Der Name Oscar (Leonard Carl) Pistorius dürfte seit 2007 vielen ein Begriff sein. Der Südafrikaner ist zur Symbolfigur des Behindertensports geworden.

Oscar Pistorius

Ein Sprinter erhitzt die Gemüter

Desirée Kraczyk
06. Juni 2010, 13:27 Uhr

Der Name Oscar (Leonard Carl) Pistorius dürfte seit 2007 vielen ein Begriff sein. Der Südafrikaner ist zur Symbolfigur des Behindertensports geworden.

Was haben Usain Bolt und Oscar Pistorius gemeinsam? Sie sind beide Weltrekordler über 100 und 200 Meter, haben beide bei den Sommerspielen in Peking 2008 drei Goldmedaillen geholt; sie sind die schnellsten Männer auf Erden. Letzterer trägt allerdings den Zusatz „the fastest thing on no legs“, wie sich Pistorius selbst bezeichnet. Und es gibt einen weiteren Unterschied: Bolt startete vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen, Pistorius bei den Paralympics.

Was hatte er für seine Teilnahme an diesem sportlichen Highlight gekämpft. Es sei die größte Ehre für ihn, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, hatte der Südafrikaner immer betont. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung, indem er ein Startverbot erteilte. Die Begründung des IAAF, der sich auf ein Gutachten des Kölner Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann berief: Die Carbonprothesen, mit denen Pistorius aufgrund seiner Behinderung läuft – im Alter von elf Monaten wurden ihm in Folge von Geburtsschäden die Beine unterhalb der Knie amputiert –, würden ihm einen zu großen Vorteil verschaffen. Pistorius verstieße gegen die Wettkampfregel 144.2 (e), die technische Hilfsmittel wie Federn, Räder oder andere Geräte verbietet.

Resignation kam für den Sprinter aber nicht in Frage. Er zog mit seinem Anliegen vor die höchste Instanz – dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne; mit – zumindest zwischenzeitlichen – Erfolg. Der Weg für seinen Start war frei, aber der „Blade Runner“ verpasste anschließend die erforderliche Qualifikation. Auch wenn sein großer Wunsch damit – noch nicht – in Erfüllung ging, der nächste Versuch wird definitiv in Angriff genommen. Und die größte Hürde wurde gemeistert: Er darf bei internationalen Wettkämpfen mit Nichtbehinderten starten. Dennoch, der Fall „Oscar Pistorius“ spaltet die Experten. Diskussionsthema bleibt dabei der mögliche Einfluss der Technik. Pistorius läuft auf extra für ihn angefertigten J-förmigen Prothesen aus Carbonfaserplatten, vom Hersteller „Cheetah“ - Gepard – genannt. Aus der Studie von Brüggemann ging hervor, dass er dadurch bei gleicher Laufgeschwindigkeit weniger Energie einsetzen muss als unversehrte Sprinter. Im vergangenen November behaupteten zudem zwei amerikanische Forscher, dass die Prothesen die Sprintgeschwindigkeit um 15 bis 30 Prozent vergrößern würden.

Es konnte aber auch bereits der Nachweis erbracht werden, dass Pistorius in der Startphase sowie in den Kurven im Nachteil ist. Da er erst auf Touren kommen muss, ist seine Paradestrecke auch die Stadionrunde. 2007 war er der zweitschnellste 400-Meter-Läufer Südafrikas. Die Peking-Norm verpasste er schließlich um lediglich sieben Zehntelsekunden.
So oder so, es wird eine Endlos-Debatte bleiben, zumal die Olympischen Spiele in London auch näher rücken, und da will Pistorius schließlich dabei sein.

Autor: Desirée Kraczyk

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