„Ich muss lange zurückblicken, wann ich gegen eine unfairere Mannschaft gespielt habe“, echauffierte sich Wolfgang Priester, Trainer des FC Kray nach 90 Minuten Kreispokal-Fight beim SC Werden-Heidhausen. „Ich wäre lieber ausgeschieden und hätte dafür zwei Verletzte und einen gesperrten Spieler weniger“ bekräftige Trainerkollege Jürgen Lucas.

Kreispokal Essen: FC Kray muss Weiterkommen teuer bezahlen

"Ich wäre lieber ausgeschieden"

Aaron Knopp
04. Februar 2007, 02:15 Uhr

„Ich muss lange zurückblicken, wann ich gegen eine unfairere Mannschaft gespielt habe“, echauffierte sich Wolfgang Priester, Trainer des FC Kray nach 90 Minuten Kreispokal-Fight beim SC Werden-Heidhausen. „Ich wäre lieber ausgeschieden und hätte dafür zwei Verletzte und einen gesperrten Spieler weniger“ bekräftige Trainerkollege Jürgen Lucas.

Dass sich der Landesligazweite mit 4:0 am Abend deutlich gegen den klassentieferen Gegner durchsetzte und fürs Kreispokal-Viertelfinale qualifiziert hatte, geriet fast zur Nebensache. Ein Ortstermin
Noch ehe das Spiel so richtig begonnen hatte, konnten die knapp 100 Zuschauer schon das erste Tor bestaunen - ein Tor das nie und nimmer hätte fallen dürfen. Sebastian Vietz schlug einen Freistoß aus über 35 Metern in Richtung gegnerischen Sechzehner. Was nach verunglückter Flanke aussah, geriet zur großen Überraschung aller zum Torschuss: Carsten Pawlowski, Torhüter der Hausherren, bekam die Fäuste nicht rechtzeitig hoch und so senkte sich der Ball über ihm ins Tor - 1:0 nach weniger als 180 Sekunden.

Das war es dann auch vorerst mit Fußball. Die Partie gewann zunehmend an Hektik und Härte. Im Fokus der Kritik beider Seiten stand der an diesem Abend äußerst unglücklich agierende Unparteiische. Statt von vorneherein durch eine klare Linie Hektik aus der Partie zu nehmen, zog er durch viele fragwürdige Entscheidungen zunehmend den Unmut beider Mannschaften auf sich. So zum Beispiel in der 31. Spielminute: FCK-Stürmer Bilal Rammo strauchelte im Strafraum, kam zu Fall und verlor kurz vor dem Tor den Ball. Der Schiedsrichter hatte aber einen absichtlichen Rückpass eines Werdener Anwerspielers gesehen, der von Carsten Pawelski mit den Händen aufgenommen wurde. Der folgende indirekte Freistoß blieb zwar ohne Folgen, doch auch abseits des Platzes verschärfte sich der Ton zwischen beiden Teams nun zusehends.

Mahmoud Karim (36.) für den Bezirksligisten und Sebastian Vietz (43.) für den FC Kray besaßen zunächst noch hochkarätige Chancen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erhitzte noch einmal eine Rudelbildung im Gästestrafraum die Gemüter. Nach einem Angriff des Außenseiters wurde Krays Torhüter am Kopf getroffen und der Schiedsrichter hatte seine liebe Not, die Akteure auseinander zu halten. Halbzeit. So viel sei vorweggenommen: die Gemüter hatten sich auch in den rund 15 Minuten Spielpause in der Kabine kaum abgekühlt.

Sechs Minuten nach Wiederanpfiff machte zunächst Carsten Pawelski dem Referee Konkurrenz um den Titel „Pechvogel des Tages“. Er ließ einen harmlosen Freistoß nach vorne abklatschen. Dummerweise direkt vor die Füße von Bilal Rammo, der zum 2:0 abstaubte. Keine zwei Minuten darauf kam das was kommen musste: Sascha Neue auf Seite der Gäste durfte vorzeitig duschen. Bezeichnenderweise nach einem vergleichsweise harmlosen Foul im Mittelfeld zog der Unparteiische "Rot".

Doch die Gäste schienen keineswegs verunsichert. Drei Minuten später stand Bilal Rammo plötzlich allein vor SCWH-Keeper Pawelski, der ihn mit einem brutalen Foulspiel von den Beinen holte. „Da hätte er ihm die Beine brechen können“ waren sich beide FCK-Trainer nach Abpfiff einig. Der Elfmeter saß jedenfalls – 3:0 durch Marcel Scheffner. Der gefoulte Rammo erlitt nach erster Diagnose „nur“ eine schwere Prellung. Die Entscheidung war längst gefallen.

Noch einen 'drauf setzt in der 67. Minute Chistian Maleszka, der mit einem schönen Schlenzer vom Strafraumeck auf 4:0 für die Gäste erhöhte – Pawelski agierte erneut unglücklich und hatte damit Anteil an allen Gegentreffern.

Danach gab es sportlich nichts mehr zu berichten. Auf dem Platz reihte sich Foul an Foul - in der 80. Minute kassierte Lars Wassyl Gelb-Rot auf Seiten der Werdener, wenig später war Schluss.

„Man kann körperlich engagiert zu Werke gehen, aber wenn man solche Mittel anwenden muss, sollte man sich Gedanken machen“ grantelte FCK-Coach Wolfgang Priester nach Schlusspfiff, um sich wenig später selbst einen Maulkorb zu erteilen „sonst verbrenne ich mir noch den Mund“.

Heim-Trainer Ralf Zils lobte dagegen die "kämpferische Leistung" seiner Mannschaft, besonders in der ersten Halbzeit. "Der Sieg ist ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen, aber ich bin zufrieden, wie meine Mannschaft dagegen gehalten hat.“

Autor: Aaron Knopp

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