Für die einen geht es noch um die Herbstmeisterschaft, für die anderen um Wiedergutmachung für eine verkorkste Hinrunde:

Revierderby mit vielen Nebengeräuschen

07. Dezember 2006, 13:12 Uhr

Für die einen geht es noch um die Herbstmeisterschaft, für die anderen um Wiedergutmachung für eine verkorkste Hinrunde:

Für die einen geht es noch um die Herbstmeisterschaft, für die anderen um Wiedergutmachung für eine verkorkste Hinrunde: Im 128. Revierderby ist sportlich eigentlich für genug Brisanz gesorgt. Doch vor dem Klassiker Schalke 04 gegen Borussia Dortmund am Sonntag (17.00 Uhr/live bei arena) spielte der Sport eher eine Nebenrolle. Bei den Königsblauen, die in den verbleibenden beiden Spielen bis zur Winterpause Werder Bremen wieder als Tabellenführer ablösen wollen, war Manager Andreas Müller damit beschäftigt, das Werben der Konkurrenz um zwei prominente Reservisten abzuwehren. Erst meldete der Hamburger SV Interesse an Torhüter Frank Rost an; dann versuchte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke, mit dem öffentlichen Werben um Lincoln die Atmosphäre anzuheizen. `Wir planen mit beiden´, sagte Müller und blockte alle Anfragen mit einem `ganz klaren Nein´ ab. Die beiden Umworbenen dürften das Treiben abseits des Fußballfeldes mit gemischten Gefühlen verfolgt haben, auch wenn sie es wegen des anhaltenden Presseboykotts nicht sagten. Andere Klubs schätzen derzeit ihre Arbeit mehr als der eigene Arbeitgeber, der die beiden beim Derby aller Voraussicht nach wieder auf die Ersatzbank setzen wird. Der 33-jährige Rost muss erneut dem 13 Jahre jüngeren Manuel Neuer den Vortritt lassen.

Ein gutes Omen für den BVB: Denn beim 2: 1 der Schwarz-Gelben am 14. Mai 2005, dem einzigen Dortmunder Sieg gegen den Erzrivalen in den vergangenen 15 Duellen, fehlte Rost ebenfalls - damals allerdings verletzt. Und ob Spielmacher Lincoln wieder in die Startformation zurückkehrt, darf angesichts der wenig überzeugenden Kurzauftritte beim 2:1 gegen Bochum und dem 0:0 in Nürnberg bezweifelt werden. Die Meinung des Dortmunders Dede, der Schalke ohne seinen brasilianischen Landsmann nur als durchschnittliche Bundesliga-Mannschaft sieht, teilt Trainer Mirko Slomka derzeit wohl nicht. In Dortmund sind die Diskussionen um den vorzeitigen Abgang von Coach Bert van Marwijk gerade leiser geworden, da wird die Suche nach einem Nachfolger immer mehr zum Thema.

Nach Wunschkandidat Thomas von Heesen, der, vom Vorpreschen Watzkes verärgert, erst mit seinem jetzigen Arbeitgeber Arminia Bielefeld reden will, tauchte der Name Thomas Doll auf. Der Trainer des Hamburger SV könnte, wenn er in der Winterpause entlassen würde, zum BVB wechseln. Offiziell gehen die Dortmunder aber davon aus, dass van Marwijk bis zum Saisonende weiter arbeiten darf. `Professionelles Verhalten´ forderte unter anderem Sportdirektor Michael Zorc von der Mannschaft im Umgang mit der Situation: `Wir sollten alle ein bisschen ruhiger werden.´ Für den scheidenden van Marwijk wäre ein Sieg im Derby das beste Argument, tatsächlich bis Mai im Amt zu bleiben. Dabei setzt der Niederländer auf die Auswärtsstärke der Borussen: Drei ihrer fünf Saisonsiege feierten die Dortmunder in der Fremde.

Auch in der Veltins-Arena war der BVB zuletzt im Klassiker deutlich erfolgreicher als im heimischen Stadion: Von den vergangenen acht Gastspielen auf Schalke verlor Dortmund nur eines, daheim ist der BVB dagegen schon seit dem 14. November 1998 ohne Sieg. Ein weiteres gutes Omen für die Schwarz-Gelben: Stürmer Nelson Valdez, der noch immer auf sein erstes Bundesliga-Tor für den BVB wartet, hat gute Erinnerungen an die Königsblauen: `Ich habe mein erstes Liga-Tor gegen Schalke geschossen. Im August 2003 für Bremen. `

Autor:

Kommentieren