschen oder verschenken fragen. Es ist einfach eine große Neugier zu spüren.“ Dass es – wie vor der WM häufig diskutiert - besonders gefährlich in Südafrika sei, weist er entschieden zurück. „Ich muss ganz klar sagen, dass die ganze Hysterie, die man verbreitet hat, völlig übertrieben ist. Ich bin auch mit einem gewissen Respekt eingereist, aber wenn man sich an die Vorgaben hält, ist es sehr angenehm und kein Unterschied zu Berlin oder anderen europäischen Großstädten. Wenn ich zur falschen Zeit am falschen Ort bin, kann immer etwas passieren.“
[infobox-right]Web-Tipp:
[url]http://www.fanguide-wm2010.de[/url][/infobox] Viel Zeit für Landschaft und Sehenswürdigkeiten bleibt indes nicht. „Im Prinzip hatten wir erst einen richtig freien Tag“, erzählt Zänger. „Wir waren im Safarizoo und haben eine geführte Tour gemacht. Ansonsten ist man eigentlich ständig unterwegs.“ Langweile kommt jedenfalls nicht auf. Zumal es auch noch einen Haushalt zu organisieren gilt: „Wir leben zu siebt in einer sehr spartanischen Wohnung. Da passieren immer lustige Dinge, die wir auch in einem Online-Tagebuch aufarbeiten.“
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/019/483-20298_preview.jpeg Straßenhändler bei der WM (Foto: fanguide-wm2010.de).[/imgbox]
„Gleich warten schon wieder die nächsten Aufgaben“, sagt Zänger zum Ende des Telefonats, schließlich beginnen um 16 Uhr die abschließenden Gruppenspiele in der Gruppe A. Und dann müssen ja noch die letzten Vorbereitungen für das Spiel zwischen Deutschland und Ghana getroffen werden. Ob es Deutschland ins Achtelfinale geschafft hat, steht zum Gesprächszeitpunkt noch nicht fest, aber Zänger ist optimistisch und denkt schon einen Schritt weiter. „Ich hoffe, dass wir wenigstens ins Viertelfinale kommen. Denn ganz persönlich wünsche ich mir, wenn ich schon hier bin, auch bis Kapstadt zu kommen. Da ein Viertelfinale gegen Argentinien, das wäre klasse.“

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