Gehbehinderte Sportler können viele herkömmliche Geräte, wie Speer, Diskus oder Kugel nicht einfach mitbenutzen. Das Unternehmen Schäper bietet dafür Lösungen.

Besondere Sportgeräte

Unternehmen Schäper hilft Behinderten

Maik Thesing
06. Juni 2010, 13:34 Uhr

Gehbehinderte Sportler können viele herkömmliche Geräte, wie Speer, Diskus oder Kugel nicht einfach mitbenutzen. Das Unternehmen Schäper bietet dafür Lösungen.

Ulrich Schäper schaut zufrieden auf das gerade Geschaffene. Vor sich hat er ein Sportgerät, bei dem auf dem ersten Blick nicht zu erkennen ist, in welchen Disziplinen es zum Einsatz kommen wird. „Es macht mich stolz, dass wir die handwerkliche Qualität und das Geschick haben, solche Einzelanfertigungen zu produzieren. Es gibt nicht allzu viele Unternehmen, die das können.“ Hierbei spricht er von einer so genannten Werferplatte, einer Konstruktion, welche sein Unternehmen Schäper Sportgerätebau jüngst für die Internationalen Deutschen Meisterschaften in Bottrop angefertigt hatte.

Viele herkömmliche Geräte können von den Behinderten Athleten mitbenutzt werden. Anders verhält es sich bei den Gehbehinderten, für die Speer, Diskus oder Kugel im Mittelpunkt ihres Sports stehen. Bis ihre Konstruktion für den Wettkampfbetrieb freigegeben werden konnte, musste getüftelt werden. „Solche Geräte produziert man schließlich nicht ‚von der Stange“, erklärt Geschäftsführer Schäper. „Man hat sie nicht wie ein Fußballtor schon 1.000 Mal vorher gebaut, sondern muss sein Know-How erst entwickeln und dann gezielt einbringen.“ Vertreter des Behinderten-Sportverbandes schauten deshalb mehr als einmal vorbei, um sich mit den Mitarbeitern der Schäper-Fertigung abzustimmen.

Herausgekommen ist ein Sportgerät mit einer Vielzahl von Zugpunkten, mit denen der Werfer auf der Platte regelrecht fixiert wird. Was den Anschein eines eher unangenehmen Prozederes hat, ist allerdings eine schlichte Notwendigkeit, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, da die Sportler je nach Behinderungsgrad unterschiedliche Möglichkeiten haben, den unteren Teil ihres Körpers für das Erzielen der Weite einzusetzen. Zugleich muss der Sportler aber eine bestmögliche Bewegungsfreiheit für seinen Oberkörper vorfinden. Hinzu kommen Vorrichtungen, die es ermöglichen, das Gerät am Boden zu befestigen. Andernfalls würden die auftretenden Kräfte schlichtweg bewirken, dass Athlet samt Werferplatte zu Boden stürzen. Schäper: „Zudem war es wichtig, dass die Konstruktion in einen Kofferraum passt, so dass sie bei verschiedenen Sportfesten und Meisterschaften eingesetzt werden kann.“
[infobox-right]Mehr Informationen unter:
[url]http://www.sportschaeper.de[/url][/infobox] Vorerst gibt es den Werferstuhl nur in zweifacher Ausfertigung, doch „da werden wir schon bald den einen oder anderen neuen Auftrag bekommen“, ist sich Schäper sicher und kündigt an, dass sich die Werferplatte auch im demnächst erscheinenden Katalog wiederfinden wird. Das allerdings sei nicht Antrieb für die Entwicklung dieses neuen Produkts gewesen. Vielmehr versteht er die Anfertigung als Teil einer umfassenderen Partnerschaft.
„Wir unterstützen den Behindertensport schon sehr lange, sehen uns aber mehr als die stillen Helfer im Hintergrund.“ Seit kurzen agiert der Münsteraner Sportgeräte-Spezialist – in diesem Jahr feiert er seinen 50. Geburtstag – sogar als offizieller Partner des BSNW. Während der Tage von Bottrop wird es sich im Jahnstadion mit einem Informationsstand den interessierten Besuchern präsentieren, steht aber auch auf dem in Kürze stattfindenden Verbandstag in Düsseldorf als Ansprechpartner zur Verfügung. „Behinderte Sportler benötigen Sportgeräte, die auf ihre speziellen Anforderungen und Bedürfnisse zugeschnitten sind“, erklärt Schäper die Beweggründe seines Engagements. „Der Verband und wir setzen dabei auf einen gegenseitigen Austausch und wollen voneinander lernen. Hieraus sollen die bestmöglichen Bedingungen für einen barrierefreien Sport entstehen.“

Schäper weiter: „Es ist unser Anliegen, die Planer von Sportstätten darauf hinzuweisen, von Anfang an behindertengerechte Gegebenheiten zu gestalten. Oft wird das übersehen, wenn auch unabsichtlich, weil einfach nicht daran gedacht wird, wie aktiv Behinderte im Sport sind. Es entstehen für den Bauherren ja auch kaum Mehrkosten.“ Das sei eher der Fall, wenn man die Anlage zu einem späteren Zeitpunkt umrüsten muss. „Daran erkennt man, dass der Behindertensport leider nicht den Stellenwert hat, der ihm aufgrund seiner Erfolge zustehen müsste.“

Autor: Maik Thesing

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