Wenn die Borussen heute zum Nachbarschaftsduell in Schalke antreten, dann ist kein Deutscher, sondern ein Brasilianer der dienstälteste Borusse.

BVB: Dreier und Platz fünf für brasilianischen Heimaturlaub

rk
10. Dezember 2006, 09:57 Uhr

Wenn die Borussen heute zum Nachbarschaftsduell in Schalke antreten, dann ist kein Deutscher, sondern ein Brasilianer der dienstälteste Borusse.

Wenn die Borussen heute zum Nachbarschaftsduell in Schalke antreten, dann ist kein Deutscher, sondern ein Brasilianer der dienstälteste Borusse, der mit seinen Teamgefährten das Unterfangen, einen Sieg einzufahren, umsetzen will. Im Sommer 1998 wechselte Leonardo Dede von Atlético Mineiro nach Dortmund und wird inzwischen im aktuellen Kader in Sachen Vereinstreue nur von Lars Ricken übertroffen. Der Mittelfeldspieler muss jedoch aufgrund der Nachwirkungen seines ausgekugelten Schultergelenks weiterhin passen.

Über acht Jahre weilt der einstige "Sambafloh" nun schon im Revier und auch als Südamerikaner weiß er genau, welchen Stellenwert das Derby bei den Fans hat: "Diese Begegnung gehört immer zu den absoluten Highlights der Saison. Für jeden Spieler, für jeden Fan ist diese Partie immer etwas ganz Besonderes." Schon bei der Erwähnung der Spielpaarung geht dem 28-Jährigen der 2:1-Triumph im Mai 2005 durch den Kopf: "Das war ein ganz genialer Erfolg. Wir hatten zuvor sehr lange nicht gegen die Schalker gewonnen und dann gelang uns das ausgerechnet noch in der Veltins-Arena, einfach klasse."

Weniger erfreulich dagegen war die 0:4-Heimklatsche gegen die Königsblauen in der Saison 2000/2001, aber auch dieser Pleite kann der Junggeselle noch eine gute Seite abgewinnen: "Wir waren damals nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt und auf dem Weg eine gute Mannschaft zu werden. Während die Gäste in Folgezeit weiterhin keine Meisterschaft feiern konnten, haben wir in der nächsten Saison den Titel geholt." Sein abschließendes Fazit über das Match: "Es war zunächst ein absoluter Alptraum, als wir jedoch aufgewacht sind, hatten wir die Meisterschale in den Händen."

Davon träumt der Nachbar aus Gelsenkirchen inzwischen ganz intensiv, die derzeitige Tabellensituation gibt auch den entsprechenden Anlass dazu, so dass der Gegner Dede durchaus ein Kompliment abfordert. "Es ist schon eine starke Mannschaft, die allerdings mit Lincoln noch viel besser ist, darum stehen wir vor einer schweren Aufgabe." Seiner Auffassung nach auch aufgrund der Tatsache, dass der BVB in der Fremde antreten muss, obwohl er doch dort bisher weitaus glanzvoller als zuhause aufgetreten ist: "Mir wäre es trotzdem lieber, wenn wir vor eigener Kulisse auflaufen könnten. Da hätten wir unsere phantastischen Fans im Rücken."

Inzwischen denkt der Mann auf der linken Außenbahn auch schon an das Gepäck, das ihn in rund einer Woche in den Heimaturlaub begleiten wird: "Es wäre ja nicht schlecht, wenn da auch der fünfte Platz mit dabei wäre. Dazu müssten wir aber bei S04 gewinnen." Der Dreier würde zudem sein Konto schonen. Selbst wenn sein Freund Lincoln nur auf der Bank Platz nehmen sollte, "mir hat er gesagt, er spielt", die alljährliche Wette hat trotzdem bestand: "Auf jeden Fall." Es geht erneut um ein Essen für arme Brasilianer, das der Verlierer bezahlen muss. Geht das Match unentschieden aus, werden die Kosten geteilt. Eine Klasse-Geste, die den Sport in den Hintergrund stellt. Doch noch muss Dede sieben Tage in Deutschland verbringen, wenn es geht, so angenehm wie möglich, schließlich weiß der heute dienstälteste Borusse ganz genau: "Derby-Sieger sind Helden."

Autor: rk

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